Maschinenfest 2k13

IMAG0082_kl On the road again – nach nervigem Umzugskisten-Schleppen und einem Haufen weiterer Unerfreulichkeiten, war es endlich mal wieder soweit, Chris und ich begaben uns gen Nordrhein-Westfalen, um dort ein dreitägiges Festival zu besuchen.

Diesmal nichts mit neoklassischen Klängen und Leuten in aufwendigen Roben, keine Foto-Menschen auf Safari, kein edler, historischer Saal.

1999 fand das Maschinenfest zum ersten Mal statt, seitdem  finden sich jedes Jahr zahlreiche Bands aus dem Industrial-Umfeld und Fans dieser Musiksparte in der Turbinenhalle in Oberhausen ein.

Ich selbst hatte schon seid einigen Jahren vor, mir das mal anzusehen, doch wie es immer ist – nie wollte es organisatorisch gesehen hinhauen. Ein Glück daß Chris sich für solche Musik ebenfalls begeistern kann, und so haben wir es in diesem Jahr dann endlich geschafft,d en knapp fünfstündigen Fahrweg bis Köln auf uns zu nehmen, wo uns ein Bekannter liebenswerterweise beherbergte. Von da aus ist Oberhausen nochmal 45 Fahrtminuten weg, nicht ganz ohne wenn man das dann drei Tage fahren muss, besonders beim Rückweg, aber noch im Rahmen.

Jetzt aber moment mal – Kalkleisten und Romantik-Grufties auf einem Industrial-Festival?

Ja, das passt sogar sehr gut zusammen, wie uns dann auch einer der Künstler am letzten Tag noch eindrucksvoll bewiesen hatte ;) – aber dazu später mehr – nur soviel dazu – wer sich mal die Playlisten diverser Götteränze ansieht, stellt schnell fest daß da mehr echter Industrial gespielt wird, als auf puren Cyber-Parties – man denke da an Sephiroth, Test Dept oder Mental Measuretech …

Aber zurück zum Anfang.

Donnerstag morgen, der 10. Oktober, gegen 11:00 Uhr, ich fummle noch schnell meinen Schlips zurecht, und dann geht es los.

Die Fahrt ist unspektakulär. Es regnet teilweise in Strömen, mittendrin kommt sogar auch mal ein Fetzerl Sonne raus, zähflüssiger Verkehr kurz vor Köln, aber es wird aus, und so schlagen wir irgendwas vor 18:00 Uhr in Köln Vogelsang auf. Ziemlich kaputt, ebenso unser Gastgeber der sich kurz darauf mit Grippe in die Arbeit schleppen darf und somit uns sein Domizil überlässt.

Wir decken uns noch kurz beim Supermarkt mit Frühstück und Wein für den Abend ein, dann machen wir ausgiebig Gebrauch von Watchever und lassen den Abend mit “Little Britain” und einem Schluck trockenen Weißen ausklingen. In der Turbinenhalle wäre eine Warm Up Party, doch Chris hat vom Fahren die Nase voll – was auch völlig verständlich ist. Ich bin auch platt, und gegen 23:00 Uhr fallen wir um.

Die Tage beginnen allesamt sehr gemütlich, da die Konzerte erst gegen 18:00 Uhr anfangen. Wir verbringen den Freitag-Vormittag mit Doctor Who und einem Abstecher nach Köln um zu Frühstücken. Dazu verschlägt es uns in eine kleine Bäckerei mit SItzgelegenheiten, nahe der Oper. Mir fällt auf wie ungemein offen und freundlich die Leute sind – womöglich ist am Klischee des grumpfigen, miesmutigen Franken ja doch was dran ;)

Neben uns hat sich ein Grüppchen Iren breit gemacht die sich viel  Mühe geben den ganzen Laden zu unterhalten. Wir erfahren daß sie für ein Fußballspiel angereist sind, natürlich passend gekleidet in den Nationalfarben und mit einem Aufblas-Hammer im Gepäck.

Ich schlürfe an meinem Tee und grinse, die Herrschaften sind zwar redseelig, aber auf sehr sympathische Weise.

Wir machen und am Nachmittag dann ganz gemütlich fertig, Chris passend für Tzolk’In mit Turban und Pluderhosen, und ich im Anzug, da fühl ich mich momentan am Wohlsten drin und auf herbes Auftakeln habe ich keine Lust, ich bin noch ein wenig angeschlagen.

Gegen 16:00 Uhr fahren wir dann nach Oberhausen, 45 Minuten Fahrzeit sagt das Navi, die doppelte Zeit via Landstraße. Schon bei der Auffahrt auf die Autobahn stockt der Verkehr. Und es will nicht besser werden, alle 5 Kilometer haben wir einen kurzen Stau, es nervt. Die letzte halbe Stunde geht dann über Landstraße. Zwei volle Stunden hat es gebraucht bis wir da waren, und das war schon sehr nervtötend. Aber immernoch rechtzeitig zur ersten Band – sofern man das als “Band” bezeichnen kann, denn die meisten Elektro-Künstler sind Einzelgänger und schrauben auf der Bühne ihre Klangteppiche zusammen.

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Der erste Künstler – Person Unknown – macht seinem Namen alle Ehre und taucht mit weißer Maske auf der Bühne auf, ob er darüber eine Sonnenbrille trägt oder die Maske bemalt ist, kann ich nicht erkennen, er sieht aus wie das typische Alien mit den großen schwarzen Augen.

Aber ein super Einstieg. Die Turbinenhalle ist die perfekte Location für diese Musik. Die Bühne ist bis unter das Dach mit Elementen von Bauzäunen dekoriert, auf denen die beeindruckende Lichtanlage herumspielt.  Besonders übel sind einige grellweiße Scheinwerfer die gelegentlich im Takt als Stroboskobe geschaltet werden, zum Einen brennen sie sich schwer in die Netzhaut wenn man sich gerade ans Dunkel der Konzerthalle gewöhnt hat, zum Anderen wird einem tatsächlich schnell mal schwindlig davon, besonders wenn die Musik ihr Übriges tut.

Wir sind hier in einer äusserst dystopischen Parallelwelt gelandet,  wo die Farbe von den Wänden blättert und nackter Stahl die beeindruckende Halle stützt. Beton unter den Pikes. Vor der Bühne ist noch immer der alte Lastenkran installiert, Marke M.A.N, Baujahr 1920. Und er funktioniert noch – wie wir an dem Wochenende mehrmals zu Gesicht bekommen. Chris und ich sind sofort begeistert von dem alten, industriellen Bau und der schneidend kalten Atmosphäre – halbwegs zumindest, denn die Temperatur ist ziemlich niedrig und will auch bei ausreichend Leuten im Saal nicht wirklich nach oben gehen, und so friere ich trotz dreiteiligem Anzug vor mich hin.

Der zweite Künstler – Le Moderniste – knallt ordentlich rein, und ich fürchte schon er bläst mir die Bügelfalten aus den Hosen :D – jedenfalls vibriert der Stoff um mich rum ordentlich mit.

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Danach noch Fausten – sehr genial, aber die Videoprojektion ist genretypisch krankes Zeug, danach brauche ich erstmal eine Pause.

Die nächste Band wird ignoriert, bei “Sudden Infant” sitzen wir im spartanischen Imbiß-Raum zwischen Stahlträgern und Plastik-Tischdecken und ruhen die Füße aus. Uns beide spricht der Künstler auch nicht sehr an, im Prinzip brüllt er eine gute Stunde lang in sein Mikrophon.

Nächster Versuch – config.sys – drei Stücke halte ich durch, dann merke ich daß bei mir Schicht im Schacht ist, leider, Tzol’kin und The Klinik hätte ich gerne gesehen, aber meine Aufnahmefähigkeit ist für heute ausgereizt, im Stroboskopgewitter der Lichtanlage kann ich mich kaum auf den Beinen halten, also treten wir den Rückzug an und hauen uns zum Runterkommen ruhigen Wave im Auto auf die Ohren.

