Goth on the rocks – das WGT2016

Eine neue Erfahrung ist immer gut zur eigenen Horizonterweiterung und kann oftmals interessante neue Blickwinkel geben, nach 10 Jahren WGT, bei dem im letzten Jahr die Erfahrung „ein Pfingsten ohne das WGT“ erfolgte und als nicht wiederholungswürdig eingestuft wurde, gab es heuer das Experiment „WGT ohne Bändchen“.

Genau das.

Genau das.

Inwiefern man das als Empfehlenswert einstufen kann, zeigt die intensive Versuchsauswertung, deren Bericht ich an dieser Stelle für alle zugänglich machen möchte, damit kann jeder seine Schlußfolgerungen ziehen und gerne in Form eines Kommentars unter das hier vorliegende Versuchsprotokoll setzen.

Die erste Aufgabenstellung war – wie komme ich nach Leipzig. Da meine langjährige Reisegefährtin Victoria heuer ausfiel und ein eigenes Auto nur bedingt vorhanden ist, gab des da die Option „Zug“, welche sich nach dem diesjährigen Ausflug zur Buchmesse als erstaunlich angenehm herausstellte, dennoch gab es da das Problem „Gepäck“, das zum WGT ja bekanntlich doch etwas unhandlicher ausfällt. Zum Glück kennt man ja doch ein paar Leute, und so meldete sich auf meinen Hilferuf eine weitere Victoria, die mit ihrem Mann von Augsburg zum WGT anreiste und Platz für mich samt Gepäck hatte. An der A9 wurde ich aufgelesen und in zügigen und angenehm verquatschten anderhalb Stunden befanden wir uns auch bereits im Landeanflug auf die Grufti-Hauptstadt.

Unsere Route führte uns am Belantis vorbei, wo heuer die Eröffnungsveranstaltung stattfinden sollte, erstaunt und auch etwas entsetzt beobachteten wir da Massen, die den Platz vor dem Freizeitpark tiefschwarz einfärbten.

Am Bahnhof wurde ich abgesetzt und ein paar Meter weiter von Annette eingesammelt – alles erstaunlich perfekt und reibungslos. Faszinierend.

Der Donnerstag-Abend wurde dann traditionsgemäß mit dem Tanz auf der Wiese beim Parkschloß, veranstaltet von der Blauen Stunde, schön stimmungsvoll und gemütlich angegangen. Es war deutlich weniger los als in den Vorjahren, woran womöglich das Wetter und die Belantis-Veranstaltung Schuld gewesen sein mögen. Wir können nur spekulieren …

Entsprechend wenig bekannte Gesichter fanden wir, Dani, eine auch schon recht langjährige WGT-Freundin gesellte sich zu uns und Kathi, eine der jüngeren Spontis-Leserinnen, kam dann auch auf ein kleines Gespräch zu uns auf die Decke.

Gegen 1 Uhr trieb uns die Kälte und die Müdigkeit dann erstmal nach Hause.

Tage bei Annette und Hester fangen immer mit einem laut schnurrenden, schmusewütigen Kater an, und so rammte mir der feline Mitbewohner der beiden erstmal genüsslich den Kopf zwischen die Rippen, um sich von oben bis unten durchflauschen zu lassen. Auch der Prozess des Anziehens wird immer wieder mal katzbotiert, bevorzugt kurz nachdem man sich das Samt-Beinkleid an den Allerwerstesten gezogen hat, dann ist das in einem so unerträglich frischen Zustand daß man durch intensives Anschmusen erstmal gleichmässig Haare überall darauf verteilen muss.

Flausch mich!

Flausch mich!

Wir zogen zeitig los um zu einem Treffen am Panometer, wo heuer zum zweiten Mal das „Victorian Village“ stattfand, zu gelangen. Das „victorianische Dorf“ ist seit dem letzten Jahr quasi die weiterführende Veranstaltung des vormaligen victorianischen Picknicks, das auch ich durch den starken Andrang von Zaungästen und fotowütigen Zeitgenossen leider zunehmend ungemütlich fand. Das Picknick blieb dennoch ein Selbstläufer und findet wie gewohnt an alter Stelle statt, das Interesse, sich den Rudel-Abschuß anzutun war aber auch heuer genauso groß wie in den Jahren davor, daher war ich auf das Panometer gespannt.

