Rosa’s waviges Kaleidoskop: Dalek I love you

Ein neues Jahr hat begonnen, Grund für viele Blogbesitzer, das Vergangene Revue passieren zu lassen. Doch darauf habe ich heuer einfach keine Lust und mache stattdessen eben da weiter wo ich aufgehört habe.

Nein, es gibt keine weiteren knallbunten Mode-Eskapaden ;) – aber in den Entwürfen liegt noch genug herum das einmal angeschrieben wurde und dann in Warteschleife verblieben ist. Meine Wahl fiel für den blogtechnischen Jahreseinstand wieder einmal auf einen musikalischen Artikel.

Jedoch, wie der Titel vermuten lässt, spielt ein sehr deutlicher Doctor Who Bezug auch diesmal eine gewisse Rolle ;) – während die britische Kult-Science Fiction Serie bei uns eher weniger bekannt ist, gehört sie in ihrer Heimat schon lange zur Populärkultur.  Mit dem 23. November 1963 als Erstausstrahlungstermin handelt es sich hierbei sogar um die älteste SciFi Serie überhaupt (und schlägt Star Trek damit auf den zweiten Platz zurück) – und in diesem Jahr feiert sie ihr 50-stes Jubiläum.

Da ist es kein großes Wunder, daß Künstler aller Sparten immer mal wieder ihre Begeisterung für diese Serie mit in ihr Werk aufnahmen, im Speziellen im musikalischen Bereich gibt es eine ganze Reihe davon. Ende der80er schaffte es die spätere Kultformation KLF mit “Doctorin the TARDIS” (noch unter dem Namen “The Timelords”) sogar in deutsche Discos, wo das Stück ziemlich guten Anklang fand – ganz ohne das man hierzulande vom Doctor und seiner, als britische Police Box getarnten Zeitmaschine, etwas wusste. Bis dato lief die Serie nämlich noch nicht über deutsche Mattscheiben. 1968 waren dem ZDF einige Folgen mit Patrick Troughton – dem zweiten Schauspieler die die Rolle des Zeitreisenden spielte – angeboten, was nach Vorführung einer der Episoden folgendermaßen abgelehnt wurde:

Die Filme sind in Dekor und Kostümen ebenso naiv wie die Bücher undurchschaubar. Die Ablehnung erfolgt einstimmig.1

Erst der Disco-Erfolg der Timelords bewog RTLplus 1989 die Serie auszustrahlen. In dem Jahr, in welchem in Großbrittannien die Serie vorerst eingestellt wurde.2

Aber ich wollte hier keineswegs die Geschichte der Serie detailliert ausführen, sondern natürlich auch eine Band vorstellen die bei uns offenbar genauso bekannt ist wie die britische Kult-Serie – wenn nicht sogar noch weniger.

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Die beiden Gründungsmitglieder Alan Gill und David Balfe haben, wie so viele spätere Wave-Musiker, ihren Ursprung im Punk Mitte der 70er.  Beide liesen dieses Genre hinter sich um  mit einem experimentelleren Projekt künstlerisch neue Wege zu gehen – der Band-Titel “Dalek, I love you” kam hierbei durch einen Kompromiss zustande, da Gill “Darling, I love you” vorschlug, Balfe allerdings die Band nach den wohl bekanntesten Aliens und Gegenspieler des Doctors benennen wollte – den Daleks – mutierte Lebensformen die im Inneren von salztreuerartigen Mini-Panzern ihr Unwesen treiben, sich für “superior” halten und in ihrem Zerstörungsdrang dann ganz schnell sehr einsilbig werden können.

1978 verlies Balfe die Band um bei namhaften anderen Projekten wie “Big in Japan” und “The Teardrop Explodes” mitzuarbeiten, worauf weitere Künstler zu “Dalek, I love you” kamen, darunter Martin Cooper und Andy McClusky, die jedoch nur sehr kurz blieben, nach ihrem Ausstieg gründeten sie mit Paul Humphries das heute ebenfalls nicht gerade unbekannte Projekt “Orchestral Maneouvres in the Dark” – oder kurz “OMD”.

Die Band verblieb als Duo mit Alan Gill und Dave Hughes, als sie im gleichen Jahr bei Inevitable Records unterzeichneten und ihr erstes Demo – “Freedom Fighters” aufzeichnete, welches dann bei Phonogram landete, das Label zeigte Interesse und “Dalek I” unterzeichnete daraufhin dort – die Verkürzung des Bandnamens wurde ohne Begründung, und ohne die Musiker zu fragen, vom Label vorgenommen, ebenso versuchte man die Akkorde des Demo-Song abzuändern da sie nicht dem “Standard” entsprächen.

Dort erschien schließlich das erste Album - Compass Kumpas - am 24. März 1980.

Dritter Titel des Albums trägt den gleichen Namen wie die Band – Dalek I love you (Destiny) – und dürfte mein absolutes Lieblingslied der Scheibe sein. Selbstredend bin ich aufgrund des Titels da nicht ganz unvoreingenommen ;) , aber auch so nistet sich das leichtfüßig klingende Stück schnell im Gehörgang, ja obwohl es eine relativ ruhige Ausstrahlung hat, auch durchaus im Tanzbein ein – mit den Daleks aus der Kult-Serie im Hinterkopf, sorgt der Text dieses Stückes für einige Grinser. Bei youtube ist es hier zu finden – nur leider in “Deutschland” – nicht anschaubar *räusper* ;) – gefolgt von “A Suicide” , das mit einer schweren, schneidenden Synthiefläche wesentlich düsterer daherkommt. Auch der Text hat es ziemlich in sich.

Nahtlos daran bricht “A Kiss” die depressive Stimmung wieder auf, da – laut dem Text – der Sänger es sich dann doch anders überlegt hat – was entsprechend flott untermalt wird. Stimmungsschwankungen die richtig Spaß machen. Ein Konzept das sich durch das ganze Album durchzieht. Stilmässig zwar eindeutig im Wave-Feld vorzufinden, schaffen es Dalek I aber dennoch einen recht eigenwilligen, speziellen Stil an den Tag zu legen der sicher erstmal gewöhnungsbedürftig ist. Ich hatte auch zwei Anläufe gebraucht bis mir diese irgendwie schräge, minimalistische Mixtur samt Alan Gills säuseliger Stimmlage gefallen mochte, inzwischen bin ich aber absolut überzeugt und begeistert.

Erwähnenswert ist sicher noch das Cover des legendären Rocksongs “You really got me” von den Kinks, dem man in der Version von “Dalek I” einen gewissen sarkastischen Unterton unterstellen möchte – ein kleiner Stinkefinger in Richtung des Rock and Rolls ausgestreckt – ganz der Punk eben.

Zum Abschluß des Albums fasst “Missing 15 Minutes” – das längste Stück – nochmal das ganze Album stilmässig zusammen.

Obwohl dieses gute Kritiken einheimste, blieb es kommerziell kaum erfolgreich. So wurde das Projekt schnell vorerst eingestellt. Zunächst blieb Alan Gill als einziges Bandmitglied übrig und schloß sich dann ebenfalls den Teardrop Explodes an, nachdem Julian Cope den Gitarristen rauswarf. Dort schrieb er mit an dem Song “Reward” welcher es in die Top 10 der UK Charts schaffte. Alan Gill verlies die Teardrop Explodes jedoch wieder um daraufhin unter dem vollen Bandnamen “Dalek I love you” seinen eigenen musikalischen Plänen weiter nachzugehen. So erschien am 28. Februar 1981 die Single “Heartbeat” mit der B-Seite “Astronauts” bei Phonogram.

Ein stilistischer Wendepunkt, der eher trashige, schräge Sound wich eingängigeren Synthpop-Melodien – eine Richtung die im folgenden beibehalten wurde, als 1982 die Band zu einem Quartett anwuchs und die zweite Single , diesmal beim Label Korova – herausbrachte: “Holiday in Disneyland”, gefolgt vom tanztauglichen “Ambition in 1983. Beide Stücke erschienen schließlich auf dem zweiten Album “Dalek I Love You: Dalek I Love You”.

Mit “Horrorscope” brachte die Band im gleichen Jahr eine letzte Single heraus – obwohl das zweite Album ein kommerzieller Erfolg war, Alan Gill äusserte sich jedoch daß er darin nicht weiter involviert werden wollte – so wurde “Dalek I love you” ein weiteres Mal auf Eis gelegt.

1985 gründete Alan Gill sein eigenes Label – Bopadub – um darauf Complations auf Kassette zu veröffentlichen, dort erschien im gleichen Jahr auch das Dalek I – Album “Naive” das mit insgesamt 25 Stücken aufwartet. Wieder ein wenig weg von den poppigen Tanz-Sounds, aber auch ohne den kratzbürstigen Charme der frühen Werke. Das ist irgendwie zwar schade, trotzdem mag ich das Album sehr gerne, es ist sehr emperimentierfreudig in verschiedenste Richtungen, bedient sich stellenweise bei Weltmusik aus aller Herren Länder, klingt mal folkig, mal mehr synthielastiger,  mal sind die Wave-Wurzen deutlich zu hören, dann wieder weit davon entfernt. Im Grundton ein sehr ruhiges Album das man so kaum wirklich richtig beschreiben kann sondern einfach mal selbst reinhören muss.

“Naive” erschien ausschließlich auf Kassette und ist heute legal im MP3-Format auf der (sehr spärlichen) Homepage von “Dalek I love you” runterladbar: http://www.dalekiloveyou.com/naive.htm

Wer jetzt noch nicht genug hat, kann die Bandhistorie auf der folgenden Seite nochmal haarklein im Detail nachlesen (auf englisch): http://robinparmar.com/dalek-i-love-you.html

1: http://www.serienjunkies.de/news/doctor-who-deutschland-kein-ort-31751.html

2: wer sich detaillierter über Doctor Who und dessen Geschichte informieren mag, kann das hier tun: http://en.wikipedia.org/wiki/Doctor_Who

Bildnachweis Dalek: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dalek_%28Dr_Who%29.jpg

http://www.dalekiloveyou.com

http://robinparmar.com/dalek-i-love-you.html

Weils halt cool ausschaut … oder so.

Zugegeben, ziemlich fassungslos hatte ich für ein paar Sekunden wohl aus der Wäsche geschaut, als mich vor mehreren Wochen jemand fragte, ob ich das Shirt das ich an dem Tag anhatte, nur deshalb trug weil ich “den Style cool finde” oder tatsächlich die zugehörige Band mochte.
Für mich war die Frage absurd – wie konnte man “sowas” einen Menschen fragen, der zum angesprochenen Shirt Pikes, Pluderhosen und einen Samtblazer mit einer Sammlung von Buttons, die fast alle Motive von Musikgruppen aus der gleichen Ära zeigen, trug – in monochromem schwarz versteht sich.
Nachdem ich den Schock darüber überwunden hatte, war ich mehr angenehm erstaunt daß der gute Mann das Motiv identifizieren konnte – denn ausser der charakteristischen Graphik des “Unkown Pleasures” Album von Joy Division befindet sich auf dem Teil kein Bandname oder sonstiger Text.

Das Eine oder Andere Mal noch schüttelte ich innerlich den Kopf über die Annahme, es gäbe tatsächlich Leute die sich sowas nur aus Modegründen an den Hintern hängen – und dann vergaß ich den Vorfall auch schon wieder.

Bis gestern.