Zweiter Tag, der Morgen wird mit ein paar Doctor Who Episoden begonnen, ich schlürfe meinen Tee.

Gemütlich kommen wir wieder gegen 18:00 Uhr an, diesmal ohne Stau. Wir lassen es ruhig angehen und quasseln ein wenig mit neuen Bekannten.

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Von Alarmen bekommen wir dann noch die letzten beiden Stücke mit – toller Ambient, da werde ich mich nochmal weiter reinhören – Greyhound danach ist uns nach zwei Stücken zu viel Geprügel.

In die Konzerthalle treibt es uns dann zu Ruby my Dear. Wir hatten vormittags ein paar Stücke gehört und fanden das Projekt absolut genial

Man stelle sich Ambient a la Space Nights zwischen Trip Hop und Dubstep vor. Irgendwie ganz schön cool. Die Füße wollen sofort mit, schaffen die durchbrochenen Beats aber nicht immer – eine tolle Entdeckung ist das französische Ein-Mann-Projekt aber definitiv, und Chris sackt kurz darauf gleich die Scheibe in Vinyl ein. Und mir ist endlich mal warm nachdem ich das ganze Konzert in Bewegung war.

Nach Ankunft in der Turbinenhalle versuche ich fast eine Stunde lang zu ignorieren daß ich am ganzen Kerl schlottere, obwohl ich bis zum Hals eingepackt bin ist es dreckskalt – manche Besucher kommen in kurzen Röcken, T-Shirts oder Trägertops, wie die das aushalten frage ich mich an dem Wochenende mehrmals.

Beinahe nahtlos geht es mit Klangstabil weiter. Eine Band die mehr melodisch ist und die ich schon sehr lange mal live sehen wollte. Enttäuscht haben die zwei Herren uns auch nicht, das Konzert kam uns viel zu kurz vor, obwohl es das nicht war. Stücke wie “Math and Emotion” und “You May Start” haben uns jedenfalls reichlich Dampf unter den Pikes gemacht.

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Zwischen den Konzerten ist natürlich Plaudern mit neuen Bekannten ein Muss, am Stück sind mir so viele Konzerte jedenfalls sowieso zu viel und manche Projekte muss man auch im Gehörgang setzen lassen. Die schlimmsten Geprügel-Bands haben wir heute aber sowieso aussen vor gelassen. Ausserdem, ein Festival ohne Leute treffen finde ich dann auch blöde.

IMAG0085_klIm Laufe der drei Tage sehen wir auch noch andere Räumlichkeiten der Turbinenhalle, die anders als der Name verlauten lässt keine Turbinen beherbergte, sondern Gasmaschinen, mit denen Strom für die ansässige Eisenhütte II erzeugt wurde. Erbaut im Jahre 1909 stand der riesige Bau dann in den 1980er Jahren, als der Hüttenbetrieb zurück ging, leer, bis 1993 in einem der Hallen eine Discothek eingerichtet wird.

Rundum ist die ganze Turbinenhalle Industrie pur, vom ehemaligen Betrieb geschwärzte Wände, nackte Stahlträger, Beton. Der Raum in dem der Imbiß untergebracht ist, könnte kärger nicht sein, im Durchgang zu den Toiletten blättert die rote Farbe von der Wand, die Disco, die von vielen dann als etwas ruhigerer Ort zum Verschnaufen genutzt wird, hat unterkühlten Beton-Charme – wie herrlich kann man sich da einen Haufen Waver vorstellen die zu guter Musik ihre Pikes über den grauen Boden schlurfen lassen … Chris und ich sind hellauf begeistert!

Dennoch verlassen wir Oberhausen um 1:00Uhr, in etwa eine Stunde nach Klangstabil. Zwei Bands würden jetzt noch kommen, aber wir sind müde und müssen ja noch nach Köln zurück.

Sonntag fahren wir ein wenig früher los und sind gegen 16:00 Uhr wieder in der Turbinenhalle, aber nicht nur wir sind immernoch müde von den beiden Tagen davor, auch das restliche Publikum ist alles andere als zahlreich anwesend, die Türen zum Konzertbereich noch nicht offen, obwohl Monolog für die Uhrzeit im Programm steht.

Die Verzögerungen fallen aber nicht weiter schlimm aus. Monolog hören wir uns an, gefiel mir auch ganz gut, nur war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht allzu sehr in Stimmung. Das ändert sich dann bei Phillip Münch, ausnahmsweise stehen hier mal drei Menschen auf der Bühne, es gibt sogar eine Sängerin, ein wenig erinnert mich das an Sanctum, ähnlich experimentell fallen die Musikstücke aus, die Pikes wippen schon mit.

Von der vorherigen Band bekommen wir auch noch zwei Stücke mit – SIlent Walls – schöner Dark Ambient, eigentlich schade daß wir die nicht auch noch gesehen haben, aber wie gesagt, gerade bei solchen Musikprojekten ist die Aufnahmefähigkeit schnell am Ende. Immerhin, pro Tag stehen 9 Bands hintereinander auf der Bühne, das kann man unmöglich komplett schaffen.

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Danach lassen wir Shorai und Control saußen und verquatschen uns wieder – wir lernen eine Dame aus Paris kennen die uns die vorherigen Tage schon auffiel, da sie die einzige in Cyber-Klamotten ist. Ohne Neon, allerdings, und ansonsten sehen wir auch weiter keinen Vertreter der Cyber-Sorte.

Cyber hin oder her, sympathisch ist die Dame in jedem Fall, auch wenn die Kommunikation oft schwer fällt …

Dominik, eine weitere sehr liebenswerte Bekannschaft des Wochenendes, schwärmt schon den ganzen Tag von Sonic Area, auch beim Testhören am Morgen gefiel uns die Musik schonmal ganz gut, und der Live-Auftritt ist mit Sicherheit der Beste des ganzen Festivals.

Da steht eine Gestalt mit bizarrer Maske auf der Bühne, mit weißen Handschuhen und in einen victorianischen Anzug gekleidet, ebenso als Deko Absinthflasche und Glas und ein Kerzenständer mit elektrischen Birnen. Geniale Kombination, hochgradig kreative Musik, dazu der historische Aufzug der insgesamt an Geschichten von Edgar A. Poe denken lässt. In ein bestimmtes Genre lässt sich Sonic Area nicht wirklich einordnen, der Künstler bedient sich bei Dubstep, mischt unschuldige Spieluhren-Melodien mit ein wie barocke Arrangements, ist mal treibend-rhytmisch, mal langsam und melancholisch. Das letzte Stück würde auch perfekt auf einen Göttertanz passen, was Chris überzeugend demonstriert indem er den Reifrocksaum mit Schwung über den Betonboden wischen lässt. Auch das Artwork der Scheibe “Music for Ghosts” knüpft perfekt an victorianische Geister-Photographie an und lässt an Seancen und die damalig vorherrschende Euphorie für Übernatürliches denken.

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Nach dem Konzert sind wir beide zutiefst beeindruckt, und Dominik schier aus dem Häuschen :D

Mimetic lassen wir deswegen auch saußen, Mono No Aware ist uns im Moment dann auch zu brachial. Kurz vor Ah Cama-Sotz brechen wir ab weil die Müdigkeit schon arg zugeschlagen hat, wir verabschieden uns, treten den Rückflug an und pennen in Köln nahtlos weg.