Vor dem Victorian Village fand dann erstmal das „Lolita Treffen“ statt – eigentlich ist das ja nun nicht gerade mein persönliches Interessengebiet, und nein, natürlich wird der Adrian auf seine alten Tage jetzt nicht ganz wunderlich und fängt an, selbst kurze Rüschenkleidchen tragen zu wollen😀 – Hester und Annette haben an dem Thema Gefallen gefunden, und ich halte das einfach nach dem Prinzip – immer schön neugierig bleiben und sich alles mal anschauen, vielleicht findet sich ja auch in dem Bereich ein neuer Kundenkreis, und wenn nicht, bestimmt einige nette Leute zum neu kennenlernen.

Lolita.Treffen am Panometer - und dazwischen lugt eine einsame Kalkleiste hervor ...

Lolita-Treffen am Panometer – und dazwischen lugt eine einsame Kalkleiste hervor …

Letztenendes war es so dann auch – ein paar meiner Flyer wanderten weiter und die anwesenden Mädels waren allesamt richtig nett und liebenswürdig. Ich habe versucht mich als männliches Gegenstück ein klein wenig anzupassen und klemmte mir für ein bisschen „Ouji-Style“* noch ein Krönchen schräg ins weiße Zweithaar. Das mit dem Kalk im Gesicht hätte ich zur Not auch ganz japanisch als „Shiro nuri“** verkaufen können – also, hätte jemand ob meiner Erscheinung komisch geguckt. Hat aber keiner.
Ganz im Gegenteil.

Im Panometer angekommen.

Im Panometer angekommen.

Vor dem Panometer machten wir noch ein paar Erinnerungsbilder für uns, und wanderten dann geschlossen nach Innen. Dort löste sich die Gruppe aber auch schon weitestgehend wieder auf, mit ein paar anderen kam man hingegen noch ganz angeregt ins Gespräch.

Das Victorian Village gefiel uns allen richtig gut, nicht überlaufen und kein permanentes Blitzlichtgewitter. Man konnte recht gemütlich unter sich die Szenerie genießen und sich unterhalten, rings herum waren die Stände kleiner Designer und Kunsthandwerker aufgebaut, von denen einige auch teils schon langjährige Bekannte und nun Kollegen sind, sodaß man die eine oder andere Fachsimpelei austauschen konnte. Im nächsten Jahr werden Annette und auch ich voraussichtlich ebenfalls mit Stand dort vertreten sein – auch wenn es noch hin ist bis dort – ihr könnt gerne schonmal kund tun, was ihr so sehen wollen würdet, dann kann ich schonmal anfangen, ein paar Sachen dafür einzuplanen.

Füße auf dem Südfriedhof

Füße auf dem Südfriedhof

Danach verschlug es uns erstmal in die Innenstadt, beim DM die obligatorisch-vergessenen Nachlackier-Hilfsmittel besorgen, eine Kleinigkeit zu Beißen suchen (Bäcker-Pizza, keine Jungfrauen – auch wenn das jetzt enttäuschend sein mag ;) ) und hausgemachten Eistee in der „Milchbar“ einfüllen. Die Programmzusammenstellung der Gruppe „WGT ohne Bändchen“ spuckte uns dann noch eine Führung mit Vortrag zu Fledermäusen auf dem Südfriedhof aus, also wechselte ich schnell von Pikes auf meine ausgelatschten Anzugtreter, da die ramponierten Füße wegen längerer Pikes-Abstinenz ein paar Einwände einzubringen hatten.

Hester und Annette gehen auf Tauchstation im Gras

Hester und Annette gehen auf Tauchstation im Gras

Zu besagter Führung fanden sich aber so viele Leute ein, daß man keine Chance hatte, mehr als nur ein gelegentliches „Fledermaus“ aus dem Stimmengewirr herauszuhören, wir beschlossen also, alleine noch ein wenig auf dem Südfriedhof herumzulaufen und die Chance zu nutzen, ein paar Bilder zu machen – immerhin ist Hester eine tolle Hobby-Photographin. Generell haben wir das Wochenende recht intensiv zum Bildermachen für uns genutzt.