Da blätterte eine meiner 20-jährigen Studienkolleginnen an der Modeschule in einem Mode-Magazin. Eher zufällig fiel mein Blick auf das Blatt – für Mode-Zeitschriften interessiere ich mich eher weniger. Klingt paradox in meinem Fall – zugegeben – aber mich hat die Frage nach dem was aktuell “trend” ist in meinem ganzen Leben noch nie interessiert, und die Momente in denen man an der Schule dazu gezwungen ist, sich mal damit zu befassen waren mit der Prämisse “Ich muss den Scheiß den ich da entwerfe ja nicht anziehen” dann meistens halbwegs erträglich. Manchmal sogar amüsant, zugegeben – meistens dann wenn man explizit vom Standard-Stil großer 08/15 Modeketten abweichen durfte um fröhlich vor sich hin zu spinnen – hauptsache die Trend-Farben stimmten …

Aber zurück zum Mode-Heftchen – beinahe hätte ich mich an meinem Tee verschluckt (schwarzer natürlich, ohne Zusätze *g*) als mein Blick auf ein Shirt mit besagtem Motiv fiel – die Graphen des Unknown Pleasures – Albumcovers, zusätzlich dazu darüber groß “JOY DIVISION” gedruckt, und darunter der Albumtitel. Chic kombiniert dargestellt mit giftgrünem Beinkleid und einer dieser unsäglichen Weibchen-Handtaschen die eng in der Achselhöhle anliegen.
Gut, wer die Band geil findet und stilmässig einfach nicht die Reinkarnation des Ur-Gruftis ist – ist auch nichts dagegen einzuwenden, aber die Präsentation schien nicht groß darauf hinaus zu laufen, sich an tatsächliche Musikliebhaber zu richten, sondern mehr an das hippe Girl von Nebenan.

Ich bat um einen Blick auf das Magazin – aus Interesse an der Beschreibung, Preis und Hersteller. Ersteres verlor auch weiter kein Wort zu der Band, der Preis – stolze 42 Geld. Ich äusserte mich dahingehend, daß ich es recht daneben finde, sich im speziellen ein Bandshirt an den Hintern zu hängen, nur weil man das Motiv grad irgendwie “trendy” findet – noch dazu da es sich hier um keine leicht verdauliche Partymucke handelt, sondern etwas was zumindest ein Mindestmaß an Beschäftigung damit erfordert.

Ein weiterer Blick auf den Artikel vonseiten meiner Kollegin – naja, das Motiv sei graphisch ja schon interessant – so gesehen mag das auch zutreffend sein, würde es sich hier um “nur” Design handeln, aber das Motiv wurde durchaus mit Bedacht gewählt. Ich werfe aber mal ganz verallgemeinernd in den Raum, daß das trendy Girl von Nebenan nur sehr selten nachforschen wird, was es mit dem chicen Motiv auf ihrem Shirt so auf sich hat.

Der Trend mit Bandshirts von der Mode-Kette von Nebenan ist natürlich nichts Neues, vor 10 Jahren schon hingen in Pimkie und Orsay Oberteile mit Motiven durchaus bekannter Metal-Scheiben im Laden. Und auf den Strassen fand man Jungvolk, das oftmals sogar sehr erstaunt darüber war daß das “lustige Motiv” da auf dem Oberteil ein Plattencover war – oh Schreck, sogar aus einer Musiksparte die man eigentlich garnicht mochte!
Damals fand ich das schon reichlich blöde, aber das Unknown Pleasures-Shirt im Sortiment einer Modekette zu finden, war ein leichter Schock – vielleicht gerade aus dem Grund weil man mit Motiv und zugehöriger Musik persönlich mehr verbindet als mit den Metal-Motiven die vor einer guten Dekade “in Mode” kamen.

Der Hersteller des Shirts ist Urban Outfitters – hier neben einigen anderen Band-Motiven zu finden.
Die Firma richtet sich nach eigenen Angaben an Leute zwischen 18 und 30 , hauptsächlich den Typus des sogenannten “Hipsters” ansprechend – zu dem Thema hat Robert auf seinem Blog – Spontis – schon ein paar treffende Zeilen verfasst.

Treibt die trendgerechte Vermarktung eines solchen Motives die Szene weiter in den wohlheraufbeschwörten Untergang? Ein Streit-Thema das keineswegs neu ist. Und ich denke das kann man aus verschiedener Sicht sehen – zum Einen gibts da den Schockmoment, eben sowas im Trend-Laden wiederzufinden, zum Anderen – es gibt auch genügend (Jung-)Schwarze die mit dem Motiv wohl wenig anzufangen wüssten und sich sehr subkulturell fühlen weil die Klamotten von einschlägigen “Szene”-Läden stammen – was ich weitaus kritischer sehe. Innerhalb der Szene werden genauso “Trends” aufschnappen und vermarkten wie es die ganz normale Modeindustrie eben auch macht. Unter dem Strich kein großer Unterschied also – ob bunt oder schwarz, wenn nur “Mode” zählt kann man beides getrost in einen Topf werfen. Da ist die “Szene” auch ganz eindeutig im Mainstream angekommen – wie kürzlich Sat.1 in einer Reportage über das M’Era Luna fachkundig proklamierte – über die Qualität dieses Berichtes möchte ich mich an dieser Stelle aber nicht groß auslassen, das M’Era habe ich noch nie besucht da es mich auch noch nie groß interessiert hatte, daher fehlt mir die Grundlage zu bewerten ob das Dargestellte der Wahrheit entspricht oder wieder einmal überzogener Sensationsjournalismus ist – die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen, denke ich, so oder so weckt es auch weniger das Interesse, der Geschichte tatsächlich einmal einen Besuch abzustatten – wobei ich auf der anderen Seite gestehen muss, daß ich die Möglichkeit hatte bei der angesprochenen Modenschau als Designer dabei zu sein. Widersprüchlich, zugegeben, aber ich sehe es mehr als das Gegenteil von Mainstream an, wenn Designer aus der Szene für eben diese arbeiten und liebevoll gestaltete Einzelstücke und Kleinserien anbieten, anstelle von Massenware die genauso industriell produziert wird wie die der großen und langweiligen Mode-Ketten – finde ich zumindest … aber das Thema wäre einen eigenen Artikel wert und deswegen lasse ich es an dieser Stelle auch dabei bleiben.

So oder so – ich interesiere mich für Trends und das was modemässig angesagt ist, immer noch nicht. Nur manche “Trends” bekommt man eben mehr zu Gesicht als andere.

Wenn ich dann doch mal im Zuge einer Arbeit für die Aubildung in den “Trend-Büchern” blättere, fällt stark auf wie 80er-lastig auch die “normale” Mode ist. Mit beinahe allen Merkmalen die man in den beiden Dekaden danach so völlig scheußlich fand – Leggins, Neonfarben, wüste Drucke, Oversize-Hemden, verspielte Pastells die einen an romantische Teenie-Komödien aus den USA dieser Periode erinnern und einen innerlich erschauern lassen. Lediglich bei den Schulterpolstern scheint man dann doch die stilistische Schmerzgrenze nicht überschreiten zu wollen – aber wer weiß was noch kommt.

Immerhin kann man der Mode der “bunten” Welt eine gute Seite abgewinnen – man könnte beispielsweise auch wieder mal ganz retromässig stilistischen Widerstand gegen diese knüllebunte Spaßgesellschaft leisten – am Besten mit einer guten Joy Division Scheibe im Ohr und der Gewissheit daß im eigenen Bandshirt, das mit Schereneinsatz und einigen – womöglich – krummen Nähten in Eigeninitiative in Wunschform gebracht wurde, mehr Aussage steckt als im fertig produzierten Shirt vom Trend-Hersteller welches tatsächlich nur wegen des “coolen Styles” des Aufdruckes, gekauft wurde.

In diesem Sinne wandere ich jetzt auch wieder an meine eigene Nähmaschine …

Rosas waviges Kaleidoskop #1: Ethereal Wave

Nicht nur heutzutage können die Subströmungen schwarzer Musikrichtungen bisweilen sehr verwirrend sein, auch in den Anfangstagen des Wave und Postpunk war die musikalische Landschaft durchaus schon breit gefächert.
So ist und bleibt der Oberbegriff “Wave” im Prinzip auch ein Begriff für weitläufige Nuancen der Sache – mit einem Bein im experimentellen Underground, mit dem anderen schon im Pop.

Mit solchen Unterkategorisierungen gibt es natürlich auch das Problem daß sich damals natürlich keiner hingesetzt hat, sich aus einer Auflistung dieser Begriffe einen ausgesucht hat und beschlossen hat eben diesen Stil in seiner Musik aufzunehmen, es gab Entwicklungen und Überschneidungen in viele Richtungen, ein Großteil der Bands kann nicht exakt in eine Unterschublade einsortiert werden – auch eben weil diese Kategorien wieder einmal nachträglich gebastelt wurden um dem Ding einen Namen zu geben.

Wie weit das Feld “Wave” tatsächlich ist möchte ich versuchen in dieser neuen musikalischen Kategorie auszuloten, Informationen weitergeben und Lücken in meinem Musikwissen finden und möglichst stopfen – und stellenweise wird es mich deprimieren weil der CD-Wunschliste garantiert der eine oder andere Silberling hinzu kommen wird – und die Liste ist so schon nahezu endlos ;)

Das erste Kapitel führt uns zur romantischen Seite des Wave ;)

Kapitel 1: Ethereal Wave / Heavenly Voices

Ethereal Wave – auch als “”Ethereal”, “Ethereal Goth” und “Ethereal Darkwave” bezeichnet, ist eine Subströmung des Wave die Ende der 80er bis Anfang der 1990er populär wurde.

Doch die Wurzeln haben viele spätere Ethereal-Bands bereits in den frühen 80ern, einige davon experimentierten auch zu der Zeit bereits mit solchen Klanglandschaften, die Hochzeit dieser Spielart war aber erst in den 90ern.

Charakteristisch für Ethereal sind meist atmosphärisch eingesetzte Gitarrenklänge (die aber dennoch meist unverkennbar Wave sind), dazu experimentelle Synthie-Klangteppiche die den Sound fast Filmmusik-artig unterstreichen, sowie überwiegend weibliche Sängerinnen. Ausgebildete Singstimmen sind nicht selten, es dominiert glasklarer, mystisch-verklärt anmutender Gesang oder sehr aussergewöhnliche, markante Stimmen.

Eng verwandte Genres sind Dreampop und Shoegaze, letzteres erhielt seine Bezeichnung durch einen ironischen Kommentar der – wieder mal – britischen Musikpresse, die den Künstlern vorwarf, auf der Bühne lediglich verschüchtert auf die eigenen Schuhspitzen zu starren – wer denkt da nicht unwillkürlich an den Grufti der weggetreten den Nord-Süd-Kurs auf der Tanzfläche antritt, um “die Musik so richtig schön in sich reinkriechen zu lassen” ;)

Weitere Querverweise die vom Ethereal Wave ausgehen sind Neofolk, Neoklassik,  Industrial – im Sinne von ambient-lastigen Sounduntermalungen die wieder ihre Urpsrünge in der Industrial Culture haben. Auch “New Age – Musik” wird als verwandt genannt – und neben dem athmosphärischen Synthie-Einsatz experimentiert man auch mit Musikformen aus Mittelalter und Renaissance sowie den Klängen aus anderen Kulturen wie Afrika, Arabien, Indien und Asien und vereint diese mit dem Wave-Sound.