Vormittags darauf packen wir uns zusammen und verlassen Olli, unseren Gastgeber gegen 11:00 Uhr, der ist noch sichtlich angeschlagen, und in den vier Tagen haben wir uns auch nicht wirklich oft gesehen, dank Grippe und Arbeitszeiten die mit dem Festival-Plan nicht ganz konform gingen. Danke aber dennoch fürs unterkriechen lassen – die Wohnung ist sehr gemütlich und ich habe mich doch ganz wohl gefühlt.

Wir kommen gut durch, halten nur ein paarmal öfters an als auf dem Hinweg, zuhause bin ich dann komplett platt und für den Rest des Tages nicht mehr vernünftig ansprechbar …

IMAG0117_klFazit: das Maschinenfest hat sich völlig gelohnt und im nächsten Jahr ist es wieder fest eingeplant. Die Turbinenhalle ist absolut großartig und auch die Atmosphäre wie die Leute ganz toll. Ein paar Dinge werden wir anders organisieren, wie zB eine Unterkunft näher an Oberhausen suchen, dann klappt es hoffentlich auch mit Bands die ganz am Schluß spielen, denn Tzolk’In, The Klinik und Ah Cama-Sotz wären schon sehr sehenswert gewesen.

Über die Organisation kann man auch nicht weiter meckern, am ersten Tag verschoben sich die Bands zwar ein ganzes Stück nach hinten, aber Samstags blieb es fast exakt beim Plan, und Sonntag hat nur die vorletzte Band merklich geschoben. Die Leute am EIngang sowie den Ständen waren nett, lediglich einer legte die größtmöglichste Verpeiltheit an den Tag, als Chris abends vor der Rückfahrt nochmal Kaffee holte.

Größter Kritikpunkt sind die Bänder, da für drei Tage durchgehend solche Abreiß-Wegwerfdinger verwendet wurden, die bei uns kaum durchhielten, für Einzeltickets ist das OK, aber für alle drei Tage suboptimal, wenn die Veranstalter da gewebte Bänder nehmen würden, wäre das deutlich besser, aber ansonsten nichts zu meckern – in diesem Sinne, bis zum nächsten Jahr, Maschinenfest!

Gothic Friday Juni – dein bestes Konzert – Rosa Crux

Eigentlich bin ich kein allzu intensiver Konzert- und Festivalgänger. Erstere habe ich am liebsten in einem kleinen, überschaubaren Rahmen und gut ausgewählt. Riesenkonzerthallen sind mir zuwider, das Gefühl zur menschlichen Sardine in der Masse zu verkommen treibt mir regelrecht den Angstschweiß auf die Stirn, das familiäre Gefühl eines kleinen, dafür sehr feinen Konzertes ist mir um Längen lieber, wie beispielsweise Jännerwein im März diesen Jahres oder im letzten Jahr das “Schön Dunkel”.

08/15 Festivals interssieren mich nur selten, meist bekommt man ja nur den schwarzen Mainstream-Einheitsbrei vorgesetzt und steckt den ganzen Tag über auf einem abgezäunten Gelände fest. Wenn dann das Wetter nicht mitmacht hat man kaum Rückzugschancen oder Alternativangebote. Anders beim WGT. Wer es mag findet da auch seinen schwarz angemalten Einheitsbrei, aber noch schöner sind Neuentdeckungen und Auftritte die in einem anderen Rahmen nur schwer zu sehen sind.

Eigentlich gab es auf jedem WGT mindestens ein Highlight-Konzert für mich – 2009 waren es Otto Dix, 2008 Sieben in der Krypta,letztes Jahr Attrition. 2007 gab es zwei super-Highlights, eines davon Coph Nia. Doch das zweite Konzert dieses WGTs sticht unter allen noch ein wenig mehr hervor:

Es ist Pfingstsamstag. Meine Begleiterin und ich sitzen im Cafe des Schauspielhauses da wir zeitig da waren um noch ein Plätzchen zu erwischen. Den Nachmittag verbrachte ich hauptsächlich beim Natron und Soda Treffen im Schillerpark – da habe ich meine Begleitung auch ganz spontan aufgesammelt. Über das Forum hatten wir schon Kontakt, die Dame wollte nach einem ausführlichen Schwätzchen eigentlich weiter zur Parkbühne, doch dann zog der Himmel zu und der scharf auffrischende Wind versprach Gewitterschauer – also entschied sie sich um und folgte mir. Über die Begleitung habe ich mich freilich gefreut, nicht nur weil ich sonst allein ins Schauspielhaus hätte gehen müssen, neben Nähfachsimpelei verkürzten wir uns die Wartezeit bis zum Konzert auch mit allerhand Philosogeschwafel um Goth, die Welt und Schwarz an sich.

Gegen 20:00 Uhr begann das Konzert das mich zutiefst beeindruckte – von der Band hatte ich im Vorjahr schon gehört – 2006 spielte sie schon einmal zum WGT – eigentlich vermeidet die WGT-Orga daß Bands zwei Jahre in Folge spielen, daß hier eine Ausnahme gemacht wurde war mein großes Glück.

Ein paar Lieder kannte ich im Vorfeld dann schon – dank alljährlichem Durchhören durch die Bandliste, und die die einen sowieso interessieren nimmt man ein wenig näher unter die Lupe. Doch was mich bei dem Konzert erwarten sollte wusste ich dann doch nicht so recht.

Auf der Bühne wuselten die Bandmitglieder zwischen reichlich skurrilen Musikgeräten herum – allen voran das gigantische Glockenspiel – und entzündeten ein Kerzenmeer das die Bühne fast wie eine Kirche wirken lies in der irgend ein völlig schräges Ritual abgehalten werden sollte – ich war entzückt!

Daß Rosa Crux mehr als “nur” eine Band sind wurde beim Auftakt schon klar – da kauerten sich zwei Tänzer an den vorderen Bühnenrand, mit bizarren Helmen bekleidet und Metallplatten an der Kleidung. Es stellte sich heraus daß die Tänzer mit ihrer Performance durch diese Platten ein Teil der Percussion wurden – jetzt war ich zutiefst fasziniert und höllisch gespannt auf mehr!

Danach begrüßte Olivier Tarabo die Menge auf englisch mit ausgeprägt französischem Akzent – und dann ging es so richtig los. BAM – die Percussion-Maschine welche aus mehreren Trommeln besteht, bewegte sich völlig ohne menschliche Bedienung und produzierte martialische Rhytmen, Oliviers schneidende Stimme ist extrem charakteristisch und passt ins archaisch wirkende Gesamtkonzept einfach perfekt – live bohrt sie sich derart in den Gehörgang – so richtig beschreiben kann man das alles nicht. Einen weiteren innerlichen Luftsprung machte ich als Claude energisch in die Tasten schlug mit denen das gewaltige Glockenspiel bedient wurde. Dazu liefen Videoprojektionen die das Arsenal der restlichen Performance-Installationen der Band zeigte – besonders eindrucksvoll: der runde Stahlkäfig in dem ein nackter Mann mehrere Male wie ein gigantisches Pendel gegen ein Stahlblech gedonnert wurde.
Die alte Homepage wartete mit weit mehr Hintergrundinformationen auf, aber ich erinnere mich noch an den Satz, man fand das Geräusch so toll daß das menschliche Pendel erzeugte (das Zitat von Olivier Tarabo taucht auf französisch aber bei untenstehendem Video nochmals auf) *g*

In der Videoprojektion zu “Omnes Qui Descendunt” war bereits der “Danse de la Terre” zu bestaunen, später warf ein gelblicher Scheinwerfer unversehens Licht auf das Tänzerpaar das sich, während das Publikum vom Geschehen noch gänzlich gefangen genommen war – hinter der Band auf ein Podest geschlichen hatte. Das live zu sehen setzte dem sowieso schon umwerfenden Konzerterlebnis das Sahnehäubchen auf.

