Der Zufall ist schuld, hat er mich doch ganz unverhofft – so wie es einem anständigen Zufall eben zu Eigen ist – mit einer musikalischen Neuentdeckung überrascht die sich sofort angenehm in meinem Gehörgang festgesetzt hat.
Darauf gestoßen bin ich auf Youtube, als Untermalung eines WGT-Videos – und selbst danach hatte ich eigentlich nicht mal gesucht. Die Tatsache daß bei den ersten Tönen die Haare auf dem Arm schon um den berühmten Stehplatz streiten wollten, lies den Schluß zu das da etwas wirklich feines aus den Lautsprechern dringt.
“Darklily” heißt das Ein-Mann und Ein-Frau Projekt aus England. Zugegeben, der Bandname klingt erstmal wenig qualitätsverheißend, doch wird die Band dem Eindruck bei Weitem nicht gerecht. Das Konzept der Band wird sicher bei der schwarzromantischen Fraktion auf offene Ohren stoßen – aber bestimmt nicht ausschließlich
Laut der an sich recht informations-kargen Band-Homepage wurde die Idee für die Band im Jahre 2005 geboren, als Inspirationsquellen werden verlassene Orte, vergangene Epochen – insbesondere das 19. Jahrhundert, Aberglauben, Magie, Legenden, Träume und Alpträume genannt. Sprich – alles was eine Gothic Novel des 19. Jahrhunderts auch auszeichnet.
Das Debutalbum erschien im Januar 2010 und taucht mit 10 Titeln in die Schauergeschichten des victorianischen Zeitalters ab, dabei sind die Stücke durchweg sehr ruhig gehalten, Musik die das Kopfkino anwirft und am besten bei Kerzenschein und einem guten Glas Wein genossen werden sollte. Ein wenig verspielt, aber immer mit einem schaurigen Unterton.
Dabei klingt neben akustischen Klavierpassagen Vyolette Svanas klare Stimme, aber auch schneidende Synthesizer-Passagen gewürzt mit industriellen Klangsamples knarrender Türen und verfallener Bodendielen, sowie Geräusche aus der Natur.
“Illusia” wird von dem sehr dunkelambientigen “Transverse” eröffnet, das ich für das stärkste Stück des Albums halte, schwer und finster kriecht es lauernd auf einen zu, der Synthesizer-Einsatz ist perfekt und bietet der weichen Stimme von Vyolette einen eiskalten Konterpart, auch das Video, das mit Ausschnitten aus Stummfilmen untermalt ist, unterstreicht das Konzept perfekt:
Danach folgt mit “Mechanival Canaries” ein Akustik-Stück das schwermütig dem Titel durchaus gerecht wird.
Über dem dritten Stück namens “Golgotha” schwebt wiederum ein erdrückender Synthie-Sound, der Text besingt ein verheerendes Minenungluck das 1862 im englischen New Hartley stattfand.
Etwas verspielter scheint danach im Walzertakt “Rosetti’s Passion” – der Text jedoch erzählt die Geschichte von der offenbar unschuldig-jungen Janey die vom Unterweltsgott Hades als seine Braut auserkoren wurde. Text wie Musik lassen die Fantasie anspringen und die Lücken füllen die dem eigenen Kopfkino durch text und Musik freigelassen wurden.
Das fünfte Stück vertont ein Gedicht des britischen Autors Percy Bssyhe Shelley, ebenfalls ein Zeitgenosse des 19. Jahrhunderts. “Fierce roars the midnight storms” – Nebel, Kälte, Tristesse und ein sterbendes Mädchen. Genauso kalt schneidet hier der Synthie wieder durch die Melodie.
“Mary Celeste” erzählt die bis heute ungeklärte Geschichte des Schiffes “Mary Celeste”, welches 1872 verlassen im Atlantik treibend aufgefunden wurde. Das Schiff gilt heute als eines der berühmtesten Geisterschiffe. Musikalisch kann man förmlich nachfühlen wie das Schiff von Nebeln ümwölkt im Meer langsam vor sich hintreibt.
Danach folgt “Faery Spell”, welches von der Legende des “Kleinen Volkes” erzählt, das mit den Menschen nicht ungern Schabernack treibt und diese gerne in die Anderswelt entführen, wenn sie sich von ihnen in den Schlaf singen lassen. Vyolette stimmt dazu einen verzaubernden Sprechgesang zu filmmusik-anmutenden Klängen an.
“Gathering in the Barrow” scheint die Geschichte passend fortzusetzen, das eher kurze Stück spielt mit Samples die an eine verwunschene Sommerwiese erinnern.
Auch daran schließt sich nahtlos das Stück “Insect Tea Party” an, das wieder vollkommen akustisch ist und von leisen Klaviertönen mit athmosphärischen Streichern lebt bei denen die Assoziation zu den Krabbelviechern auch ohne viel Synthie-Einsatz gut rüberkommt.
Den Abschluss bietet das wieder eindringlichere Stück “Crepuscular” das sich schon weit im Ritual-Genre bewegt. Nicht nur erinnert der Text an ein Ritual, auch die Musik ist dunkel-brodelnd, der Rhythmus ist archaisch und steigert sich immer weiter, Vyolettes mehr geflüsterter denn gesungener Text unterstreicht das Ganze perfekt.
Das Album gibt es auf der Homepage der Band kostenfrei als Download, aber auch als CD-Version für nicht mal viel Geld – leider reißt das Porto den Preis wieder auf normale CD-Preise hoch. Ich jedenfalls werde mir die Scheibe im Original besorgen
ich bin von dem neuen Projekt wirklich begeistert und bin demnach auch gespannt auf mehr.
Neben der offiziellen Page, die man über unten stehendes Banner auch erreicht, findet man Darklily auch auf Myspace: http://www.myspace.com/darklilymusic
Viel Freude mit damit und erzählt es allen weiter die sich für sowas begeistern können