Manch schönes Bild sieht aus einer anderen Perspektive reichlich albern aus ...

Manch schönes Bild sieht aus einer anderen Perspektive reichlich albern aus …

Gegen zehn Uhr erklärten wir den Freitag auch schon für beendet – also ungewöhnlich früh für so ein WGT, was irgendwo schade war, andererseits aber auch recht entspannt, ich nutzte die Gelegenheit, den Kalk besonders gründlich aus jeder Pore des Gesichtes herauszuschrubben – wenn man das sonst immer im Halbschlaf und völlig platt, nachts um halb vier machen muss, schätzt man die ausreichende Zeit dafür durchaus.

Wir sichteten also unsere Bilder-Ausbeute, quatschten noch ein wenig und stöberten in der Programmauflistung für die Bändchen-losen. Um Mitternacht lagen wir dann schon flach und schnarchten dem nächsten Tag entgegen.

Während das Freitagswetter noch nahezu ideale Bedingungen bot – also nicht zu kalt und nicht zu warm, und lediglich ein kurzer Regenschauer – zeigte sich der Samstag von einer besonders ekligen Seite. Aprilwetter mit Regen, ja sogar Graupel, naßkaltem Wind und definitiv zu tiefen Temperaturen.

ungruftiges Rumblödeln auf dem Spielplatz Bild von Steffi Baumann

ungruftiges Rumblödeln auf dem Spielplatz
Bild von Steffi Baumann

Unsere erste Anlaufstelle war eine Freundin von Annette und Hester, die von uns im Friedenspark ein paar Bilder machen wollte. Nachdem sowas irgendwann immer in Albernheiten ausartet, gabs erstmal eine Aufwärmrunde auf dem Spielplatz – irgendwo in meiner linken Pikes-Spitze müsste noch Sand sein …

Die Damen bekamen dann spontan Hunger auf Nudeln mit Käsesoße, also flüchteten wir in der Innenstadt zu einem italienischen Restaurant vor der Kälte und leiteten noch ein paar Freunde dorthin um.

Aufwärmen beim Italiener - mit Käse-Nudeln (die sind aber fotoscheu ;) )

Aufwärmen beim Italiener – mit Käse-Nudeln (die sind aber fotoscheu😉 )

Um 16:00 Uhr wäre dann ein Konzert gewesen, welches als Nicht-Bändel-Besitzer besuchbar gewesen wäre, und da es sich um das Industrial-Urgestein namens „Test Dept.“ handelte, welches auch Dauergast auf Göttertanz-Playlists ist, hatten wir uns das eigentlich auch vorgenommen.

Eigentlich.

Wir hielten uns zu lange im Lokal auf, auch weil die Bedienung aufgrund des WGT-typischen Andrangs relativ zäh verlief und verpassten in alter Tradition eins der wenigen Konzerte auf dem Plan selbstredend haushoch. wir stellen also fest: auch ohne das Ticket schafft man Konzerte verpassen ganz ohne sich anzustrengen.

Die Abendgestaltung sollte dann im heidnischen Dorf stattfinden, auch mit einem Konzert – Estampie.

Ihr dürft raten.

Genau.

Diesmal war der Hinderungsgrund aber die Kälte und die immer wieder drohenden Regenschauer, wir flüchteten also durchgefroren nach Hause, und während Hester nochmal zu einer J-Rock Party weiterzog,  wärmte ich mich erstmal mittels ausgiebigsten Entkalkungs-Maßnahmen unter der heißen Dusche auf, warf einen Blick auf Facebook an Annettes Rechner (ich bin schließlich Mobilinternetverweigerer!), schickte noch ein paar Infos an Leute raus die ich die folgenden Tage noch treffen wollte, und sich trotz der Warnungen via Facebook gemeldet hatten.

Sonntag morgen – das Wetter wurde nicht viel besser, der Kater verteilte weiterhin fleißig Haare auf Ausgehklamotten und hat mich schon längst als dritten Dosenöffner akzeptiert – und die Damen beschlossen, hauptsächlich aufgrund des erstgenannten Umstandes, das von den beiden organisierte historische Tanzen im Park ausfallen zu lassen.