Wirklich passend beschreiben kann man die Stimmung eines Rosa Crux Konzertes nicht. Es ist auf jeden Fall sehr intensiv, finster, morbide und einfach irgendwie ganz anders. Tatsächlich hat die Darbietung etwas von einem Ritual, es ist sehr archaisch – man findet sich in Zeiten weit weit vor dem Mittelalter wieder, aber in einer Parallelwelt. Oder vielleicht auch schon halb in der Anderswelt.
Musikalisch kann man die Band eher schwer einordnen. Gegründet wurde sie bereits anno 1984, mitten im Umfeld von Postpunk, Wave und experimenteller Musik. Am passendsten wären wohl die Einordnungen in den Industrial, respektive Ritual. Musik die eine große Schar an recht unterschiedlichen Hörern kollektiv aus den Latschen (und Pikes) haut.
Die Texte die vertont werden stammen aus alten Büchern, sie sind bewusst in lateinischer Sprache gewählt damit der Hörer sich in erster Linie in die Musik fallen lassen kann, ein verständlicher Text würde die Aufmerksamkeit davon ablenken (es sei denn man “durfte” sich in der Schule durch Latein quälen und hat davon noch nicht alles verdrängt *g*). Dazu kommt ein ganzen Universum an Symbolik und Hintergründen – Rosa Crux ist also keine einfach zu konsumierende Band – alles andere wäre aber freilich auch langweilig, oder?

Wir fanden uns nach dem Konzert etwas perplex vor dem Schauspielhaus wieder. Meine Begleitung wusste noch nicht so recht was sie von dem allen halten sollte, die Band war ihr komplett unbekannt gewesen, ziemlichen Eindruck hat sie bei ihr aber sichtlich auch gemacht.
Für mich war der Abend dann auch gelaufen, ich schob meinen Reifrock und mich zurück in die Wohnung der Bekannten die mich damals aufgenommen hatte und verbrachte die restlichen Stunden mit einem Glas Wein bei warmem Gewitterregen allein auf dem Balkon. Nichts hätte besser gepasst diese Eindrücke nochmal gebührend Revue passieren zu lassen.

Seitdem ist Rosa Crux eine meiner absoluten Lieblingsbands, mein Wunsch wäre es, einmal die ganz große Show in Rouen zu sehen wo die ganzen schrägen Installationen live zu sehen sind. Aber auch bei den kleinen Bühnenshows sind Rosa Crux ein absolutes Erlebnis das ich nur empfehlen kann.

Wer mehr sehen möchte, dem sei der Youtube-Kanal der Band ans Herz gelegt: http://www.youtube.com/user/RosaCruxTV
Die offizielle Homepage: http://www.rosacrux.org/
Myspace-Profil für Hörproben: http://myspace.com/rosacrux

Selbstzerstörung als Kunstform – die Geschichte von John Faré

Industrial ist eine üble Sache – wenn man darunter Agonoize und Ähnliches versteht, dann sowieso ;) aber wer mit dem Begriff wirklich was anfangen kann, der weiß auch daß Neonklamottenträger bei waschechten Industrialperformances schreiend zu Mammi gerannt wären – man verzeihe mir die Bissigkeit der obigen Worte ;)

“Industrial music for industrial people” – ein Satz der heute auch noch gelegentlich zitiert wird und dabei eher als Werberuf für Finstertechno-Parties eingesetzt wird. Doch wers erfunden hat – weiß das noch jemand?
Das Enfant Terrible der jungen Industrial Culture Ende der 70er wars – Monte Cazazza – der mit schockierenden Aktionen seine Umwelt verschreckt hat und auch einige Zeit in Gefängnissen und Psychatrien zugebracht haben soll.

Über die Industrial Culture möchte ich weiter keine Wort verlieren und verweise stattdessen auf diesen sehr lesenswerten Artikel, der eigentlich genau das auf den Punkt bringt was mit Industrial ursprünglich gemeint war : Die Industrial Culture Szene” – kein Neon, keine Party, keine Fellpuscheln …

Ein Name taucht im Zusammenhang mit der Industrial Culture immer wieder auf – John Fare.
Der kanadische Performancekünstler hat 1936 in Toronto das Licht der Welt erblickt, wenig erfolgreich als Student der Architektur verließ er London, wo er studiert hatte und ging nach Kopenhagen. Seine frühen “Aktionen” bestanden darin sich in der Öffentlichkeit auszuziehen oder seinen nackten Hintern gegen die Fensterscheiben von Nobelrestaurants zu drücken.
Was heutzutage dann gelegentlich im Nachmittagsprogramm der geliebten Privatsender als Proll-Belustigung ausgestrahlt wird, waren damals ausgewachsene Skandale, die John Fare immer wieder zu Gefängnis- und Psychatrieaufhalten verhalfen.

Prothese

Den absoluten Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere erreichte John Fare ab Mitt der 60er jahre mit einer Serie von Performances in denen er sich schrittweise selbst verstümmelte und schließlich sogar umbrachte.
Dazu baute er einen automatischen Roboter der aus einem Operationstisch und vier mechanischen Armen bestand, auf dem er sich für jede einzelne Performance schnallen lies. Bei der ersten Veranstaltung wurde er dabei lobotomisiert – was 1964 in Kopenhagen stattgefunden haben soll.
1968 lies er sich in der nächsten Show die komplette rechte Hand amputieren und im Weiteren verlor er in seinen Shows ein Auge, beide Hoden, Finger, Zehen und auch innere Organe sowie mehrere Stücke seiner Haut, die verlorenen Gliedmaßen wurden durch Prothesen aus Metall und Plastik ersetzt die aber wenig Funktional waren und mehr als Symbol der Entmenschlichung dienten.
Bei den Amputationen wurden Mikrofone an Fares Körper sowie der Maschine angebracht, die die Geräusche während der “Vorführungen” über Lautsprecher in den Zuschauerraum übertrugen. Die Klangcollagen sollen Ähnlichkeiten mit Walgesängen gehabt haben – was sich freilich sehr euphemistisch anhören mag wenn man sich vor Augen führen mag daß auch Knochensägen bei der Amputation der Hand im Spiel gewesen sein mussten.

Die abgetrennten Körperteile wurden danach thetaralisch in Ethanol eingelegt und aufbewahrt.

The operation over, one metal claw abruptly raised the hand and wagged it about horribly for a few seconds, as one would a found purse everyone had been searching for in a large field. It then placed the hand in a jar of alchohol, which Andoff, reappearing with the houselights, carefully labelled and placed on a table next to the birth certificate.*

“Dying is an art like everyone else!” wurde John Fare als Zitat in den Mund gelegt, und um dem nachzukommen lies er sich von seinem Roboter enthaupten – als finale Performance, von einer Art angeschliffenem Ventilator.

Die Kunstform der Performance, die in den 60ern aufkam spielte oft mir menschlichen Perversionen und Abgründen, der Künstler erniedrigte sich oft vor dem Publikum, Selbstverstümmelung war auch ein Thema das immer wieder auftauchte. So war der Künstler von seinem Werk nicht getrennt sondern quasi selbst das erschaffene Werk das vor den Augen des Publikums ausgestellt wurde.
Auch die Verbindung Mensch-Maschine war ein oft aufgegriffenes Thema, was hier selten glanzvoll und glattpoliert präsentiert wurde, sondern mit allen negativen Folgen die menschliche Urängste berührten.
Vorläufer der Performance finden sich in den Kunstformen des Dadaismus und Futurismus, auch aufgenommen werden kultische Ritualhandlungen.

Und hier schließt sich wieder der Kreis zum Industrial als Musikform und seiner Nachfolger die oben genanntes ebenso als Inhalte haben.

