Freakshow

Vielleicht bin ich ja nur ein wenig übersensibel, aber irgendwie fällt mir in letzter Zeit doch auf daß vermehrt Schwarzvolk in meist einschlägigen TV Shows vertreten sind.
Gestern erst wieder, die Glotze war als Hintergrundberieselung noch angeschalten und plärrte vor sich hin während ich am Werkeln war. Handnähen geht mit etwas Hintergrundlärm und bewegtem Bild auf das man ab und an mal einen Blick fallen lassen kann halt doch einfacher von der Hand.
Meist verschlägt es mich auf eine Doku-Sendung, aber ab und an falle ich auch auf Mist rein – ich gebs ja zu. Kommt aber nicht oft vor.
Ich sehe mir sowas aber wirklich selten ohne Nebenbeschäftigung an, man will die Zeit ja schließlich sinnvoll nutzen.
Gestern aber war ich ahnungslos, hatte grade im Netz nach was gesucht als ich aus der Kiste hinter mir was von “Gothic” aufgeschnappt hatte.

Tja, Taff hat mal wieder zugeschlagen. Nach dem letzten (mir bewussten) Beitrag der zwar relativ wenig Sinn machte (“Gothic vs Hip Hop”) und sonst auch sehr geschmacksneutral ausfiel, wurde es diesmal schon deutlich komödiantischer.
Hier erstmal der Link zum Clip, zum genüsslich auf der Zunge zergehen lassen:

http://www.prosieben.de/tv/taff/videos/grufti-sucht-grufti-taff-video-141209-1.1260974/

Interessant ist aber auch wie sich die Berichterstattung mit der Zeit doch gewandelt hat. Waren damals die Goths noch die pöhsen Satanisten, so läuft das heutzutage meist doch auf ein köpfleintätschelndes “ooooch, das sind doch alles totaaaal liebe Spinner, die verkleiden sich halt gern und stehen totaaal auf mystisches und sowas”
Wo bleibt denn da der Respekt? Früher hat man bei unserem Anblick die Strassenseite gewechselt und jetzt sowas?

Naja, mal Scherz beiseite. Nein, gut finde ich es nicht wenn die Szeneanhänger als spinnerte Karnevalisten hingestellt werden.
Sicher gibt es auch Leute die lediglich auf Party aus sind und sich dazu gern schwarz anziehen – da gibt es ja ebenfalls genug Aussagen in diversen Berichten zu hören. Und auf diesen Zug wird dann nur allzu bereit mit aufgespungen, man erinnere sich an den Sat 1 WGT-”Bericht” von 2008, als Beispiel für unzählige weitere Beweise ernstzunehmender Berichterstattung *hust*.

Es gibt aber auch Ausnahmen, leider gehen diese wenigen die sich bemühen das Bild ein wenig gerade zu rücken oft durch geschickten Zusammenschnitt und manipulierende Off-Sprecher wieder im großen Spinner-Klischee unter. An wirklich guter Berichterstattung kann ich nur einsam und allein “Menschen hautnah” mit den Solitudes mit gutem Wissen und Gewissen nennen, hier ging es ausserdem in erster Linie um die Menschen und nicht um die Vorstellung einer ganzen Szene:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Und Teil 5

Zurück zu Taff. Hmm. Die Protagonisten wirken auf mich leider eher wie Schauspieler die mal besser mal schlechter ihre Rolle spielen.
Ich kenne die Herrschaften natürlich nicht und möchte ihnen aus der Luft gegriffen nicht pauschal einen Szenebezug absprechen, aber es fällt doch sehr auf wie künstlich alles wirkt und wie viele diffuse bis lächerliche Aussagen zu hören sind.
Es ist ja bekannt daß bei vielen solchen Formaten nach Drehbuch inszeniert wird, oder das Material wird so zusammengeschnitten daß wieder alles ins massentaugliche Bild passt. Wenn man bedenkt wie lange die Dreharbeiten zu einem grade mal 15-Minütigen Bericht sind – da hat man viel Material in der Hand um den Beitrag hinzubiegen. Sollte man wohl auch mal im Hinterkopf behalten wenn man sich fragt warum manche Leute dann sowas noch mitmachen.
Also ich kann solche Sendungen schon lange nicht mehr Ernst nehmen, schade daß es genügende Menschen eben doch tun und gute Konsumenten für mehr solcher Theaterstücke abgeben.