Die Regenschauer wurden zwar weniger, trotzdem ist so ein durchgefeuchteter Untergrund nicht grade Tanztauglich. Ich wechselte noch ein paar SMS mit einer Photographin die ich an diesem Tag treffen wollte, dann steuerten wir das Grassi-Museum an.

Vier frieren vor dem Grassi-Museum

Vier frieren vor dem Grassi-Museum

Vor dem Eingang tummelte sich schon eine schwarze Menge, zu der sich bald ein paar Bekannte von uns dazugesellten, die uns auch darüber aufklärten, daß der Auflauf die „Weinverkostung zum WGT“ war. Also, jeder brachte Wein mit, der dann gemeinschaftlich vor dem Museum vernichtet wurde.

Wir froren fleißig vor uns hin, während wir auf weitere Freunde warteten, auch meine Photographin lies dann nicht mehr zu lange auf sich warten, allerdings mussten wir erstmal vor einem Regenguß ins Innere des Museums flüchten, dort rannte ich nochmal in Freunde aus Bayreuth, man verquatschte sich bis das Wetter wieder besser wurde und wir uns in den anschließenden Johannispark für die geplanten Bilder bewegen konnten. Dort hatten wir dann Glück, für längere Zeit war der Himmel sogar wolkenfrei und der schwarze Pelz wärmte sich im Sonnenlicht endlich mal schön angenehm auf.

Im Grassi-Museum hing die Pfingstgeflüster-Ausstellung von Markus Rietzsch, auch von mir war eine der Aufnahmen aus den Vorjahren dabei, im ganzen Gewühl habe ich es selbst aber nicht mehr in die Ausstellung geschafft, also berichtete mir Hester, welches Bild von mir dort zu sehen war.

Nach der Bilder-Aktion waren wir aber trotz der Sonne wieder einmal durchgefroren, also suchten wir uns vier Wände mit Dach drüber und schlenderten durch die Ausstellung des Labels „Lucardis Feist“ im noblen Fürstenhof. Dort rauschte ich in eine weitere Bekannte und Kundin, dummerweise schlug da meine Gesichtsblindheit voll zu und ich stand erstmal komplett verwirrt vor ihr.

Wir run mal so, also wäre von oben nicht schon genug Wasser gekommen ...

Wir run mal so, also wäre von oben nicht schon genug Wasser gekommen …

Inzwischen bin ich zwar recht gut darin, meine Unfähigkeit, Leute zu erkennen, zu überspielen, bis im Gespräch dann genug Anhaltspunkte zu Wort kommen, an denen ich mein Gegenüber identifizieren kann – nur manchmal klappt das eben auch nicht … es tut mir wirklich fürchterlich leid, aber ich kann nichts dafür  – ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel.

Jedenfalls verabredeten wir uns noch für den folgenden Tag, warteten einen weiteren Regenguß im Hotel ab und wanderten dann los um etwas gegen das aufkommende, kollektive Magenknurren zu unternehmen.

Kurz vor der Innenstadt hüpften wir noch ein wenig Bilderschießend um ein paar Springbrunnen herum, und es kam wie es kommen musste – Passanten zückten die Handykameras und fragten einer nach dem anderen nach einem Bild. Naja, es nahm immerhin nicht überhand und man zeigte sich auch recht interessiert an der Szene und dem Ganzen, ein Mann fragte mich ausgiebigst, wie „wir“ uns organisieren, und wie das alles so abliefe, setzte dann noch hinzu daß es sicher auch toll sein müsse, wenn man sich dann einmal im Jahr so schön „verkleiden“ könne und dann aus dem Alltag so ausbrechen könne – wie zu erwarten erntete ich einen erstaunten Gesichtsaudruck auf meine Aussage hin, daß ich – wie viele andere aus der Szene eben auch – recht konsequent auch alltags schwarz trage, und eben auch ausserhalb des WGTs andere Veranstaltungen sind auf denen man sich trifft und Gelegenheit hat „etwas mehr“ als Alltagsüblich in die Malerkiste zu greifen – ohne daß man das aus Gründen der „Verkleidung“ tut, sondern eben weil es Teil der persönlichen Szene-Identifikation und Ausdrucksmittel ist.