Die geschichte von John Fare hielt sich in den Kreisen der Industrial Culture und des Postpunks lange, schließlich waren seine Performances die ultimative Industrial-Show – der Selbstmord auf Raten bis zum furiosen Finale! Auch die aufkeimende Body-Art Szene deren verwässerte Modeauswüchse heute in ungeliebten “Arschgenweihen” und den aus der Mode gekommenen Augenbrauenpiercings im Mainstream angekommen sind, stürzten sich auf die erschreckende Geschichte von John Fare.

Doch das alles ist nur eine Legende.

1985 schrieb der Performancekünstler Danny Devos einen Brief an den Direktor der Isaacs Gallery in Toronto, wo sich Fare in der oben geschilderten Performance die Hand amputieren lies – angeblich. Und erhielt als Antwort die Versicherung daß es einen John Fare nie gegeben habe, und auch die Shows reine Legenden seien.
Logisch betrachtet liegt ja auch schon nahe daß an der Geschichte von Fare einiges nicht stimmen kann – 1964 einen Roboter zu bauen der präzise nicht nur eine Hand abtrennen konnte, sondern auch Stücke der Haut millimetergenau entfernen konnte … ganz zu schweigen von dem Umstand daß Fare nach dem ersten Eingriff – der Lobotomie – noch imstande war den Roboter für die weiteren Einrgiffe zu programmieren wurde schon andernweitig kritisiert.
Noch dazu gibt es keinerlei Bilddokumente von den Performances.

Die fiktive Biographie von John Fare wurde 1972 von Tim Craig verfasst, der Artikel erschien 1987 im “a Coil Magazine” das von der gleichnamigen Industrial Band “Coil” herausgegeben wurde, und so verbreitete sich der Mythos in der Post-Industrial Kultur weiter.
Unter den prominenten Anhängern dieser Legende befand sich im Übrigen auch kein geringerer als David Bowie himself ;)

Faszinierend wie sich so ein Mythos hält, Fares Biographie enthielt darüber hinaus alle Details seiner Performances, schön theatralisch ausgearbeitet. Man gruselt sich und stellt sich vor daß so etwas wirklich real geschehen ist und will dabei garnicht wahr haben daß in Wahrheit alles nur fiktiv ist – vielleicht weil das Gruseln über menschliche Abgründe abstoßend aber gleichzeitig irgendwie angenehm ist – ein Thema über das man freilich auch Bände an Text und Gedanken füllen kann. So ist man freilich auch selbst immer betroffen wenn man sich mit solchen Dingen beschäftigt, und auch beim Industrial bleibt man nie reiner Konsument, kein Partygänger der Spaß hat, man wird in den Abgrund hinein gezogen und wird Teil des Grauens. Und das ganz ohne Neonschläuche auf dem Kopp, sondern nackt, hilflos, verängstigt und allein.

* http://www.myspace.com/23missingparts

Weitere Quellen:
http://www.john-fare.com/threadsindex.html
http://www.evolver.at/stories/John_Fare_Portrait_Rokkos_Adventures_2_10_2008/
http://www.couni.com/texte/indust.htm

Gastbeitrag Gothic Friday – Chris und die dunkle Musik

Ich bin sehr froh darüber an dieser Stelle auch mal einen Gastbeitrag beherbergen zu dürfen, ein guter Freund hat sich von mir überreden lassen mitzumachen und erzählt im Folgenden ein wenig über seine Musikalischen Präferenzen – was mich auch aus dem Grunde erfreut da er ein guter Beweis dafür ist daß die junge Generation Schwarzvolk nicht notwendigerweise immer im Cybergestampfe steckenbleibt, sondern sich auch Gedanken zu den Ursprüngen der Szene macht.

Und deswegen hat im Folgenden Chris das Wort – von mir stammen lediglich die Formatierungen via HTML.

10 Fragen — Die Musik und Du
Was bedeutet Musik für Dich? Wie wichtig ist sie Dir?

Diese Frage ist eigentlich mit: „Musik ist mein Leben“ beantwortet, ich gehe dennoch ein wenig mehr darauf ein, da dies ja viele Menschen lesen werden. Musik höre ich immer und überall, ob das nun auf längeren Touren zu Veranstaltungen ist, zu Fuß/unterwegs mit dem Hund oder einfach nur Zuhause am PC, beim Putzen/aufräumen oder beim Baden.

Wichtig ist dabei das, die Musik immer zu meiner aktuellen Gemütslage/Stimmung passen muss. Dies ergibt sich allerdings meistens von selbst.

Welche Richtungen »schwarzer Musik« hörst du? Nenne ein Beispiel, das für Dich deine Bedeutung des Genre am besten Wiedergibt.

Das Spektrum von mir gehörter Musik ist ziemlich breit gefächert aber ich fang mal an. Ich habe zwar die 80er nicht mehr mitbekommen da ich einfach zu jung bin (leider) höre die damalige Musik bzw. die Anfänge der schwarzen Szene sehr sehr gerne. Für mich ein nicht wegzudenkender Favorit sind dabei:

The Cure – Lovecats
Ich finde es ist ein Klassiker und jeder sollte es kennen.

Das nächste von mir Bevorzugte Genre wäre dann Neofolk/Neoclassic, ich wage es hier mal diese beiden Richtungen miteinander aufzuzählen, da sie für mich doch ziemlich Artverwandt sind. Auf diese Musikrichtungen bin ich durch den, hier bei mir heimischen Göttertanz gekommen. Zur Neoclassic möchte ich hier folgende Band erwähnen:

Blood Axis – Lord of Ages

Nun zum Neofolk ein Vertreter den ich da gerne höre ist folgender:

Death in June – Little Black Angel

Eine weitere Musikrichtung der „Gothic-Kultur“ die fester Bestandteil meiner Musiksammlung ist, ist der Darkwave hier führ ich mal einen der bekanntesten Vertreter auf:
Deine Lakaien – Over and Done

Erwähnen möchte ich auch noch folgende Band die ich erst auf einen zweiten Versuch gut fand:
Diary of Dreams – Giftraum

Dann gehen wir mal weiter zum Military Pop und Martial Industrial, zwei Richtungen die ich erst sehr Spät auf einer Party kennengelernt habe, aber mittlerweile sehr gerne höre und schätze. Als Vertreter des Genre möchte ich hier folgende Vorstellen:
In Slaughter Natives – Death Just only Death

wobei die Grenze hier so derart fleißend ist das man auch von Death Industrial spricht.

Kommen wir nun zu Ritual, Dark Ambient, Pagan und alles was man in diese Richtungen stecken kann. Hier liste ich nun mal ein paar Sachen auf die eigentlich fast jeder kennt.
Als Ritual Industrial:
Test Dept. – Arddyledog Ganu
ein Stück was ich als sehr intensive und emotional empfinde.

Zum Dark Ambient stell ich mal folgende Band vor:
Sephiroth – A map of Eden before the Storms Von dieser Band kennen viele sicher das Stück Wolf Tribes, aus diesem Grund stell ich hier mal ein anderes vor.

Pagan und Mittelalter, ich mag Dudelsäcke und Gitarren nicht wirklich deswegen stell ich hier mal zwei eher elektronische Projekte vor, die aber auch wieder sehr bekannt sind.
Qntal – Fruhling
Helium Vola – Darkness, Darkness

Was bei mir musikalisch noch aus dieser eher ruhigeren Sachen aus der Reihe tanzt sind Power Electronics, hier möchte ich eine Band aufzeigen dir mir Persönlich von Texten, Sound und Gesamtkonzept sehr gefallen:
Haus Arafna – Last Dream of Jesus

Desweiteren darf hier nicht der gute alte EBM vergessen werden, zumal mich folgende Band 2010 auf einem Festival so dermaßen überzeugt hat, da sie trotz des hohen Alters der Bandmitglieder noch so ne unglaubliche Performance hingelegt haben:

Front 242 – Welcome to Paradise

Erwähnen will ich jetzt eigentlich nur noch Sopor Aeternus and the Esemble of Shadows, da mich dieses Projekt immer wieder durchs leben begleitet. Allerdings kann ich die Band keinem Genre zuordnen und möchte das auch gerade nicht. Es ist eben ein persönlicher hoher Stellenwert den diese Band bei mir erreicht hat.