Während der Industrial großen Einfluß auf Filmmusik gemacht hat (einige Künstler komponierten später für Film und Fernsehen, zB Chris Carter von Throbbing Gristle) waren auch Künstler aus den Ethereal-Reihen später gelegentlich für Filme tätig – hier mehr im Stile epischer, bombastischer Sounds a la “Herr der Ringe” – zB In The Nursery.

im deutschen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung “Heavenly Voices” – in Anspielung auf die grandiosen Singstimmen der Sängerinnen (und ab und an auch mal Sänger ;) ) die eben typisch für diese Spielart des Wave sind. Hierzulande hält sich dieser Begriff durch die 90er ziemlich hartnäckig – und genauso habe ich diese Sparte der Dunkelmusik auch kennengelernt – auch wenn sie strenggenommen falsch ist.

Diese Bezeichnung geht auf eine 5-teilige Compilation zurück die ebenso hieß und zwischen 1993 und 1998 erschien. Herausgeber dieser Compilation war ein deutsches Independent-Label namens “Hyperium Records”, welches Alben Wegweisender Künstler dieses Subgenres herausbrachte – die Liste der Bands ist dabei beachtlich.
Gründer des Labels sind Oli Roesch und Oliver van Essenberg, Geschätssitz in Nürnberg (netter Zufall ;) ).

Auf den Samplern waren Bands aus den Genres Ethereal, Neoklassik, Neofolk, Folk, Pop, Alternative Rock, Trip Hop, Weltmusik, New Age und zuletzt auch Metal vertreten. Alle mit klanglich ähnlichem Konzept, aber nicht einheitlich nur Ethereal Wave – was freilich auch den besagten fließenden Überschneidungen und Weiterentwicklungen in den 90er Jahren geschuldet ist. Diese Bezeichnung wurde deswegen auch kritisiert – besonders auch weil Metal von anderer musikalischer Richtung her kommt und mit dem “Wave” in “Ethereal” freilich nichts zu tun hat.

Bands wie Faith and the Muse, Miranda Sex Garden, Attrition, Ataraxia, sToa, Die Form, Kirlian Camera, Collection D’Arnell Andrea und später auch QNTAL waren auf der “Heavenly Voices”-Compilation vertreten und boten die musikalische Heimat für die Endzeitomantiker der 90er Jahre. Und die Schwarzromantiker heute stehen in deren Tradition, auch wenn die Zeiten sich seitdem wieder einmal verändert haben.

1999 geht Hyperium Records bankrott, viele der “alten” Künstler sind aber auch heute noch aktiv, manche sogar szeneintern recht bekannt wie zB Faith and the Muse und Dead Can Dance.
Aber auch auf einem anderen Kult-Label – 4AD – gab es recht viele Ethereal Künstler zu finden, bzw nach dem Aus von Hyperium Records erschienend ie Alben vieler Künstler auf 4AD. Das Label, welches im Jahre 1979 gegründet wurde, ist auch heute noch “im Geschäft”.

Die Liste der Bands die man zum Ethereal Wave zählen kann ist groß, stellvertretend stelle ich ein paar hier kurz und exemplarisch vor. Persönliche Vorlieben spielen dabei offengestanden aber die größere Rolle ;)

Dead Can Dance

Vielleicht *die* Szenegröße im Ethereal-Bereich. Die Ausnahme-Kapelle um Brendan Perry und Lisa Gerrard wird 1980 in Australien gegründet, musikalisch orientiert man sich zunächst an Wave- und Postpunk-Klängen, im Laufe der Zeit nehmen aber die Einflüsse aus unterschiedlichsten Kulturkreisen zu – vornehmlich aus dem arabischen Raum – die Band wird um Musiker aus entsprechenden Ländern ergänzt. Dead Can Dance können ebenso dem genre “Weltmusik” zugeordnet werden, eben wegen dieser Einflüsse – letztenendes ist und bleibt das Projekt irgendwo eine Sparte für sich welche einzigartig ist. Zu dem genialen Musik-Crossover gesellt sich Lisa Gerrards charakteristische Stimme und ihre Fähigkeit des lautmalerischen Gesangs.

Auf der offiziellen Webpräsenz kann man kostenfrei die neuesten Werke in Form einer EP herunterladen: http://www.deadcandance.com/

sToa

sToa wurde 1991 von Oliver Parusel und Conny Levrow gegründet. Das erste Stück – ebenfalls mit dem Titel “sToa” wurde bei Hyperium Records veröffentlicht, später auch das Album “Urthona, welches als wegweisend für den Ethereal-Sound gilt.Beide Gründungsmitglieder haben Ausbildungen in klassischer Musik, was maßgeblich bei “sToa” eingeflossen ist.
Inhaltlich dreht sich sToas Werk um philosophische und esoterische Themen, musikalisch sind auch hier Einflüsse orientalischer Kulturen vorhanden.
Live ist die Band auch mehr als empfehlenswert – wer sich darauf einlässt wird mit einem nachdenklichen, ruhigen und beeindruckendem Erlebnis belohnt.

Collection d’Arnell Andréa

1986 gründeten Pascal Andréa und Chloé St Liphard die Band in Orléans, Frankreich. Andréa verlässt kurz nach der Gründung die Band, sein Name bleibt aber bis heute im Namen der Band.
Musiker mit traditioneller klassischer Ausbildung vervollständigen das Projekt, bei Live-Auftritten ist das Ensemble nicht selten groß. Wavige Klänge mischen sich zwischen Violinen und Chloés helle, klare Stimme. Eine Band die es mir seid dem Konzertbesuch zum WGT 2008 auch sehr angetan hat.

Hier die offizielle Homepage: http://cdaa.free.fr/

Myrna Loy

Über die Bonner Wave-Formation findet man im Netz nicht viel. Allzu bekannt scheinen sie heutzutage auch nicht mehr zu sein, was aber eine echte Schande ist, da diese Kapelle wirklich Spitzenklasse war und immernoch ist.
Ich bin ganz stolz, alle drei je erschienenen Scheiben im Regal stehen zu haben.
Aktiv war diese Band Anfang der 90er, stilmässig sind die Arrangements teilweise sehr experimentell, oft unverkennbar mit wavigen Wurzeln, und die Stimme der Sängerin, des Sängers, Victor, ist enorm einprägsam. Ebenfalls eine Kapelle die eigentlich eine ganz eigene Kategorie für sich darstellt.
Aktiv war die Band von 1887 – 1994. Kritiker bezeichneten die Band als eine der Innovativsten in Deutschland damals. Der Meinung bin ich durchaus auch :)

Nachtrag: Danke an Serapion für das Richtigstellen, daß hier keine Sängerin am Werk war, sondern tatsächlich ein Sänger – ich wusste es nicht und war mir sicher, eine Dame herauszuhören :) – der Umstand aber macht diese Band meiner Meinung sogar noch beeindruckender!

Cocteau Twins:

Zitat Wikipedia:

Die Cocteau Twins wurden 1980 in Grangemouth, Schottland, gegründet. Die Namensgebung geht auf einen frühen Song der schottischen New Wave-Band Simple Minds zurück, der in leicht veränderter Form als No Cure auf deren Debütalbum Life in a Day (1979) zu hören ist.

Die Cocteau Twins gelten als die “Erfinder” des Ethereal, in ihrer frühen Laufbahn waren sie mit Bands wie OMD ( <3 ) und This Mortal Coil auf der Bühne. Auch deren Alben erschienen danach auf dem Kultlabel 4AD.
Robin Guthrie und Liz Fraser arbeiteten für letztgenannte Band an dem Tim Buckley Cover "Song for the Siren", das im Soundtrack des Filmes "Lost Highway" von David Lynch zu hören war. Es wurde auch unter dem Bandnamen “This Mortal Coil” (Album “It’ll End in Tears”, 1984) herausgegeben – nicht unter “Cocteau Twins” – wie ich fälschlicherweise vorher an dieser Stelle behauptet hatte ;) – das Projekt des 4AD Labelchefs hatte zeitlebens wechselnde Bandmitglieder und Gastmusiker die sich auch im Ethereal-Bereich mit ihren eigenen Projekten aufhielten.

Ein Wendepunkt stellt das Stück “Blue Bell Knoll” dar, bei dem vermehrt auf elektronische Verfremdung, insbesondere der Gitarre, wert gelegt wird. Das Ergebnis ist meiner Meinung nach wunderschön, avantgardistisch und zeigt den Brückenschlag zwischen Schwarzromantik und Punk-Wurzeln durchaus.

Wie bereits gesagt – es gibt viele bemerkenswerte Bands aus dieser Subsparte, für alle ist hier natürlich kein Platz. Ich hoffe aber die Auswahl war abwechslungsreich und dennoch bezeichnend für ein Wave-Subgenre das durchaus großen Einfluß hatte.

Quellen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Hyperium_Records
http://de.wikipedia.org/wiki/Shoegazing
http://en.wikipedia.org/wiki/Ethereal_Wave
http://www.lastfm.de/music/Myrna+Loy
http://de.wikipedia.org/wiki/Cocteau_Twins

Bildnachweis: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Hyperium_Records.png

Gothic Friday Dezember – Subkultur in eurer Stadt

Das Jahr 2011 ist nicht mehr, und damit nimmt auch das “Gothic-Friday”-Blogprojekt, das viele interessante Themen und Artikel zu eben jenen hervorbrachte, ein Ende .

Das Dezember-Thema wurde per Vorschlag der Teilnehmer und Leser und anschließender Abstimmung darüber entschieden.
So machte – wenn auch knapp – die Vorstellung der Subkultur in der eigenen Stadt respektive Region das Rennen.

Seit guten 11 Jahren lebe ich in Bayreuth. Eine kleine Stadt die wohl am Bekanntesten für die alljährlichen Wagner-Festspiele sein sollte. Doch auch in den Kreisen der schwarzen Szene ist Bayreuth ein nicht gerade unbeschriebenes Blatt.

In den 90ern gab es hier den szene-berühmten Club “Etage”, von dem ich leider nur von Geschichten gehört habe, denn das war dann ein paar Jährchen vor meiner eigenen Zeit als Bayreuther.

Wenn man jedoch von Bayreuth über die B303 gen Fichtelgebirge fährt, so liegt auf dem Gelände eines Schrotthändlers der eigentlich hauptsächlich Autoteile besitzt, gut von der Straße aus sichtbar eine große, schwarz gestrichene Platte auf der in kantigen, pinken Buchstaben gut lesbar “ETAGE” steht. Ein Überrest des Clubs? Mal sehen ob sich dem nachgehen lässt …

Bilder aus der alten Etage gibt es im Netz wenig zu finden, lediglich folgende Impressionen konnte ich ausfindig machen:

http://www.wuff.net/claudia/etage/index.html
http://www.wuff.net/claudia/etage/etage.html

“Goethes Erben” und “Das Ich” formierten sich hier, ab und an steht Oswald Henke im Supermarkt vor einem an der Kasse an. Die Plattenlabels “Danse Macabre” (Bruno Kramm) und “Etage-Music” (Jochen Schobert) sind in der bayreuther Region ansässig.