Einen schönen Kommentar zu Kleidung und Verkleidung gibt es von Dunja Brill auf den MDR-Seiten zum WGT den man sich unbedingt in dem Zusammenhang mal anhören sollte.

Man könnte fast meinen, es wäre schönes Wetter gewesen.

Man könnte fast meinen, es wäre schönes Wetter gewesen.

Ich muss aber auch sagen daß ich, jetzt wo ich auch in der Cosplay-Szene (die natürlich garnichts mit WGT und Goth-Tum zu tun hat) ein wenig herumgegeistert bin, ein paar Ideen habe, woran diese Verkleidungs-Aussenwahrnehmung der Szene noch liegen könne (als Ergänzung vielleicht zu dem was ja schon länger Gegenstand der Diskussion ist) – doch dem werde ich dann einen eigenen Artikel widmen.
Dort gibt es nach Veranstaltungen nämlich ganz ähnliche Reaktionen wie „hat uns jemand photographiert, schickt uns bitte die Bilder!“ – nur der Umgang damit ist deutlich ein Anderer. Vielleicht verwechseln Aussenstehende beide Szenen auch gerne mal?

Doch weiter im Programm – fürs Essen-Fassen haben wir uns an diesem Tag für Sushi entschieden. Und damit gab es für dieses WGT ein weiteres Novum für mich – ich rationalisiere bei solchen Veranstaltungen die Nahrungsaufnahme oft so ziemlich weg, ich bin an sich kein Fan von Essen-Gehen, und wenns dann anders nicht mehr geht, inhaliert man eher schnell an einer Ecke etwas von einer Imbiß-Bude und verkriecht sich dabei in irgend ein dunkles Eck um sogut wie möglich dabei seine verdammte Ruhe zu haben.

Der Haufen in der Sushi-Bar - nur echt mit im Kreis fahrendem Essen!

Der Haufen in der Sushi-Bar – nur echt mit im Kreis fahrendem Essen!

Doch die schon angesprochene Kälte macht irgendwo drinnen sitzen einfach angenehmer, und ich bin inzwischen auch deutlich entspannter, ausserdem fielen durch das Nichtvorhandensein des Bändchens einige andere Ausgaben weg, eingekauft habe ich sowieso nur eine David Bowie-Kachel im „Victorian Village“, da kann man sich dann auch an anderer Stelle mal was gönnen.

Ich war noch nie in einem Sushi-Restaurant in dem das Essen auf mittig platziertem Förderband an den Gästen vorbeizieht. Wir bestellten also asiatischen, hausgemachten Eistee und legten dann los. Es war tatsächlich ziemlich lustig und sollte definitiv wiederholt werden, wir waren alle viere am Ende auf rollbarem Niveau voll mit Sushi und anderem asiatischen Essen, daß es nicht schaffte, schnell genug an uns vorbeizufahren.

eine Miso-Suppe passt noch irgendwie rein ...

eine Miso-Suppe passt noch irgendwie rein …

Zur allgemeinen Verdauung hatten wir noch einen kleinen Spaziergang zurück zum Auto, mitten durch die Innenstadt vor uns – ein paar Photographen und Passanten mit Handykameras kamen noch an uns vorbei, aber im Großen und Ganzen war die Stadt um die Zeit dann schon fast leergefegt.

Da wir die Tage zuvor zeitig zuhause waren, und die Wedel-Parties, die nun seit 2008 fest im WGT-Programm sind, ohne Bändchenbesitz diesmal nicht besuchbar waren, sind wir in Sachen abendliche Party bis dahin leer ausgegangen, doch heuer waren die Wave-Abende im Beyerhaus-Keller wieder vorhanden und auch gegen Entgeld zugänglich, daher wollten wir wenigstens einen Tanz-Abend mitnehmen, ausserdem fand ich 2013 den Beyerhaus-Keller optisch und ambientig einfach großartig, und auch die Musikauswahl war vor drei Jahren eigentlich richtig granatig.