Wie würdest du deine musikalische Laufbahn beschreiben? Über welche Richtung der Musik bist Du in die Szene gekommen, welche hast du hinzugewonnen, welchen hast du abgeschworen und was hörst du heute?

Da ich es verpasst habe am ersten Gothic Friday teilzunehmen, werde ich hier etwas weiter ausholen. Ersten Kontakt mit „alternativer“ Musik hatte ich auf den hier in der Fränkischen Schweiz heimischen Bierzelt Beatabenden, hier möchte ich mal ein großes Lob an die Coverband Audio Gun loswerden, ein Mädel die eine sehr schöne hohe Stimme hat, ein ästhetischer Sänger und langhaarige abrockende Bass und Gitarren Spieler (eigentlich nicht meine Welt aber mit 16 is man froh wenn man mal rauskommt). Besagte Band fing also irgendwann an Nightwish, Rammstein, Within Temptation und Co. zu spielen, was bei mir dann doch gefallen fand. Also war ich dann für 1-1,5 Jahren der „Metall-Szene“ angehörig. Bis ich eines Tages einen Sampler in die Hand gedrückt bekam, auf diesem Sampler wart Track 07 von Emilie Autumn, ab hier ging es dann los, ich sah besagte Dame auf dem Cover einer Orkus-Zeitschrift welche denn auch gleich mal eingesackt wurde und von vorne bis hinten durchgelesen wurde. Durch einen von der Band ASP kreierten Remix des Songs Liar von Emilie Autumn stieß ich dann auf diese Band. Mit 18 folgten dann Besuche der ersten Gothic Veranstaltungen (damals noch mit einer schlichten schwarzen Jeans und einem Bandshirt bekleidet). Mit ein bisschen Club und Party Erfahrung passiert dann der schlimmste Abschnitt meiner Szenezeit, ich wurde zum so genannten „Glühwürmchen“, das lag daran das die Musikrichtung grad im kommen war und ich damals mit Szeneanfängen und 80er noch so gut wie nichts am Hut hatte. Das ganze ging dann ungefähr ein Jahr gut, dann machte es wohl „Klick“ oder ähnliches und ich fand die Musik die ich eigentlich mag auf einmal stupide, blöd und niveaulos. Ich lernte dann, auf einer monatlichen Veranstaltung auf der eben all Styles of Dark Music gespielt wurden (wie es so schön heißt), eine Dame kennen die ihr Gesicht weiß geschminkt hatte und im Gesamtbild sehr eindrucksvoll auf mich wirkte (bis Dato hatte ich diesen Stil noch nicht gesehen) was auch an dem Outfit lag. Wie ich später herausfinden sollte hatte sie ihre Kleidung komplett selbst gemacht. Aber eins nach dem andern, also fasziniert von ihrer Erscheinung, wollte ich diese Dame ansprechen, leider bin ich nicht der Typ der auf Menschen einfach zugeht und sie anspricht. Doch beim Frischluft schnappen draußen lief man sich dann doch übern den Weg und wechselte die ersten paar Worte. In den folgenden Monaten (mittlerweile gut 1,5 Jahre) ging man dann öfter zusammen weg und lernte sich immer besser kennen. Dies wird jetzt keine Liebesgeschichte – allerdings war besagte Lady nicht unschuldig an meiner jetzigen Szenebetrachtung, meinem Musikgeschmack und meinem Stil was Kleidung und Schminke betrifft. Mittlerweile zähle ich mich selbst zu den Schwarzromantikern und fühl mich „Pudelwohl“ in besagter Szenerichtung. Dem Glühwürmchen sein hab ich komplett abgeschworen, Sachen in diese Richtung gehen mir eher auf die Nerven als das ich irgendwas Tolles daran finden könnte.

Wie und wo hörst du Musik am liebsten?

Musik höre ich immer und überall, wie in meiner Einleitung schon erwähnt. Am liebsten aber wirklich im Club auf der Tanzfläche mit geschlossenen Augen und einem wirklichen abschalten, was durch die Lautstärke dort immer wunderbar funktioniert. Zuhause hör ich dann meistens eher etwas ruhigere Sachen und gönn mir durchaus mal ein zwei Gläser Wein dazu.

Welche Musik hörst du außerhalb der typischen dunklen Musik noch?

Vereinzelt gibt es wirklich ein zwei Sachen die ich gerne höre, welche nicht aus dem dunklen Musikbereich stammen. Gerade letztes Jahr (2010) gab es im Radio/Mainstream eine Stück was ich ganz großartig fand:

Hurt’s – Wonderful Live

Das mal aus gegebenen Anlass.

Mal angenommen, Du könntest ein Instrument spielen, hättest eine tolle Stimme und würdest zusammen mit Freunden eine Band gründen. Welche Rolle in der Band wäre Deine?

Ich wär sollte es wirklich eine Band mit klassischen Instrumenten sein, der Pianist da ich des Klavier zumindest teilweise beherrsche. Allerdings würde ich lieber ein Krach-Projekt im Sinne des alten Industrials a la Throbbing Gristle gründen. Bei dieser Sache wär ich dann der Typ der wild auf irgendwelchen Ölfässern oder Stahlträgern rumdonnert.

Nenne 5 deiner Alben die für Dich unverzichtbar mit Szene verbunden sind.

Synthie-technisch ist es meine Neuentdeckung des WGTs 2010 —- Roman Rain – Album: Pomah penh

Mental Measuretech – Songs form Neuropa

Rosa Crux – In tenebris

Sopor Aeternus – Le Fleurs du Mal

Helium Vola – Für euch die ihr liebet

Welche musikalischen Eigenschaften hat für dich das ideale Lied?

Das ist jetzt wirklich ein sehr gewagter Versuch, stimmlich wäre mir ne wohlklingende hohe Frauenstimme am liebsten, wenn es eine männliche Stimme sein soll muss diese was sehr besonderes haben. Instrumenten mäßig würde ich mich an vielen Streichinstrumenten erfreuen die von einem Flügel begleitet werden, dazu noch ein paar Trommeln und Samples die das Bild komplettieren. Der Text darf emotional gewichtig sein, wenn’s geht aber nicht von der Zwischenmenschlichen Liebe handeln. So ungefähr stell ich mir das ganze vor.

Band oder welchen Musiker/in würdest Du gern mal interviewen und auf welche Frage musst Du dabei unbedingt eine Antwort haben?

Da fällt mir aktuell nur eine Person ein, die da wäre Anna-Varney Cantodea, da sie/er eine so dermaßen faszinierende Persönlichkeit für mich ist. Allerdings habe ich keine bestimmte Frage, ich würde einfach gerne mal ein Gespräch mit ihm/ihr führen.

Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?

Die Frage ist ein bisschen schwierig, da ich Angst habe das noch mehr „Techno“ angelehnte niveaulose Musik in die schwarzen Clubs einzieht. Ein Beispiel dafür ist ein grausames Lied, welches ich vor einigen Wochen auf einer Frankfurter Party zu Ohren bekommen habe.

Ich hoffe das mal eine Band in Erscheinung tritt die sich am Urindustrial bzw. am Ritual Industrial anlehnt und ein bisschen frischen Wind in diese Richtung bringt.