In Bayreuth wird man gelegentlich sogar von Normalvolk auf der Strasse angesprochen (sofern diese im “richtigen” Alter sind) ob man die alte Etage gekannt hatte – zuletzt geschehen am Bahnhof als eine Dame erst minutenlang auf die Spitzen meiner Pikes starrte um mich schließlich dann doch anzusprechen.
Daraus wurde dann ein angeregtes Gespräch bei dem sich herausstellte daß die Dame zu Etage-Zeiten wohl bei einem Taxi-Unternehmen gearbeitet hatte das direkt beim Club sein Büro hatte. Und an Abenden mit wenig Betrieb sei man in die Etage hinüber gegangen um ein wenig mit den Grufties zu feiern. Überhaupt fand sie daß diese Leute ausnehmend freundlich und offen seien und sie sich sehr freut daß ihre jugendliche Tochter auch immer mehr in diese Richtung gehen würde.

Der erste schwarze Club den ich in Bayreuth betreten habe war das “ID2″. Das knappe Jahr in dem dieser Club so irgendwie überlebt hatte war eine tolle Zeit, entsprechend weh getan hatte sein Ableben, und den allerletzten Abend dort vergesse ich auch sicher nicht – dieser allein würde Stoff für einen eigenen Artikel bieten.
Zu der Zeit war die Kneipe mit dem schön-gruffelichen Namen “Fledermaus” auch ein willkommener Treffpunkt für allerlei Schwarzgewandete. Leider wechselte die ziemlich häufig den Pächter, stand mittendrin mehr oder weniger lang leer.
Die eine oder andere Nacht sind wir da drin versumpft, haben mit dem damals aktuellen Inhaber (der meines Wissens erste und einzige Grufti der die Fledermaus bewirtschaftete – man kannte sich *hust*) die Tische weggerückt um Platz zum Tanzen zu haben bis die Sonne aufging.

In einem Anfall von Nostalgie wäre ich gern wieder mal hingegangen, doch sowie ich gehört habe heißt der Laden nun “Stereo-Bar” und ist mehr Anlaufstätte für Publikum ganz anderer Art. Sehr schade, das historische Kellergewölbe und die Fledermaus-Lampen (die keineswegs kitschig waren sondern richtig stilvoll designt) waren perfekt …

Scheint als wäre nach dem Jahrtausendwechsel Bayreuth kein allzu gutes Fleckchen mehr für schwarzes Volk. Ein weiterer Club hielt sich ebenfalls nicht sehr lange. Dann war es eine Weile sehr still.

In etwa zeitgleich mit dem ID2 entdeckte ich das Top Act in Zapfendorf, ein beschauliches Nest irgendwo mitten im fränkischen Hinterland, trotzdem hält sich der Laden schon recht lange.
Es gibt eine große Zahl an schwarz-genre-sortierten Veranstaltung, angefangen von der “Dienstältesten” – der La Nuit Obscure – die einmal quer durch alle schwarzen Stile führt. Im Lauf der vergangenen Jahre wurde das Konzept – je nach DJ – mal mehr und mal weniger eingehalten.
Daneben gibt es mehr batcave-lastigere Abende, mehr Elektronischere. Neben Metal-Abenden gab es auch schon Goa-Parties.
Einige Party-Konzepte wurden im Lauf der Jahre aufgegeben, andere kamen hinzu. Neben dem etablierten 80er-Abend (der aber nicht ganz so häufig auf dem Terminzettel steht) ist zuletzt mit der “Wave to the Past” eine musikalisch hochgradige Veranstaltung dazu gekommen die auf allerlei Altes setzt – von echten Klassikern bis hin zu mehr oder weniger neuen Projekten die an den 80er Sound anknüpfen.

Auf keinen Fall vergessen sollte man den “Göttertanz“, welcher Vierteljährlich veranstaltet wird. Mit ca 10 Euro Eintritt eine etwas teurere Geschichte, aber die wird durch Begrüßungssekt und durchgehend Buffet wieder relativiert. Musikalisch wird hier alles abgedeckt was das schwarzromantische Herz gern hört – von Pagan Folk über Ritual, Neofolk, Heavenly Voices, Neoklassik und alles was noch dazu gehört. Die Gäste geben sich bei Gewand und Make-Up meist sehr viel Mühe und so ist diese Veranstaltung auch schon lange zu einem Treffpunkt für die Rüschenfraktion geworden ;)

Neben Zapfendorf bin ich auch gerne mal in Nürnberg unterwegs, wegen der Strecke (die mit einer Stunde Fahrtzeit zwar noch im Rahmen ist, aber dennoch eben eine ganze Stunde ist …) kommt das aber nicht ganz so häufig vor.
Zugegeben, wochenends Weggehen ist im letzten Jahr deutlich zurück gegangen bei mir, und bis zum Sommer schätze ich auch daß sich da erstmal nicht viel mehr tun wird …

Jedenfalls, das Cult bietet einmal im Monat die “Grey Area” – eine musikalisch sehr feine Geschichte mit allerhand schwarzen Klassikern, etwas Neofolk und recht viel aus dem Umfeld des waschechten Industrials.
Der Club selbst ist eine eher überschaubare, alte Industriehalle mit kargem Charme, etwas abseits gelegen. Passend zum musikalischen Angebot. Veranstalter ist der Verein XHPonozon der auch feine, und spezielle Geschichten wie die “Waid Noises” (hier mein Artikel zur letzten Veranstaltung) und “1654 The Cave” organisiert – welche auch eine etwas längere Anfahrt lohnend machen da Location (eher im letzteren Fall – eine Burgruine mitten im Nirgendwo) oder das Programm an sich meilenweit vom schwarzen Mainstream entfernt ist.
Um schwarzromantische Bälle handelt es sich hier aber nicht, die aussergewöhnlichen Locations verlangen nach manövrierbarerer Montur da man sich erstmal durch ein wenig Natur durchschlagen muss, dafür ist man aber relativ abgeschieden – was auf eine kargere Art wieder sehr romantisch ist.
Der letzten Cave fielen beispielsweise ein Paar meiner Pikes zum Opfer *schnöffz* weil um 3 Uhr in der Nacht über der Ruine ein übler Gewitterschauer niederging der erhebliche Mengen Wasser durch die eh schon löchrigen Sohlen meiner Pikes trieb …

Ebenfalls einmal im Monat – üblicherweise an einem Freitag – findet die “We want Revenge” im Cult statt – viel Wave und Postpunk, gepaart mit Indie. Eine ganz schöne Mischung bei der man sich sozusagen an der Tanzfläche fest-“saugen” ;) kann. Leider war ich nur ein paarmal da – Freitags sind längere Wege zu Parties derzeit für mich etwas ungünstig.

Ausgesprochen fein ist auch die Depeche Mode Party auf der Mississippi Queen in Nürnberg. Bisher war ich nur einmal da, das Unterdeck war brechend voll und ich war stellenweise sogar mit platzsparendem schwarzen Anzug und Jasons irgendwie im Weg – aber das Schiff hat was als Veranstaltungsort und kommt faste in wenig steampunkig rüber, die Musik war grundgenial ausgewählt. Leider kein billiges Partyvergnügen dank hoher Eintritts- und Getränkepreise, aber doch recht aussergewöhnlich.

In Bayreuth selbst ist – wie gesagt – nicht mehr ganz so viel los wie noch in den 90ern zur Zeit der Etage.

Für einen Kneipenbesuch bietet sich immer das “Kanapee” an, eigentlich eine Metaller-Kneipe. Obwohl nicht meine Musiksparte bin ich immer ganz gern dort gewesen – neben günstigen Preisen hat die Örtlichkeit einen sympathisch-trashigen Charakter.
Zugegeben, ich bin schon lange nicht mehr dort gewesen, früher aber hatten wir einige sehr amüsante Abende in dem Laden verlebt.

Die “Rosenau” ist berüchtigt für Studentenparties denen man als Mensch mit Vorliebe für schwarze Klamotten freiwillig nicht unbedingt gern nahe kommt. Zu meiner Studenten-Zeit hab ich das ein-zweimal über mich ergehen lassen, dann war aber auch Schluß. Abgesehen vom sozialwissenschaftlichen Experiment wie angesoffene BWL-Studies auf Gruftdamen in Netzstrümpfen reagieren. Das Ergebnis war teilweise amüsant, teilweise niederschmetternd für die Bunt-Fraktion. So hat ein Security einen besoffenen Typen vor die Tür gesetzt der nicht verkraften konnte daß ich kein Interesse an ihm hatte, egal was er vorzubringen wusste.

Seit etwa 2006 findet dort aber am letzten Freitag im Monat die “Deuxieme Etage” statt, die vom gleichnamigen Verein veranstaltet wird.
Der Name ist selbstredend eine Anspielung auf die berühmte Etage der 90er, musikmässig wird auch hier alles an schwarzen Stilen angeboten. Zweimal im Jahr auch mit Unterstützung der “Metal Time Bayreuth”.
Musikmässig hat sich in letzter Zeit einiges zum Guten gebessert und ich hoffe der Trend hält an ;) – selbstredend sind die Veranstalter auch hier immer ein gewisses Maß abhängig von den Besuchern wenn man die Party halbwegs halten will, von daher spricht es auch für das Publikum daß anständige Musik nicht mehr kritisch beäugt wird sondern durchaus auch Leute auf die Tanzfläche lockt.
Abgesehen davon bin ich in wenigen Autominuten dort (und sollte es sein müssen auch wieder weg) und “man trifft sich” sozusagen immer wieder dort, was die Atmosphäre inzwischen ganz familiär macht, besonders auch weil man mit den DJs beim Luftschnappen auch immer mal nett quatschen kann.

Dem geschichtlich interessierten Grufti bietet Bayreuth auch eine ganze Menge. Die Stadt hat eine Reihe sehenswerter Bauten aus dem 18. Jahrhundert die zum Großen Teil von der Markgräfin Willhelmine erbaut wurden – allen voran die imposante barocke Oper.
Auch das Neue Schloß in der Stadtmitte ist sehr interessant – hier erfährt man in einer Führung durch den jüngsten Trakt – den italienischen Bau – was es mit dem “Bayreuther Barock” auf sich hat.
Unweit des zugehörigen Hofgartens befindet sich das “Haus Wahnfried” in dem Richard Wagner gelebt hat und nun ein Museum rund um Leben und Wirken des Komponisten. Unweit davon findet man sein Grab.
Ebenfalls in der Nähe befindet sich das Freimaurer-Museum , dessen Gebäude auch der Hauptsitz der bayreuther Freimaurer-Loge ist.
Bei einer Museumsnacht habe ich dieses Museum besucht und danach eine philosophische Einführung ins Freimaurertum im Versammlungsraum angehört. Es war ziemlich interessant, die Leute sind recht offen und freundlich, und waren von unseren historischen Klamotten auch recht angetan ;)

Unter dem imposanten, alten Backsteingebäude der Bayreuther Bierbrauerei befindet sich der Zugang zu den Bayreuther Katakomben die vermutlich bis ins 16. Jahrhundert zurückdatieren und in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ausgebaut wurden.
Führungen gibt es nach Absprache, in den rund 60 Minuten erfährt man viel Geschichte(n) rund um den wahren “Underground” der Wagner-Stadt *g*

Etwas ausserhalb befindet sich die Eremitage – ein weitläufig angelegter Park mit Wiesen die im Sommer perfekte Kulisse für Schwarzromantiker-Picknicks sind. Der sogenannte Sonnentempel mit einer vergoldeten Statue des Apoll im Streitwagen auf dem Dach, fasziniert durch die funkelnde Fassade die mit unzähligen Halbedelstein-Splittern besetzt ist.

Ebenfalls etwas ausserhalb in Donndorf steht das Schloß Fantaisie, das ebenfalls mit einem weitläufigen Park aufwarten kann.