Und was mir auch negativ aufgefallen ist, ist daß der Tonfall bei einschlägigen TV-Formaten allgemein immer aggressiver wird. Da werden bei Castingshows die peinlichsten Auftritte gezeigt und nicht nur in der Sendung direkt entsprechend kommentiert, nein, man walzt das in anderen Sendungen gleich nochmal doppelt und dreifach breit.
“Freaks” werden explizit gesucht und dienen nicht selten als die amüsante Nebenrolle, oder besser: man “hilft” ihnen aus ihrem unglücklichen Freak-Dasein heraus – natürlich nicht ohne die armen Gestalten in der Sendung noch schön vorzuführen. Bestes Beispiel: “Das Model und der Freak”, zu dem Thema lässt sich aber folgender Focus-Artikel ziemlich gut und treffend aus.

Als Grufti gibt man natürlich immer einen super Freak für die Massenbelustigung ab. Vor ein paar Wochen schrieb mich die “Good Times Fernsehproduktions GmbH” über myspace an, mit der Frage ob ich denn Lust hätte an einer Sendung für Taff mitzuwirken, man suche derzeit 29 jährige Frauen die drüber erzählen sollen wie das so ist, als biologisches Weiblein, so kurz vor dem 30. Geburtstag.
Mal abgesehen davon daß es mir ziemlich wurscht ist in ein paar Monaten dann 30 zu sein – irgendwann passiert das jedem, hat glaub ich noch keinen umgebracht, oder? – riecht das schon streng nach Freak-Suche. Ich sah mich schon mit gekalktem Gesicht und voller Abendmontur vor der Kamera, bestimmt hätte man auf sowas bestanden, damit die Massen vor der Kiste dann wieder einen richtig spinnerten Freak zum bestaunen haben. Ah, ne danke, lass mal stecken.
Nicht daß ein falscher Eindruck entsteht – ich habe natürlich keine Sekunde in auch nur annähernd Betracht gezogen bei sowas mitzumachen, aber das Bild saß im Kopf fest.
Ich bin sogar fast ein bisschen neugierig ob im fertigen Beitrag dann tatsächlich eine Goth-Dame auftauchen wird. Ich denke nicht daß mich das dann überraschen wird.

Die Stimme aus dem Äther

Irgendwie hat mich die elektronische Klangerzeugung schon immer fasziniert, bin aber noch nie tiefer in dieses Gebiet eingetaucht da ich so schon genug Zeit-Totschlag Maßnahmen betreibe und um ehrlich zu sein … wenns drum geht selbst aktiv Musik auf solche Art machen zu wollen – da fehlt einfach Kleingeld und auch Platz für die ganzen Gerätschaften. Hie und da lese ich ein bisschen rum, aber meist doch weit davon entfernt um mit den aufgeschnappten Informationsfetzen was brauchbares anstellen zu können.

Und überhaupt, sebst Musik machen halte ich nicht grade für ein Talent von mir, ich hab als Kind mal die obligatorische Blockflöte gelernt, was mich nach 3 Jahren aber angeödet hatte und ich es aufgegeben habe. danach habe ich mich nie wirklich mehr dafür interessiert irgend ein Instrument erlernen zu wollen. Hätte ich die Möglichkeit und vielleicht gleichfalls Interessierte, dann könnte ich mir vorstellen daß das rumspielen mit Sythie und Co mein Interesse wecken könnte. Aber das sind alles theoretische Gedankenspiele, und nicht mehr.

Durch Zufall stieß ich vor ein paar Tagen beim rumlesen im Netz auf ein Musikinstrument das faszinierender nicht sein kann: das Theremin.

Der Begriff kam mir vage bekannt vor, wusste aber nicht woher, und gehört hatte ich irgendwann schonmal von so einem Instrument, aber ohne mich näher dafür zu interessieren damals.