Zwei Neuentdeckungen die für mich Vielversprechend klingen und ich vergangenes Jahr entdeckt habe sind zum einen, wie oben schon genannt, Roman Rain (Russischer Synthiepop) und zum anderen eine aus Hof stammende Künstlerin namens Genevieve Pasquier, welche sich stark am alten EBM orientiert, durchaus aber auch neues in dieses Genre einfließen lässt.

Gothic Friday – Februar: Musik und Leidenschaft

Und nun geht der Gothic Friday in die zweite Runde, diesen Monat dreht es sich ganz um die Musik, einige interessante Beiträge sind dazu auch schon wieder entstanden, und ich reihe mich da auch gleich mal mit ein.

Also legen wir mal los:

10 Fra­gen — Die Musik und Du

Was bedeu­tet Musik für Dich? Wie wich­tig ist sie Dir?

Musik ist für mich sehr wichtig, sie ist für mich eine sehr emotionale Sache.
Musik ist auch oft Hilfe bei weniger schönen Gemütszuständen, oder Mittel zum Abreagieren wenn das mal sein muss ;) , sie ist die Brücke zum Abtauchen in andere Welten, hörbare Schönheit, Seelenspiegel und Freund. Sie macht aber auch glücklich bis hin zu euphorisch und deckt somit für mich alles ab was an Empfindungen möglich ist.

Wel­che Rich­tun­gen »schwar­zer Musik« hörst du? Nenne ein Bei­spiel, das für Dich deine Bedeu­tung des Genre am bes­ten Wie­der­gibt.

Ich höre eine relativ große Bandbreite an musikalisch-dunklen Subgenres. Meine Wurzeln sehe ich in den 80ern, bei Depeche Mode, OMD, The Cure, Siouxsie, Bauhaus und Joy Division, auch wenn ich einige Bands erst im Nachhinein für mich entdeckt habe, aber mein 80er Fimmel der vorher schon da war, war da auch maßgeblich beteiligt.
Daher stehen Wave und Postpunk freilich auch auf meiner Liste.

Ein Beispiel hierfür auszusuchen ist allerdings etwas schwierig …

Bauhaus – Bela Lugosi’s Dead DER Klassiker – freilich, aber eben einfach unbestreitbar ein geiles Stück :D
Depeche Mode – Enjoy the Silence

Minimal

Juhu, Synthies :D

S.P.O.C.K – Never trust a Klingon
- hat einfach den Nerd-Bonus wenn man eh schon Trekkie ist :D
Rorschach Garden – Robots

Darkwave – war neben Depeche Mode mit Project Pitchfork eine maßgebliche “Einstiegsdroge” für mich. Pitchfork habe ich schon in meinem ersten Gothic-Friday Artikel genannt, daher nehme ich an der Stelle mal das:

Silke Bischoff – Under your Skin

Und eine andere meiner absoluten Lieblingsbands muss ich hier freilich auch noch mit aufführen:

Diary of Dreams – Traumtänzer

Gothic Rock war eher Liebe auf dem zweiten Blick da ich Gitarren anfangs einfach nicht ausstehen konnte ;) über die 80er Musik hab ich mich dann doch mehr und mehr dran gewöhnt, auch wenn das was ich damals mochte eindeutig Synthielastig sein musste.
Die Sisters haben mich dann von den Gitarren überzeugt, und zwar mit dem sicher bekanntesten Stück:

Sisters of Mercy – Temple of Love

Weiter gehts mit der Sparte Neoklassik – Ethereal – Heavenly Voices, einem Abkömmling des Postpunks.
Das kann ich ganz klar mit DEM Klassiker schlechthin vorstellen:

Dead Can Dance – Rakim

Neofolk – Ich verzichte hier auf die Klassiker, und gebe als Beispiel eine etwas neuere Band an die ich sehr schätze:

ROME – Das Feuerordal

Verwand dazu ist ist der sogenannte Apocalyptic Folk, und da kann ich nur eine grandiose Band als Aushängeschild anführen:

Ordo Rosarius Equilibrio – Three is an Orgy, four is forever

Mittelalterlich inspiriertes und Pagan Folk – aber nur in Ausnahmefällen mit Dudelsäcken, und bitte auch kein Mittelalter-Rock ;)

QNTAL – Am Morgen Fruo
Omnia – Etrezomp Ni Kelted

Von da aus gehts weiter in den Bereich Ritual
Ich stecke hier mal eine meiner absoluten Lieblingsband hinein, obwohl man die genauso zum Neoklassik oder anderen stecken könnte:
Rosa Crux – Omnes qui descendunt

Als erstes Werk des Ritual Industrials wird das Album “Secret eye of LAYLAH” von Zero Kama genannt, das angeblich mit Instrumenten aus Menschenknochen eingespielt wurde:

Zero Kama – Night of Matter

Wiederum damit verwandt ist der Dark Ambient, beziehungsweise sind die Unterschiede zum Ritual mehr als fließend um eine genaue Trennung zu ziehen:

Raison D’Etre – Wasteland

Genauso fließend sind die Übergänge zum Martial Industrial und Military Pop, gerne hätte ich Derniere Volonte’s “La Foudre Et Le Tonnerre” angeführt, konnte aber kein Video zu dem wunderschönen Stück finden, daher nehme ich ein anderes Beispiel:

Triarii – On Wings of Steel

Nachtrag: auch wenn “La Foudre et Le Tonnerre” nicht in Videoform auffindbar war, habe ich ein anderes Musikstück gefunden:

Dernière Volonté – Au Travers des Lauriers

Von da aus muss ich unweigerlich zum Industrial kommen, wovon die letzten oben genannten Beispiele ja auch nur Verzweigungen sind, und was gibt man da besser an als die Godfathers der Industrial Culture – Throbbing Gristle:

Throbbing Gristle – Discipline

Ein neuerer Abkömmling des Ur-Industrials ist – nein, NICHT Straftanz ;) – sondern Powerelectronics. Meine erste Begegnung damit war Propergol, und die führe ich hier auch mal als Beispiel auf:

Propergol – Outburst

Tut weh, und solls auch ;)

Neue deutsche Todeskunst
Kein Genre das ich allzu intensiv höre, aber Goethes Erben mag ich wirklich sehr gerne:

Goethes Erben – Rotleuchtende, einst weiße Engel

Schwer einordenbar ist vielleicht Sopor Aeternus, ich führe das mal hier mit auf, das ein Mann/Frau Projekt hat aber auch für mich persönlich eine Sonderstellung.

Sopor Aeternus – Tanz der Grausamkeit

Wie wür­dest deine musi­ka­li­sche Lauf­bahn beschrei­ben? Über wel­che Rich­tung der Musik bist Du in die Szene gekom­men, wel­che hast hin­zu­ge­won­nen, wel­chen hast du abge­schwo­ren und was hörst du heute?

Meine musikalischen Präferenzen in meiner Anfangszeit waren ganz klar synthetischer Natur ;) und der Erstkontakt kommt meistens mit Bands die relativ bekannt und damit leicht zugänglich sind, bei mir waren das Covenant, VNV Nation, Suicide Commando, Wumpscut und Feindflug.
Auch wenn Project Pitchfork und Depeche Mode die eigentlichen Einstiegsdrogen waren, die hörte ich damals im schwarzen Club aber kaum sondern mehr in den eigenen 4 Wänden, und DM habe ich anfangs auch nicht als Szenetypisch wahrgenommen, das kam dann erst nach einiger Zeit der bewussten Auseinandersetzung mit Szene an sich und deren Musik, und damit habe ich dann meinen schon vorhandenen 80er-Fimmel nochmal ausgebaut *gg*

Durch die “La Nuit Obscure”, einer Party auf der quer durch alle Stile Musik gespielt wurde bin ich dann relativ schnell auch auf die “Wedelmusik” gekommen, mit Dean Can Dance und Qntal zunächst, und dann weiter zu Omnia, Faun, Helium Vola und von da aus gings dann weiter zu experimentelleren Sachen aus dem Industrial-Umfeld welche Stammplätze auf der Göttertanz-Playlist hatten und heute noch haben, von da aus war es dann auch kein großer Schritt mehr zum Industrial an sich. Irgendwie unterwegs aufgesammelt habe ich dann noch Neofolk und Military Pop und bin im Wesentlichen bei dem Paket bin ich dann im Wesentlichen geblieben.