Mit einer halben Stunde Fahrtzeit von Bayreuth weg ist Sanspareil zwar etwas weiter weg, aber dennoch ein lohnenswertes Ausflugsziel. Das Gelände wurde als Felsenlandschaft konzipiert, Herzstück ist die kleine Felsenbühne die im Sommer bespielt wird und auch bei Tageslicht wegen der fast schon unwirklich anmutenden Felsformationen sehenswert ist.

Bei Führungen die durch einige Bauten der genannten Örtlichkeiten angeboten werden, erfährt man hier sehr viel über die Mythologie die die Erbauer hier in Stein umgesetzt haben – im Gegenzug zu manch moderner Architektur stecken hier viele antike Legenden in den Verzierungen und Gesamtkonzepten – was dem an Symbolik interessierten Grufti sicher auch gelegen kommen wird ;)

So habe ich schon etliche Freunde und Bekannte durch die genannten Museen und Parks geschleppt – meist selbst in Gewandung – neben einem gewissen Wohlfühlfaktor hat das den zweiten Vorteil daß man gelegentlich auch mal den Eintritt spendiert bekommt als Anerkennung für den Rausputz-Aufwand ;)

So, das war nun mein kleiner Einblick in das was die Bayreuther Gegend an Subkultur und ergänzendem Geschichtsprogramm welches – wie ich hoffe – auch auf schwarzes Interesse stoßen sollte.

Sofern das den einen oder anderen jetzt neugierig auf Bayreuth gemacht haben sollte – ich bin immer wieder gern bereit Gäste durch die einheimischen Sehenswürdigkeiten und Museen zu schleppen ;) – und selbstredend auch live und in schwarz das regionale Dunkelclub-Leben vorzustellen.

Gastbeitrag Gothic Friday – Chris und die dunkle Musik

Ich bin sehr froh darüber an dieser Stelle auch mal einen Gastbeitrag beherbergen zu dürfen, ein guter Freund hat sich von mir überreden lassen mitzumachen und erzählt im Folgenden ein wenig über seine Musikalischen Präferenzen – was mich auch aus dem Grunde erfreut da er ein guter Beweis dafür ist daß die junge Generation Schwarzvolk nicht notwendigerweise immer im Cybergestampfe steckenbleibt, sondern sich auch Gedanken zu den Ursprüngen der Szene macht.

Und deswegen hat im Folgenden Chris das Wort – von mir stammen lediglich die Formatierungen via HTML.

10 Fragen — Die Musik und Du
Was bedeutet Musik für Dich? Wie wichtig ist sie Dir?

Diese Frage ist eigentlich mit: „Musik ist mein Leben“ beantwortet, ich gehe dennoch ein wenig mehr darauf ein, da dies ja viele Menschen lesen werden. Musik höre ich immer und überall, ob das nun auf längeren Touren zu Veranstaltungen ist, zu Fuß/unterwegs mit dem Hund oder einfach nur Zuhause am PC, beim Putzen/aufräumen oder beim Baden.

Wichtig ist dabei das, die Musik immer zu meiner aktuellen Gemütslage/Stimmung passen muss. Dies ergibt sich allerdings meistens von selbst.

Welche Richtungen »schwarzer Musik« hörst du? Nenne ein Beispiel, das für Dich deine Bedeutung des Genre am besten Wiedergibt.

Das Spektrum von mir gehörter Musik ist ziemlich breit gefächert aber ich fang mal an. Ich habe zwar die 80er nicht mehr mitbekommen da ich einfach zu jung bin (leider) höre die damalige Musik bzw. die Anfänge der schwarzen Szene sehr sehr gerne. Für mich ein nicht wegzudenkender Favorit sind dabei:

The Cure – Lovecats
Ich finde es ist ein Klassiker und jeder sollte es kennen.

Das nächste von mir Bevorzugte Genre wäre dann Neofolk/Neoclassic, ich wage es hier mal diese beiden Richtungen miteinander aufzuzählen, da sie für mich doch ziemlich Artverwandt sind. Auf diese Musikrichtungen bin ich durch den, hier bei mir heimischen Göttertanz gekommen. Zur Neoclassic möchte ich hier folgende Band erwähnen:

Blood Axis – Lord of Ages

Nun zum Neofolk ein Vertreter den ich da gerne höre ist folgender:

Death in June – Little Black Angel

Eine weitere Musikrichtung der „Gothic-Kultur“ die fester Bestandteil meiner Musiksammlung ist, ist der Darkwave hier führ ich mal einen der bekanntesten Vertreter auf:
Deine Lakaien – Over and Done

Erwähnen möchte ich auch noch folgende Band die ich erst auf einen zweiten Versuch gut fand:
Diary of Dreams – Giftraum

Dann gehen wir mal weiter zum Military Pop und Martial Industrial, zwei Richtungen die ich erst sehr Spät auf einer Party kennengelernt habe, aber mittlerweile sehr gerne höre und schätze. Als Vertreter des Genre möchte ich hier folgende Vorstellen:
In Slaughter Natives – Death Just only Death

wobei die Grenze hier so derart fleißend ist das man auch von Death Industrial spricht.

Kommen wir nun zu Ritual, Dark Ambient, Pagan und alles was man in diese Richtungen stecken kann. Hier liste ich nun mal ein paar Sachen auf die eigentlich fast jeder kennt.
Als Ritual Industrial:
Test Dept. – Arddyledog Ganu
ein Stück was ich als sehr intensive und emotional empfinde.

Zum Dark Ambient stell ich mal folgende Band vor:
Sephiroth – A map of Eden before the Storms Von dieser Band kennen viele sicher das Stück Wolf Tribes, aus diesem Grund stell ich hier mal ein anderes vor.

Pagan und Mittelalter, ich mag Dudelsäcke und Gitarren nicht wirklich deswegen stell ich hier mal zwei eher elektronische Projekte vor, die aber auch wieder sehr bekannt sind.
Qntal – Fruhling
Helium Vola – Darkness, Darkness

Was bei mir musikalisch noch aus dieser eher ruhigeren Sachen aus der Reihe tanzt sind Power Electronics, hier möchte ich eine Band aufzeigen dir mir Persönlich von Texten, Sound und Gesamtkonzept sehr gefallen:
Haus Arafna – Last Dream of Jesus

Desweiteren darf hier nicht der gute alte EBM vergessen werden, zumal mich folgende Band 2010 auf einem Festival so dermaßen überzeugt hat, da sie trotz des hohen Alters der Bandmitglieder noch so ne unglaubliche Performance hingelegt haben:

Front 242 – Welcome to Paradise

Erwähnen will ich jetzt eigentlich nur noch Sopor Aeternus and the Esemble of Shadows, da mich dieses Projekt immer wieder durchs leben begleitet. Allerdings kann ich die Band keinem Genre zuordnen und möchte das auch gerade nicht. Es ist eben ein persönlicher hoher Stellenwert den diese Band bei mir erreicht hat.

Wie würdest du deine musikalische Laufbahn beschreiben? Über welche Richtung der Musik bist Du in die Szene gekommen, welche hast du hinzugewonnen, welchen hast du abgeschworen und was hörst du heute?

Da ich es verpasst habe am ersten Gothic Friday teilzunehmen, werde ich hier etwas weiter ausholen. Ersten Kontakt mit „alternativer“ Musik hatte ich auf den hier in der Fränkischen Schweiz heimischen Bierzelt Beatabenden, hier möchte ich mal ein großes Lob an die Coverband Audio Gun loswerden, ein Mädel die eine sehr schöne hohe Stimme hat, ein ästhetischer Sänger und langhaarige abrockende Bass und Gitarren Spieler (eigentlich nicht meine Welt aber mit 16 is man froh wenn man mal rauskommt). Besagte Band fing also irgendwann an Nightwish, Rammstein, Within Temptation und Co. zu spielen, was bei mir dann doch gefallen fand. Also war ich dann für 1-1,5 Jahren der „Metall-Szene“ angehörig. Bis ich eines Tages einen Sampler in die Hand gedrückt bekam, auf diesem Sampler wart Track 07 von Emilie Autumn, ab hier ging es dann los, ich sah besagte Dame auf dem Cover einer Orkus-Zeitschrift welche denn auch gleich mal eingesackt wurde und von vorne bis hinten durchgelesen wurde. Durch einen von der Band ASP kreierten Remix des Songs Liar von Emilie Autumn stieß ich dann auf diese Band. Mit 18 folgten dann Besuche der ersten Gothic Veranstaltungen (damals noch mit einer schlichten schwarzen Jeans und einem Bandshirt bekleidet). Mit ein bisschen Club und Party Erfahrung passiert dann der schlimmste Abschnitt meiner Szenezeit, ich wurde zum so genannten „Glühwürmchen“, das lag daran das die Musikrichtung grad im kommen war und ich damals mit Szeneanfängen und 80er noch so gut wie nichts am Hut hatte. Das ganze ging dann ungefähr ein Jahr gut, dann machte es wohl „Klick“ oder ähnliches und ich fand die Musik die ich eigentlich mag auf einmal stupide, blöd und niveaulos. Ich lernte dann, auf einer monatlichen Veranstaltung auf der eben all Styles of Dark Music gespielt wurden (wie es so schön heißt), eine Dame kennen die ihr Gesicht weiß geschminkt hatte und im Gesamtbild sehr eindrucksvoll auf mich wirkte (bis Dato hatte ich diesen Stil noch nicht gesehen) was auch an dem Outfit lag. Wie ich später herausfinden sollte hatte sie ihre Kleidung komplett selbst gemacht. Aber eins nach dem andern, also fasziniert von ihrer Erscheinung, wollte ich diese Dame ansprechen, leider bin ich nicht der Typ der auf Menschen einfach zugeht und sie anspricht. Doch beim Frischluft schnappen draußen lief man sich dann doch übern den Weg und wechselte die ersten paar Worte. In den folgenden Monaten (mittlerweile gut 1,5 Jahre) ging man dann öfter zusammen weg und lernte sich immer besser kennen. Dies wird jetzt keine Liebesgeschichte – allerdings war besagte Lady nicht unschuldig an meiner jetzigen Szenebetrachtung, meinem Musikgeschmack und meinem Stil was Kleidung und Schminke betrifft. Mittlerweile zähle ich mich selbst zu den Schwarzromantikern und fühl mich „Pudelwohl“ in besagter Szenerichtung. Dem Glühwürmchen sein hab ich komplett abgeschworen, Sachen in diese Richtung gehen mir eher auf die Nerven als das ich irgendwas Tolles daran finden könnte.

Wie und wo hörst du Musik am liebsten?

Musik höre ich immer und überall, wie in meiner Einleitung schon erwähnt. Am liebsten aber wirklich im Club auf der Tanzfläche mit geschlossenen Augen und einem wirklichen abschalten, was durch die Lautstärke dort immer wunderbar funktioniert. Zuhause hör ich dann meistens eher etwas ruhigere Sachen und gönn mir durchaus mal ein zwei Gläser Wein dazu.

Welche Musik hörst du außerhalb der typischen dunklen Musik noch?

Vereinzelt gibt es wirklich ein zwei Sachen die ich gerne höre, welche nicht aus dem dunklen Musikbereich stammen. Gerade letztes Jahr (2010) gab es im Radio/Mainstream eine Stück was ich ganz großartig fand:

Hurt’s – Wonderful Live

Das mal aus gegebenen Anlass.