Das Theremin wurde benannt nach seinem Erfinder, dem russischen Physiker Lev Sergejewitsch Termen, später in den USA als Leon Theremin bekannt. Das von ihm im Jahre 1919 erfundene Instrument bezeichnete man auch als Thereminvox, Termenvox oder Aetherophon bzw Ätherwellengeige. Es gilt als das erste Musikinstrument das Klänge elektronisch erzeugt und eine weitere Besonderheit ist die Tatsache daß man es ohne Berührung spielt. Ausserdem sind die Tonhöhen fließend, es gibt keine Markierungen welcher Ton wo sitzt – denn das ist ebenfalls von Gerät zu Gerät und Kalibrierung verschieden, man spielt also nach Gehör.
Robert Moog entwickelte im folgenden das Theremin weiter, und bei Moog Music sind noch immer hochwertige Instrumente erwerbbar.

Das Theremin besitzt zwei Antennen, eine vertikal angebrachte für die Tonhöhen – je näher man sich an dieser Antenne befindet, umso höher der Ton – und einer meist schlingenförmigen Antenne die seitlich angebracht ist und über die die Lautstärke des Tones gesteuert werden kann – je weiter man die Hand von der Schlinge entfernt, umso lauter.
Da die Tonhöhen sich kontinuierlich ändern wenn man die Hand von der vertikalen Antenne hin- und herbewegt kann man klare, einzelne Töne nur erreichen indem man die Lautstärke verringert bis man mit der Hand beim nächsten Ton angekommen ist – was dieses Instrument ziemlich kompliziert zu erlernen macht wenns drum geht erkennbare, klare Melodien zu spielen. Schräge Soundeffekte hingegen sollte man ohne große Übung hinbekommen *g*
Ausserdem muss man möglichst still stehenbleiben, denn das Theremin reagiert nicht allein auf die Hände des Spielenden, sondern auf alles was sich den Antennen nähert, da kann sogar die Bewegung die der Körper beim Atmen ausführt den Ton beeinflussen.

Wie also funktioniert das Ding?
Kurz angerissen: die Antennen sind mit Schwingkreisen verbunden und senden so elektromagnetische Strahlen aus, welche beeinflusst werden indem man Materie – zB eine Hand – in diese Felder bringt. Der gleiche Effekt tritt beispielsweise auf wenn man der Antenne eines alten Radios zu nahe kommt und aus den Lautsprechern ein Brummen hörbar wird.
Weiter will ich auf die Technik auch nicht eingehen, wer an mehr Infos interessiert ist kann sich durch die Links am Ende des Artikels durchgraben.

Besonders beliebt war das Theremin für Filmmusik und Soundeffekte bei Horror- und Science-Fiction Filmen in den 40er-60er Jahren, wegen seines schauerlichen, seltsamen Klanges.
In den Händen erfahrener Thereministen zeigt das Instrument eine fast menschenähnliche Stimme die einfach nur wunderschön ist:

Zu den berühmtesten Musikern zählt Clara Rockmore die direkt von Leon Theremin gelernt hatte.

Ich muss gestehen, das ist ein Instrument das ich zu gern lernen würde. Und das meine ich ernst.
Allerdings dürfte das kein einfaches Unternehmen werden, ob es wirklich durchführbar ist ist natürlich ziemlich fraglich. Und wenn man bedenkt wie wenige wirklich geniale Thereministen es gibt … aber Hornviech ist Hornviech. Falls es überhaupt soweit kommt glaub ich auch kaum daß ich groß umwerfend werde *g* die meisten die sich heutzutage mit dem Instrument beschäftigen und wirklich gut sind haben bereits einen musikalischen Hintergrund, das reißen meine 3 Jahre Blockflöte zu Grundschulzeiten natürlich nicht raus. Aber wurscht, ganz im Sinne des Punk – wenn ich mal an sowas rankomme (und ich spiele auch schon mit dem Gedanken für erste Testzwecke mal selbst zum Lötkolben zu greifen) dann wirds probiert, vielleicht kommt dann ja irgend wann mal eine ulkige Form von Ambient dabei raus *g*
Die Faszination des Theremin ist für mich einfach die Art wie es gespielt wird, frei in der Luft ohne Kontakt zu irgendwelchen Tasten oder Saiten, die Stimme … hach.

Und wer jetzt auch neugierig auf mehr ist, hier gibts weiterführende Links mit noch mehr zum Thema Theremin:

http://www.thereminvox.com
http://www.thereminworld.com
http://www.moogmusic.com/