Abgeschworen habe ich eigentlich keinen Stilrichtungen, ich würde eher sagen ich habe mich im Laufe der Zeit vom Elektro a la Feindflug wegentwickelt, insbesondere durch die Begegnung mit waschechtem Industrial. Lediglich bei Wumpscut kann ich ehrlich sagen daß ich das heute auch noch gerne höre.
Am Rande bemerkt amüsiert mich der Umstand, daß an schwarzromantischen Göttertänzen bei Weitem mehr Industrielles gespielt wird als bei Cyberparties *kicher*

Wie und wo hörst du Musik am liebs­ten?

Das ist sehr situationsabhängig, und auch abhängig vom Genre. “Kopfkinomusik” wie Darkambient oder generell ruhigere, nachdenklichere Stücke lassen sich auf dem Fensterbrett über der aufgedrehten Heizung bei nem Gläschen Wein, Kerzenlicht und Räucherwerk schlicht und ergreifend am Besten genießen, auch Industrielles höre ich lieber und setze mich auch im Club dazu eher selten in Bewegung.
Sachen die mehr Schwung haben und im großen Zeh kitzeln erfordern ausreichend Platz, egal ob im heimischen Wohnzimmer oder im Club *g*

Wel­che Musik hörst du außer­halb der typi­schen dunk­len Musik noch?

Keine speziellen Genres, Musik muss mich emotional berühren oder faszinieren, ausserhalb der schwarzen Genres haben das die Banana Fishbones geschafft, aber auch Thomas D’s Album “Reflektorfalke”, genauso findet man mich auch auf der Tanzfläche wenn im Finsterclub der “Krieger” aufgelegt wird, immerhin zitiert das Musikstück einen meiner Lieblingsfilme ;).
Ich mag Jazzstücke bei denen man vor dem geistigen Auge eine verrauchte Bar und einen depressiven Privatschnüffler sieht der am Tresen Bourbon in sich hinein kippt.

Ich mag Renaissancemusik, orientalische Klänge und mittendrin auch mal Klassik, wobei ich mich damit noch nicht näher auseinandergesetzt habe um da spezielle Komponisten als Favoriten zu nennen, lediglich Bachs Tokkata und Mozarts Requiem vielleicht.

Und freilich 80er – auch nicht so arg Schwarzes, wobei das ja auch nicht immer einandfrei trennbar ist.
OMD ist da eine langjährige Liebe sowie fast alles an sogennantem New Romantic ;) – in dem Zuge darf man freilich den göttlichen Countertenor Klaus Nomi nicht vergessen – eigentlich mag ich Countertenöre generell auch recht gerne.

Gelegentlich findet sich auch noch das eine oder andere Überbleibsel meiner technoiden Vergangenheit auf die Playliste, Vorzugsweise Emmanuel Top und Kram den auch damals kaum einer gekannt hatte ;)

Mal ange­nom­men, Du könn­test ein Instru­ment spie­len, hät­test eine tolle Stimme und wür­dest zusam­men mit Freun­den eine Band grün­den. Wel­che Rolle in der Band wäre Deine?

Also, eine tolle Stimme habe ich sicher nicht, und ich vermeide es sogar dann zu singen wenn ich ein Tässchen Wein zu viel erwischt habe ;) auch wenn ich Heavenly Voices ganz großartig finde, ich genieße das lieber in riesigen Gewändern auf der Tanzfläche, auf Konzerten oder daheim in aller Ruhe.

Würde ich “Musik” machen, dann würde ich eher in abgewetzten Lederklamotten in einer Industrieruine auf Metall einkloppen um die Samples danach durch den Synthie zu jagen *kicher* – oder Theremin spielen ;) oder mir bekloppte Installationen einfallen lassen um damit noch mehr Lärm zu produzieren :D und freilich generell am Sythie schrauben und basteln.

Nenne 5 dei­ner Alben die für Dich unver­zicht­bar mit Szene ver­bun­den sind.

Diary of Dreams – Nigredo
Sisters of Mercy – Slight Case of Overbombing
Rosa Crux – In Tenebris (eigentlich Stellvertretend für alle Alben der Band)
Project Pitchfork – IO
Nicholas Lens – Flamma Flamma (auch wenn das eher ein ein Ausreißer ist -aber wenigstens ein Neoklassischer :) )

Wel­che musi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten hat für dich das ideale Lied?

Huh, das ist schwer, da die Bandbreite meiner musikalischen Präferenzen so groß ist kann ich “das” perfekte Lied kaum beschreiben, ein Musikstück trifft mich meist sehr spontan, egal ob auf den ersten oder auch mal zweiten Blick.
Es kann an einem genialen Text liegen, einer ungewöhnlichen Stimme, besonders beeindruckende Synthieklänge, und noch viel mehr.

Wel­che Band oder wel­chen Musiker/in wür­dest Du gern mal inter­viewen und auf wel­chen Frage musst Du dabei unbe­dingt eine Ant­wort haben?

Adrian Hates von Diary of Dreams würde ich gerne mal kennenlernen, weil ich denke daß er eine sehr interessante Persönlichkeit sein muss mit dem man sicher sehr großartige Gespräche führen kann. Letztenendes haben seine Songtexte für mich eine ganz besondere Bedeutung.

Daneben würde ich auch gerne mal mit Anna-Varney ein Tässchen Tee trinken und philososchwafeln wollen, zumindest stelle ich mir das sehr spannend vor mit einer so aussergewöhnlichen Persönlichkeit wie er/sie es ist.

Generell bin ich mehr an den Menschen hinter der Musik und deren Beweggründefür eben ihre Musik interessiert. Ian Curtis wäre sicher auch ein spannender Gesprächspartner, nur leider ist das mit irdischen Mitteln wohl nicht zu bewerkstelligen …

“Die” Frage hätte ich dabei aber nicht, ich denke das würde sch im Gespräch mit den einzelnen Persönlichkeiten dann erst ergeben.

Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?

Das ist eine schwierige Frage – die schwarze Musiklandschaft ist heutzutage so unübersichtlich daß mir spontan kein konkretes Projekt einfällt, ich hoffe aber sehr daß die musikalische Zukunft weniger in fremden Stilen die von Metal oder Techno kommen liegt, sondern weiterhin im Postpunk, Wave und Industrial und deren Ablegern.

Big Ideas (don’t get any)

Für voll bekloppte Technikspielereien bin ich natürlich immer zu begeistern, wenn dann auch noch Töne bei rauskommen …

So habe ich heute beim rumklicken per Zufall ein Video gefunden das mich zuerst begeistert in mich hinein kichern lies, und kurz darauf nachgrübeln lies, wie verdammt nochmal man sowas hinbekommen mag. Schätze das liegt an einem gewissen nerdigen Spieltrieb, gepaart mit einer kleinen Prise latenter, aber dafür durch Neugierde gesteuerter Destruktivität.
Passend gefilmt in nostalgischer Farbreduzierung und -verschiebung denkt man da doch glatt an den guten alten Industrial – aber seht und staunt selbst:

Big Ideas (don’t get any) from James Houston on Vimeo.

Die Kiste mit alten Rechnerteilen die da im Keller gammelt hat Glück daß ich mich mit komplexeren Elektronikbasteleien garnicht auskenne – so ein Mist aber auch … *schnief*