Mal angenommen, Du könntest ein Instrument spielen, hättest eine tolle Stimme und würdest zusammen mit Freunden eine Band gründen. Welche Rolle in der Band wäre Deine?

Ich wär sollte es wirklich eine Band mit klassischen Instrumenten sein, der Pianist da ich des Klavier zumindest teilweise beherrsche. Allerdings würde ich lieber ein Krach-Projekt im Sinne des alten Industrials a la Throbbing Gristle gründen. Bei dieser Sache wär ich dann der Typ der wild auf irgendwelchen Ölfässern oder Stahlträgern rumdonnert.

Nenne 5 deiner Alben die für Dich unverzichtbar mit Szene verbunden sind.

Synthie-technisch ist es meine Neuentdeckung des WGTs 2010 —- Roman Rain – Album: Pomah penh

Mental Measuretech – Songs form Neuropa

Rosa Crux – In tenebris

Sopor Aeternus – Le Fleurs du Mal

Helium Vola – Für euch die ihr liebet

Welche musikalischen Eigenschaften hat für dich das ideale Lied?

Das ist jetzt wirklich ein sehr gewagter Versuch, stimmlich wäre mir ne wohlklingende hohe Frauenstimme am liebsten, wenn es eine männliche Stimme sein soll muss diese was sehr besonderes haben. Instrumenten mäßig würde ich mich an vielen Streichinstrumenten erfreuen die von einem Flügel begleitet werden, dazu noch ein paar Trommeln und Samples die das Bild komplettieren. Der Text darf emotional gewichtig sein, wenn’s geht aber nicht von der Zwischenmenschlichen Liebe handeln. So ungefähr stell ich mir das ganze vor.

Band oder welchen Musiker/in würdest Du gern mal interviewen und auf welche Frage musst Du dabei unbedingt eine Antwort haben?

Da fällt mir aktuell nur eine Person ein, die da wäre Anna-Varney Cantodea, da sie/er eine so dermaßen faszinierende Persönlichkeit für mich ist. Allerdings habe ich keine bestimmte Frage, ich würde einfach gerne mal ein Gespräch mit ihm/ihr führen.

Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?

Die Frage ist ein bisschen schwierig, da ich Angst habe das noch mehr „Techno“ angelehnte niveaulose Musik in die schwarzen Clubs einzieht. Ein Beispiel dafür ist ein grausames Lied, welches ich vor einigen Wochen auf einer Frankfurter Party zu Ohren bekommen habe.

Ich hoffe das mal eine Band in Erscheinung tritt die sich am Urindustrial bzw. am Ritual Industrial anlehnt und ein bisschen frischen Wind in diese Richtung bringt.

Zwei Neuentdeckungen die für mich Vielversprechend klingen und ich vergangenes Jahr entdeckt habe sind zum einen, wie oben schon genannt, Roman Rain (Russischer Synthiepop) und zum anderen eine aus Hof stammende Künstlerin namens Genevieve Pasquier, welche sich stark am alten EBM orientiert, durchaus aber auch neues in dieses Genre einfließen lässt.

Gothic Friday – Februar: Musik und Leidenschaft

Und nun geht der Gothic Friday in die zweite Runde, diesen Monat dreht es sich ganz um die Musik, einige interessante Beiträge sind dazu auch schon wieder entstanden, und ich reihe mich da auch gleich mal mit ein.

Also legen wir mal los:

10 Fra­gen — Die Musik und Du

Was bedeu­tet Musik für Dich? Wie wich­tig ist sie Dir?

Musik ist für mich sehr wichtig, sie ist für mich eine sehr emotionale Sache.
Musik ist auch oft Hilfe bei weniger schönen Gemütszuständen, oder Mittel zum Abreagieren wenn das mal sein muss ;) , sie ist die Brücke zum Abtauchen in andere Welten, hörbare Schönheit, Seelenspiegel und Freund. Sie macht aber auch glücklich bis hin zu euphorisch und deckt somit für mich alles ab was an Empfindungen möglich ist.

Wel­che Rich­tun­gen »schwar­zer Musik« hörst du? Nenne ein Bei­spiel, das für Dich deine Bedeu­tung des Genre am bes­ten Wie­der­gibt.

Ich höre eine relativ große Bandbreite an musikalisch-dunklen Subgenres. Meine Wurzeln sehe ich in den 80ern, bei Depeche Mode, OMD, The Cure, Siouxsie, Bauhaus und Joy Division, auch wenn ich einige Bands erst im Nachhinein für mich entdeckt habe, aber mein 80er Fimmel der vorher schon da war, war da auch maßgeblich beteiligt.
Daher stehen Wave und Postpunk freilich auch auf meiner Liste.

Ein Beispiel hierfür auszusuchen ist allerdings etwas schwierig …

Bauhaus – Bela Lugosi’s Dead DER Klassiker – freilich, aber eben einfach unbestreitbar ein geiles Stück :D
Depeche Mode – Enjoy the Silence

Minimal

Juhu, Synthies :D

S.P.O.C.K – Never trust a Klingon
– hat einfach den Nerd-Bonus wenn man eh schon Trekkie ist :D
Rorschach Garden – Robots

Darkwave – war neben Depeche Mode mit Project Pitchfork eine maßgebliche “Einstiegsdroge” für mich. Pitchfork habe ich schon in meinem ersten Gothic-Friday Artikel genannt, daher nehme ich an der Stelle mal das:

Silke Bischoff – Under your Skin

Und eine andere meiner absoluten Lieblingsbands muss ich hier freilich auch noch mit aufführen:

Diary of Dreams – Traumtänzer

Gothic Rock war eher Liebe auf dem zweiten Blick da ich Gitarren anfangs einfach nicht ausstehen konnte ;) über die 80er Musik hab ich mich dann doch mehr und mehr dran gewöhnt, auch wenn das was ich damals mochte eindeutig Synthielastig sein musste.
Die Sisters haben mich dann von den Gitarren überzeugt, und zwar mit dem sicher bekanntesten Stück:

Sisters of Mercy – Temple of Love

Weiter gehts mit der Sparte Neoklassik – Ethereal – Heavenly Voices, einem Abkömmling des Postpunks.
Das kann ich ganz klar mit DEM Klassiker schlechthin vorstellen:

Dead Can Dance – Rakim

Neofolk – Ich verzichte hier auf die Klassiker, und gebe als Beispiel eine etwas neuere Band an die ich sehr schätze:

ROME – Das Feuerordal

Verwand dazu ist ist der sogenannte Apocalyptic Folk, und da kann ich nur eine grandiose Band als Aushängeschild anführen:

Ordo Rosarius Equilibrio – Three is an Orgy, four is forever

Mittelalterlich inspiriertes und Pagan Folk – aber nur in Ausnahmefällen mit Dudelsäcken, und bitte auch kein Mittelalter-Rock ;)

QNTAL – Am Morgen Fruo
Omnia – Etrezomp Ni Kelted

Von da aus gehts weiter in den Bereich Ritual
Ich stecke hier mal eine meiner absoluten Lieblingsband hinein, obwohl man die genauso zum Neoklassik oder anderen stecken könnte:
Rosa Crux – Omnes qui descendunt

Als erstes Werk des Ritual Industrials wird das Album “Secret eye of LAYLAH” von Zero Kama genannt, das angeblich mit Instrumenten aus Menschenknochen eingespielt wurde:

Zero Kama – Night of Matter

Wiederum damit verwandt ist der Dark Ambient, beziehungsweise sind die Unterschiede zum Ritual mehr als fließend um eine genaue Trennung zu ziehen:

Raison D’Etre – Wasteland

Genauso fließend sind die Übergänge zum Martial Industrial und Military Pop, gerne hätte ich Derniere Volonte’s “La Foudre Et Le Tonnerre” angeführt, konnte aber kein Video zu dem wunderschönen Stück finden, daher nehme ich ein anderes Beispiel:

Triarii – On Wings of Steel

Nachtrag: auch wenn “La Foudre et Le Tonnerre” nicht in Videoform auffindbar war, habe ich ein anderes Musikstück gefunden:

Dernière Volonté – Au Travers des Lauriers

Von da aus muss ich unweigerlich zum Industrial kommen, wovon die letzten oben genannten Beispiele ja auch nur Verzweigungen sind, und was gibt man da besser an als die Godfathers der Industrial Culture – Throbbing Gristle:

Throbbing Gristle – Discipline

Ein neuerer Abkömmling des Ur-Industrials ist – nein, NICHT Straftanz ;) – sondern Powerelectronics. Meine erste Begegnung damit war Propergol, und die führe ich hier auch mal als Beispiel auf:

Propergol – Outburst

Tut weh, und solls auch ;)

Neue deutsche Todeskunst
Kein Genre das ich allzu intensiv höre, aber Goethes Erben mag ich wirklich sehr gerne:

Goethes Erben – Rotleuchtende, einst weiße Engel

Schwer einordenbar ist vielleicht Sopor Aeternus, ich führe das mal hier mit auf, das ein Mann/Frau Projekt hat aber auch für mich persönlich eine Sonderstellung.

Sopor Aeternus – Tanz der Grausamkeit

Wie wür­dest deine musi­ka­li­sche Lauf­bahn beschrei­ben? Über wel­che Rich­tung der Musik bist Du in die Szene gekom­men, wel­che hast hin­zu­ge­won­nen, wel­chen hast du abge­schwo­ren und was hörst du heute?

Meine musikalischen Präferenzen in meiner Anfangszeit waren ganz klar synthetischer Natur ;) und der Erstkontakt kommt meistens mit Bands die relativ bekannt und damit leicht zugänglich sind, bei mir waren das Covenant, VNV Nation, Suicide Commando, Wumpscut und Feindflug.
Auch wenn Project Pitchfork und Depeche Mode die eigentlichen Einstiegsdrogen waren, die hörte ich damals im schwarzen Club aber kaum sondern mehr in den eigenen 4 Wänden, und DM habe ich anfangs auch nicht als Szenetypisch wahrgenommen, das kam dann erst nach einiger Zeit der bewussten Auseinandersetzung mit Szene an sich und deren Musik, und damit habe ich dann meinen schon vorhandenen 80er-Fimmel nochmal ausgebaut *gg*

Durch die “La Nuit Obscure”, einer Party auf der quer durch alle Stile Musik gespielt wurde bin ich dann relativ schnell auch auf die “Wedelmusik” gekommen, mit Dean Can Dance und Qntal zunächst, und dann weiter zu Omnia, Faun, Helium Vola und von da aus gings dann weiter zu experimentelleren Sachen aus dem Industrial-Umfeld welche Stammplätze auf der Göttertanz-Playlist hatten und heute noch haben, von da aus war es dann auch kein großer Schritt mehr zum Industrial an sich. Irgendwie unterwegs aufgesammelt habe ich dann noch Neofolk und Military Pop und bin im Wesentlichen bei dem Paket bin ich dann im Wesentlichen geblieben.

Abgeschworen habe ich eigentlich keinen Stilrichtungen, ich würde eher sagen ich habe mich im Laufe der Zeit vom Elektro a la Feindflug wegentwickelt, insbesondere durch die Begegnung mit waschechtem Industrial. Lediglich bei Wumpscut kann ich ehrlich sagen daß ich das heute auch noch gerne höre.
Am Rande bemerkt amüsiert mich der Umstand, daß an schwarzromantischen Göttertänzen bei Weitem mehr Industrielles gespielt wird als bei Cyberparties *kicher*

Wie und wo hörst du Musik am liebs­ten?