Wir fuhren also zuerst einmal kurz in die Wohnung, luden die warmen Umhänge und Schirme ab, und ich tauschte die weiße Kontaktlinse aus und entledigte mich des grau-weißen Zweithaares. Damit wären wir bei einem weiteren WGT-Novum: Perücken mochte ich eigentlich nie, irgendwie fanden dann aber für Cosplay doch ein paar dieser Dinger ihren Weg in meinen Schrank, also dachte ich mir mal – weiße Haare sind schon irgendwie cool, ich probiers mal aus.

Und ja – ich muss zugeben, das Endprodukt mit Zweithaar gefiel mir dann ausserordentlich gut – aus diesem Grund rannte ich dann drei Tage in Folge mit dem Ding auf dem Kopf herum. Nur am Abend des dritten welchen war ich dann auch froh um das erstaunlich zugige Gefühl auf dem Kopf. Eine Erfindung des WGT-Wochenendes war daher dann auch der Perücken- und Haarteil-Kratzer  – ähnlich wie der Rückenkratzer, nur kleiner eben. Alle Herrschaften aus unserem Bekanntenkreis, die ebenfalls Perücken oder Haarteile oder größeren Kopfschmuck tragen waren sich einig – wir müssen damit in Produktion gehen!

Der Beyerhaus-Keller - hier noch recht leer

Der Beyerhaus-Keller – hier noch recht leer

Zurück zum Beyerhaus-Keller. Wir standen zeitig vor der Tür, und als wir dann auch den Eingang fanden (der vor drei Jahren woanders war), saßen wir erstmal relativ alleine drinnen, lauschten den Soundchecks und beobachteten wie einige Techniker noch an Teilen der Beleuchtung herumfummelten. Annette und Hester fummelten derweil an ihren Handies herum – aber um ein paar Ambiente-Bilder von der Umgebung zu machen und Detailaufnahmen von diversen Scheinwerfern und Lichtspielen an Wänden und Personen.

Dabei entstand auch der folgende psychedelische Wave-Adrian, nur echt mit der Laser-Show auf der gesichtsgelegenen Kalk-Leinwand:

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Die Musikauswahl war wie vor drei Jahren formidabel, auch Herrn von Karnsteins Stimme, in Form seines Wave-Musikprojektes „Farblos“ war zu belauschen, gegen 12 Uhr füllte sich der Saal dann auch merklich, leider tat das der Stimmung ausnahmsweise den Abbruch schlechthin. Menschen die mitten auf der Tanzfläche Nachrichten in ihre Schlaufons tippten und laute, trotz des Wetters leicht bekleidete Damen, die sichtlich mehr als genug Alkohol intus hatten und fröhlich am Bar-Tresen vor sich hinschwankten … Hester schlief eh schon fast – sie war ja am Vorabend schon lange aus gewesen, daher brachen wir gen halb zwei Uhr auch wieder auf.

Und damit näherten wir uns auch schon dem letzten Tag des WGTs. Ich zupfte ein paar Katzenhaare von meinen neuen, gestreiften Pluderhosen, gab aber recht schnell wieder auf, und machte mich an die Details der gruftigen Kriegsbemalung.

Malerearbeiten in Arbeit - ich brauche noch ein "Vorsicht - frisch gestrichen!" - Schild :D

Malerarbeiten im Gange – ich brauche noch ein „Vorsicht – frisch gestrichen!“ – Schild😀

Wir verabredeten und am Südplatz mit Freunden, einmal Susi, ebenfalls aus Leipzig, die via Tram zu uns stieß, und Anita nebst Freund – die ich am Vortag im Fürstenhof so grandios nichterkannt habe. Wir wanderte zu einer nahegelegenen Grünfläche und plauderten, ich nahm Maß für einen Kleider-Auftrag und zeigte Stoffproben her, die ich extra für meine Kundin mitgebracht hatte. Da Anita auch zur bildermachenden Fraktion gehört, nutzten wir auch ein halbes Stündchen für ein paar Bilder – als selbstständiger Schneider brauche ich natürlich auch zu Werbezwecken Augenfutter, denn ohne Bildmaterial keine Aufträge. Ganz logisch …

Schon wieder Bilder machen ...