Das ist sehr situationsabhängig, und auch abhängig vom Genre. “Kopfkinomusik” wie Darkambient oder generell ruhigere, nachdenklichere Stücke lassen sich auf dem Fensterbrett über der aufgedrehten Heizung bei nem Gläschen Wein, Kerzenlicht und Räucherwerk schlicht und ergreifend am Besten genießen, auch Industrielles höre ich lieber und setze mich auch im Club dazu eher selten in Bewegung.
Sachen die mehr Schwung haben und im großen Zeh kitzeln erfordern ausreichend Platz, egal ob im heimischen Wohnzimmer oder im Club *g*

Wel­che Musik hörst du außer­halb der typi­schen dunk­len Musik noch?

Keine speziellen Genres, Musik muss mich emotional berühren oder faszinieren, ausserhalb der schwarzen Genres haben das die Banana Fishbones geschafft, aber auch Thomas D’s Album “Reflektorfalke”, genauso findet man mich auch auf der Tanzfläche wenn im Finsterclub der “Krieger” aufgelegt wird, immerhin zitiert das Musikstück einen meiner Lieblingsfilme ;).
Ich mag Jazzstücke bei denen man vor dem geistigen Auge eine verrauchte Bar und einen depressiven Privatschnüffler sieht der am Tresen Bourbon in sich hinein kippt.

Ich mag Renaissancemusik, orientalische Klänge und mittendrin auch mal Klassik, wobei ich mich damit noch nicht näher auseinandergesetzt habe um da spezielle Komponisten als Favoriten zu nennen, lediglich Bachs Tokkata und Mozarts Requiem vielleicht.

Und freilich 80er – auch nicht so arg Schwarzes, wobei das ja auch nicht immer einandfrei trennbar ist.
OMD ist da eine langjährige Liebe sowie fast alles an sogennantem New Romantic ;) – in dem Zuge darf man freilich den göttlichen Countertenor Klaus Nomi nicht vergessen – eigentlich mag ich Countertenöre generell auch recht gerne.

Gelegentlich findet sich auch noch das eine oder andere Überbleibsel meiner technoiden Vergangenheit auf die Playliste, Vorzugsweise Emmanuel Top und Kram den auch damals kaum einer gekannt hatte ;)

Mal ange­nom­men, Du könn­test ein Instru­ment spie­len, hät­test eine tolle Stimme und wür­dest zusam­men mit Freun­den eine Band grün­den. Wel­che Rolle in der Band wäre Deine?

Also, eine tolle Stimme habe ich sicher nicht, und ich vermeide es sogar dann zu singen wenn ich ein Tässchen Wein zu viel erwischt habe ;) auch wenn ich Heavenly Voices ganz großartig finde, ich genieße das lieber in riesigen Gewändern auf der Tanzfläche, auf Konzerten oder daheim in aller Ruhe.

Würde ich “Musik” machen, dann würde ich eher in abgewetzten Lederklamotten in einer Industrieruine auf Metall einkloppen um die Samples danach durch den Synthie zu jagen *kicher* – oder Theremin spielen ;) oder mir bekloppte Installationen einfallen lassen um damit noch mehr Lärm zu produzieren :D und freilich generell am Sythie schrauben und basteln.

Nenne 5 dei­ner Alben die für Dich unver­zicht­bar mit Szene ver­bun­den sind.

Diary of Dreams – Nigredo
Sisters of Mercy – Slight Case of Overbombing
Rosa Crux – In Tenebris (eigentlich Stellvertretend für alle Alben der Band)
Project Pitchfork – IO
Nicholas Lens – Flamma Flamma (auch wenn das eher ein ein Ausreißer ist -aber wenigstens ein Neoklassischer :) )

Wel­che musi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten hat für dich das ideale Lied?

Huh, das ist schwer, da die Bandbreite meiner musikalischen Präferenzen so groß ist kann ich “das” perfekte Lied kaum beschreiben, ein Musikstück trifft mich meist sehr spontan, egal ob auf den ersten oder auch mal zweiten Blick.
Es kann an einem genialen Text liegen, einer ungewöhnlichen Stimme, besonders beeindruckende Synthieklänge, und noch viel mehr.

Wel­che Band oder wel­chen Musiker/in wür­dest Du gern mal inter­viewen und auf wel­chen Frage musst Du dabei unbe­dingt eine Ant­wort haben?

Adrian Hates von Diary of Dreams würde ich gerne mal kennenlernen, weil ich denke daß er eine sehr interessante Persönlichkeit sein muss mit dem man sicher sehr großartige Gespräche führen kann. Letztenendes haben seine Songtexte für mich eine ganz besondere Bedeutung.

Daneben würde ich auch gerne mal mit Anna-Varney ein Tässchen Tee trinken und philososchwafeln wollen, zumindest stelle ich mir das sehr spannend vor mit einer so aussergewöhnlichen Persönlichkeit wie er/sie es ist.

Generell bin ich mehr an den Menschen hinter der Musik und deren Beweggründefür eben ihre Musik interessiert. Ian Curtis wäre sicher auch ein spannender Gesprächspartner, nur leider ist das mit irdischen Mitteln wohl nicht zu bewerkstelligen …

“Die” Frage hätte ich dabei aber nicht, ich denke das würde sch im Gespräch mit den einzelnen Persönlichkeiten dann erst ergeben.

Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?

Das ist eine schwierige Frage – die schwarze Musiklandschaft ist heutzutage so unübersichtlich daß mir spontan kein konkretes Projekt einfällt, ich hoffe aber sehr daß die musikalische Zukunft weniger in fremden Stilen die von Metal oder Techno kommen liegt, sondern weiterhin im Postpunk, Wave und Industrial und deren Ablegern.

Pluderhose 2.0

Zuerst einmal ein G’Sunds Neues an Alle!

Ich hoffe ihr seid gut reingekommen ins neue Jahr. Ich gestehe, ich hab den Jahreswechsel verpennt da ich beim gestrigen DVD schauen irgendwann wohl weggetreten sein muss – aber am Film lags nicht, der war durchaus gut. Man wird halt älter ;)

Entsprechend zeitig war ich heute dann schon wieder auf den Beinen, und habe den aufkeimenden Tatendrang dafür genutzt gleich mal einen Vorsatz fürs neue Jahr in die Tat umzusetzen: nie wieder verrauschte, schlechte Bilder mit der Digiknipse von meinen Nähwerken. Ein bisschen professioneller muss die Sache ja langsam auch rüberkommen …

Zugegeben, absolut perfekt sind die neuen Photos jetzt auch noch nicht, aber mehr gab vorhandenes Licht und das nach allen Regeln des Punk errichteten “Heim-Photostudios” a.k.a 6 Meter ungebügelter weißer Stoff, eine Gardinenstange, Stecknadeln und ein riesiges Sofa daß samt Hintergrund unter Zuhilfenahme oben genannter Utensilien abgehängt wurde, heute nicht her ;) ein Glück daß es Photoshop und Graphiktabletts gibt, und besser sind die Bilder mit der DSLR immerhin schonmal.

Wie im Titel schon erwähnt gibts heute die verbesserte Version meiner ur-wavigen Pluderhosen zu betrachten.
Der erste Versuch wurde im Blog an dieser Stelle schon dokumentiert: http://rosachalybeia.wordpress.com/2010/07/06/pluderhose/

Da dieser aus Versuchsgründen noch recht schlicht in der Verarbeitung war, gibts jetzt, da der Schnitt als tauglich befunden wurde, eine etwas schöner gearbeitete Variante.

Aber erstmal die Komplettansicht:

Dieses Exemplar besteht aus einem leichten Baumwollköper – fester als der leinwandbindige Baumwollstoff der ersten Version, aber leicht genug um einen schönen Fall und angenehme Trageeigenschaften zu erzielen.
Geschlossen wird das Ganze mit einem einseitig verdeckten Reißverschluss in der vorderen Mitte (das klassische Hosentürl halt ;) ) und zwei kleinen silbernen Kugelknöpfen am 4,5 cm breiten Bund, der auf Taillenhöhe sitzt.
Die Mehrweite der Hosenbeine ist am Bund um die Seitennaht in Falten gelegt.

Hier eine Detailansicht von Bund und Falten – klick aufs Bild macht groß:

Von den “Stahlrose” Labels sind im Übrigen nur noch etwa 4-5 Stück vorhanden (das waren mal 100 davon :D ), neue mit dem Schriftzug “Rosa Chalybeia” werden die kommenden Tage geordert, wobei das Farbschema – silberne Stickerei auf schwarzem Band – natürlich beibehalten wird ;)

Die Beinabschlüsse sind ebenfalls mit Bündchen versehen, die Seitennaht hier ein Stück geschlitzt damit Fuß und Pikes bequem hindurch passen. Verschlossen wird der Schlitz samt Bund hier auch mit den silbernen Kugelknöpfen.
Die Mehrweite des Hosenbeines ist hier wieder in Falten gelegt – klick aufs Bild macht hier ebenfalls groß:

Lustigerweise ist der Suchbegriff “Pluderhose” in meiner Blogstatistik mit unter den Top 3 Begriffen unter denen sich Leute auf meinen Blog verirren. Manche setzten sogar den Zusatz “80er” hinzu, scheint also noch mehr Interessenten da draussen zu geben, andernfalls steht natürlich nicht unbedingt fest ob die Suchenden sich mehr für Bauchtanzgewand oder LARP-Klamotte oder gar modische Pluderhosenvarianten interessierten.

Pluderhose!

Endlich! Es ist soweit!
Kaum zu glauben daß es so schwierig war hinter das Geheimnis der Pluderhosen zu kommen, genauergesagt hinter das Geheimnis, welches Modell denn nun tatsächlich von den Wavern in den 80ern getragen wurde. Irgendwie blöd, aber wenn ich für manches historische Gewand recherchiere, ist es einfacher an exakte Informationen zu kommen, als für das Ding.
Nicht daß so ein Beinkleid schwierig zu nähen sei, im Gegenteil, es ist nahezu lächerlich einfach, die Crux an der Sache ist, daß es sehr viele Variationen gibt wie man so ein Teil schneiden kann. Natürlich wollte ich nicht irgendwas was halt so ausschaut, nein, ich wollte genau das Modell haben daß man wie gesagt in den 80ern trug.
Nachgefragt habe ich in meinem Lieblings-Nähforum (das sich zwar eher mit historischem Gewand beschäftigt, doch die Schwarzbrot-Rate ist sehr hoch), vor rund einem Jahr beim Robert im Blog, und zuletzt vor wenigen Wochen im WGT-Forum, da kamen dann wenigstens einige klipp und klare Aussagen. Vielleicht aber kann ich Umstandsmensch mir die Dinge aber auch nur nicht einfach machen – es sei denn die Projekte haben von sich aus schon eine gewisse Grund-Komplexität. Insgeheim habe ich aber auch gehofft daß das verbreitete Hosenmodell eben nicht das mit sehr tief hängendem Schritt ist, aber die weiter geschnittenen Bundfaltenhosen mit stärker ausgeprägter Karotten-Form fand ich bei weiteren Recherchearbeiten eher im Zusammenhang mit Poppern genannt. Ja igitt, das wollen wir doch nicht *kicher*

Ich fand nun also ein extrem simples Schnitt-Diagramm das den gewünschten Hosentypus ergeben sollte, fand ein paar Meter leichten Baumwollstoff im Materiallager und schnitt beherzt zu.
Nur wenig später war das Ergebnis komplett – voila, eine Stilechte Pluderhose:

Mit Rosa drin, im absolut gammligen daheim-arbeit-modus und mit Augenbrauenglatze *g*

“Schweinebequem” stand noch dabei, bei dem Schnitt-Diagramm, und so viele Vorbehalte ich ursprünglich gegenüber des sehr tief liegenden Schrittes hegte, ich kann der Beschreibung definitiv nur zustimmen ;)
Nur bei den empfohlenen Gummizügen an Bund und Bein habe ich mich geweigert und anständige, feste Bünde angenäht. An den Knöcheln ist die Hose dadurch etwas weiter als geplant, schätze das nächste Exemplar bekommt dafür einfach einen kleinen Schlitz und ein Knöpflein damit das Ganze eng am Fuß abschließt.
Noch ein bisschen mehr 80er könnte man das mit einer sehr breiten Bund bekommen, der hoch auf der Taille sitzt, und dazu eine locker geschnittene, ärmellose Tunika die natürlich im Hosenbund zu verschwinden hat, sowie Kettengürtel, gefühlt tausend silberne Armreifen und … wo verdammt nochmal ist mein Toupierkamm hingekommen … Pikes .. ahso, hab ich ja eh an …

Vorschläge, Wünsche und Anregungen bitte in die Kommentare oder per Mail an mich ;)

Music for devoted People – auf der Mississippi Queen

Trotz des Vor-WGT Gewurschtels hat sich die eine oder andere Veranstaltung dann doch noch auf den Terminplan geschmuggelt.
In diesem Falle verschlug es uns auf eine Depeche Mode Party, wieder mal in Nürnberg.
Das besondere hierbei war, daß diese Veranstaltung auf einem Schiff stattfand. Ja, tatsächlich ein Schiff, mitten im doch recht landein gelegenen Franken. Der Raddampfer liegt im Nürnberger Binnenhafen, der sich im Main-Donau Kanal befindet.
Über die Vergangenheit des Schiffes habe ich ein paar wenige Informationsfetzen aufschnappen könne, die da besagen daß sich darauf mal ein Bordell befunden haben soll, und es recht heruntergewirtschaftet wurde, bis es den Besitzer wechselte und renoviert wurde.
Bei dem Schiff handelt es sich aber nicht um einen waschechten Schaufellraddampfer, sondern vielmehr um eine Replik.

Auf den ersten Blick macht der Dampfer von innen den Eindruck einer stylishen In-Lokalität. Fast schon ein kleiner Stilbruch wenn sich da Horden von Schwarzgewandeten in dieser Umgebung einfinden um entsprechend zu feiern, aber andererseits gab die doch leicht auf altmodisch getrimmte Inneneinrichtung in Form von Tapete mit Schnörkelmuster und einen Schuß Messing dann trotzdem wieder eine stilvolle Lokalität her. Irgendwie ein Hauch von Steampunk.
Neben dem Club-Betrieb kann man auf dem Schiff auch gepflegt Essen gehen.

Überpünktlich kamen wir an, und waren mit die ersten Anwesenden, wodurch wir wenigstens einen guten Sitzplatz auf gemütlichen Ledersofas ergattern konnten, sowie noch ein wenig in Ruhe quatschen, bevor der DJ seinen Posten einnahm und voll aufdrehte. Dabei konnte man teilweise deutlich spüren wenn das Schiff im Fahrwasser eines vorbeischippernden Frachters den einen oder anderen Schlenkerer bekam *g*

Musikalisch wurde auf zwei Decks Programm geboten, oben durfte sich die Electro-EBM Fraktion austoben, und im Unterdeck gab es ganz viel Depeche Mode, 80er und Wave-Klassiker. Eigentlich beste Voraussetzungen zum Tanzen bis die Pikes qualmen. Allerdings füllte sich das Unterdeck relativ schnell, und zur besten Nacht-Zeit war es leider nur ein mäßiges Vergnügen sich in die Sardinendose der Tanzfläche hineinzubegeben, da man nicht mal genug Platz für einen halben Schritt nach vorne oder hinten hatte. Da man uns in der Zwischenzeit auch den Sitzplatz weggeschnappt hatte, flüchteten wir nach oben in die Bar, und von da aus aufs Aussendeck zum Luft holen. Mit einem Gläschen Wein in der Hand war das auch richtig gemütlich – erstaunlicherweise gibt es auf dem Schiff einen ganz akzeptablen Rotwein, der zwar nicht allzu günstig war, aber wenigstens geniessbar. Normalerweise vermeide ich es in Clubs Wein zu trinken, aus dem Grund weil die Weinqualität in den meisten anderen Läden so grausig ist daß es einem die Pikes auszieht.

Abschließend kann ich aber sagen daß die Veranstaltung ganz gelungen ist. Party auf einem Raddampfer – das ist an sich ja schon ein bisschen etwas aussergewöhnliches in unseren Breitengraden. Die Musikauswahl war spitzenmässig – einen sehr breiten und völlig ungruftigen Grinser musste ich mir glatt noch verkneifen als, bevor die Tanzfläche richtig voll wurde, über die Hälfte der Tanzwilligen tatasächlich in den selten gewordenen Nord-Süd-Kurs verfielen. Ein wunderbarer Anblick *g* – ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich denke es war bei Joy Division – She’s lost control.
Negativ war einmal die schon erwähnte Menschendichte. Ein Glück daß ich bei sortenreinen Wave-Parties mal den Reifrock im Schrank lasse, denn mit hätte ich da nicht die geringste Chance gehabt mich überhaupt zu bewegen, und ich bin es eigentlich gewohnt, sperrige Fummel im Club-Gewusel zu manövrieren.

Ebenfalls kritisieren muss ich die Handhabung der Getränke-Preise, denn auf dem Internet-Flyer stand was von 3 Euro pro Glas Wein als Special, die Dame im Unterdeck knöpfte mir aber 5 (!) ab, und in der Bar waren es “nur” 4 Euro – dafür hat der Barkeeper aber ordentlich eingekippt. Vielleicht hätte ich im Tanzsaal im Oberdeck die ausgeschriebenen 3 Euro bezahlt, was letztenendes aber nur eine augenzwinkernde Spekulation bleibt, da ich den Raum nicht mal betreten habe an dem Abend.
Auch der Eintritt war mit 7 Euro etwas über dem was andere schwarze Parties in meinem Umkreis so verlangen. Göttertanz ausgenommen – aber der hat dafür auch Buffet und Sektempfang.

Trotzdem war es ein ganz netter Abend, und schätze daß ich der Mississippi Queen sicher wieder mal einen Besuch abstatten werde. Aber nur zur Depeche Mode Party. Laut ihrer Internet-Präsenz beheimatet das Schiff sonst überwiegend … andere Veranstaltungen:

http://www.mississippiqueen.de/indexMQ2.html

We want Revenge!

Nachdem es schon seit längerer Zeit mal auf dem Plan stand, haben es eine Freundin und ich am Freitag endlich mal geschafft zur We Want Revenge in den Cult in Nürnberg zu fahren.
Der Club namens “Der Cult” beheimatet neben diversen Fetish-Veranstaltungen auch verschiedene Parties aus dem Dunkelmusik-Bereich, dabei einige sehr lohnenswerte. Wie beispielsweise die Grey Area, die ich hie und da auch schon besucht habe und für sehr gelungen im musikalischen Angebot empfinde.

Völlig Dunkeltechno-frei läuft auch die “We Want Revenge”-Veranstaltung unter dem Thema: “Indie, Wave und 80er”. So war ich natürlich auch gespannt was mich da erwartet, da ich vorher keine Playlisten ausfindig machen konnte. Aber Wave klingt ja eigentlich immer gut ;)
Allerdings war ich zunächst etwas skeptisch ob es eine intelligente Idee wäre überhaupt das Tanzbein zu schwingen, da ich Tags drauf ausnahmsweise mal früh raus musste um zu einer für mich doch nicht unwichtigen Veranstaltung zu fahren – Absagen konnte ich aber auch nicht wirklich, und ich hab mich auch schon auf die Party gefreut, also Augen zu und durch.
Dafür fiel der Auftakel-Aufwand deutlich geringer aus. Neben dem Verzicht auf meinen Reifrock hab ich – Schock lass nach – auch den Kalk weggelassen. Das Zeug ist so gut daß es entsprechend super hält, was auch heißt daß es entsprechend hartnäckig beim Abschminken ist und ich keinen Bock hatte mit Kalkresten im Gesicht dann bei besagter Veranstaltung aufzutauchen.

Im Endeffekt stand ich zwar nur mit leicht aufgemotzten Strassenklamotten da, wobei wirklich schlicht wars im Endeffekt dann irgendwie doch nicht. Schätze ich bin einfach unfähig wenns um “schlicht” geht *g*

Der Vollständigkeit halber: so sah das dann aus nur noch ohne Mantelblazer. Und man kanns nicht oft genug erwähnen: die Stiefel-Pikes sind grundgenial, Lauf- und inzwischen Tanzerprobt, und meiner Meinung nach ihr Geld absolut wert.

Zurück zum Thema: die Veranstaltung hat mir recht gut gefallen, so es sich einrichten lässt bin ich gerne wieder dabei. Spaßmildernd war nur die Tatsache daß sehr viel los war an dem Abend und man kaum Platz auf der Tanzfläche hatte. Sogar ohne großen Reifrock war es arg eng, ich gehöre ja doch auch eher zu den Ausdruckstänzern *g* und wenn zwei so Gestalten nebeneinader stehen wirds handgreiflich: ich hab ein paar Ellenbogen abbekommen – nicht aber ohne mich dafür zu revanchieren *g*
Die Lokalität an sich ist auch eher überschaubar, die Tanzfläche auch nicht grade groß. Trotz allem mag ich persönlich eher kleine Clubs einfach lieber.
Ansonsten hat es aber dennoch Spaß gemacht und ich hätte an sich nichts dagegen gehabt noch länger zu bleiben, doch gegen 2:30 Uhr musste ich dann trotzdem etwas drängeln, die Fahrt dauerte schließlich auch nochmal eine Stunde.

Die Nacht blieben mir gerade mal schlappe 3 Stunden Schlaf, entgegen meiner Befürchtungen hab ich die Veranstaltung am Samstag dann ganz akzeptabel überstanden, dafür blieb die Nähmaschine ausnahmsweise mal kalt – das Sofa war doch attraktiver nach der Aktion *g*

Fazit: empfehlenswerte Veranstaltung.

Anektode am Rande: Offenbar hielt mich wer für einen Michael Drau-Klon. Als wir uns dem Eingang näherten flüsterte eins von der Seite was von einem Sänger bei dem man nicht genau weiß obs männlich oder weiblich ist. Ganz klar, es ging um den Sänger von Otto Dix. Einige wissen ja daß ich die Band sehr gern mag, ich finde Michael Draus Countertenor-Stimme unglaublich, und da ich nunmal ein sehr ästhetisch orientierter Mensch bin, hat mich der Stil des Sängers ebenfalls völlig aus den Pikes gehauen *g* das dumme dran ist: androgyn an mir schaut zwangsläufig halt so aus. Das war vor Jahren schon so. Und ich mags nunmal. Ich kann doch nix dafür daß ich da nen ähnlichen Geschmack hab *schluchz* wahrscheinlich gefällt mir sein Stil gerade deswegen auch so sehr. Aber zugegeben – ich musste innerlich doch sehr grinsen in diesem Augenblick …