Schon wieder Bilder machen … diesmal mit Anita Stellmacher

Wir trennten uns dann kurz und trafen uns beim inzwischen auch schon obligatorischen Spontis-Treffen nahe der Moritzbastei wieder – und dort tummelte sich eine schwarze Masse an Pikes-Trägern, Iros und wavigen Wuschelfrisurbesitzern. Das Treffen ist jedes Jahr immer wieder schön, man sieht alte Bekannte wieder die teils auch zu Freunden wurden im Laufe der Zeit, sowie neu hinzugekommene Leser von Roberts Blog, welcher unter spontis.de zu finden ist.

Wie immer unterhält man sich vorzüglich, hat andererseits aber auch wieder zu wenig Zeit um längere Gespräche zu führen, man wuselt vom Einen zum Anderen , und natürlich ist der Pikes-Kreis, der Jahr um Jahr an Umfang zunimmt, ein Muss.

Sicher wird sich Robert auch nochmal zu dem Treffen äussern – und wie immer gab es auch den Spontis-Treffen-Button sowie das kleine Magazin zum Blog, das von Jahr zu Jahr ein Stück professioneller wird.

Platzierungen für den Pikes-Kreis werden eingenommen

Platzierungen für den Pikes-Kreis werden eingenommen

Die Gruppe löste sich dann tröpfchenweise auf, und als nur noch eine schwarze Pfütze übrig war, verabschiedete ich auch mich, da ich meine Damen nicht weiter warten lassen wollte.

Wir steuerten dann auf das Umaii in der Innenstadt zu – ein weiteres japanisches Restaurant das sich hauptsächlich auf Ramen spezialisiert hatte.

Bis auf einen etwas verunglückten Heim-Versuch bei dem auch nicht alle Zutaten auftreibbar waren, hatte ich noch keine anständigen Ramen getestet – also eine weitere neue Erfahrung.

Bei dem immernoch anhaltenden Pisswetter war so eine warme, japanische Nudelsuppe genau perfekt, auf den stilgerechten Suppen-Schlürf-Vorgang habe ich aber verzichtet, das hätte der Kalk dann doch nicht ganz ausgehalten …

Ramen Nicht meine, sondern Annettes ...

Ramen
Nicht meine, sondern Annettes …

Das Lokal war jedoch reichlich leergefressen, beim Nachtisch-ordern waren eine ganze Reihe Dinge nicht mehr verfügbar, und Bekannte von uns, die gerade kamen als wir gingen, berichteten am nächsten Tag daß bei deren Bestellung noch weniger Zutaten vorhanden waren als bei uns noch.

Wir setzten dann Susi bei ihr zuhause ab, durch einen glücklichen Zufall hatte sie ein Paar Pikes übrig daß sie nicht trug, und wir noch dazu die gleiche Schuhgröße – und so wanderte ein weiteres Paar in meinen Besitz über.

Die Agra hatten wir die Tage über nicht angesteuert, da wir ohne Band eh nicht aufs Gelände konnten, jedoch wollten wir später zur Abschlußveranstaltung der Blauen Stunde, und das Haus ist von der Agra nicht weit entfernt, daher wickelten wir uns erstmal in alle Kleidungsstücke ein die wir dabei hatten und setzten uns noch ein Weilchen vor das Messegelände, in der Hoffnung daß noch ein paar unserer Bekannten vorbeikamen, die wir bislang nicht gesehen hatten.

Bedingt durch das Wetter und unser sonstiges Fernbleiben von der Agra sind uns die Massen der Besucher weitestgehend entgangen, doch unser Eindruck war, daß man Cyber kaum mehr sieht und der generelle Trend wieder ein Stückweit mehr zu klassischen Wave-Matten, Pikes und Pluderhosen gegangen ist als noch in den Vorjahren. Wer da aber andere Eindrücke hat, darf die sehr gerne in den Kommentaren mitteilen.

Vor der Agra hatten wir tatsächlich noch wen getroffen – das Pärchen kannte ich bislang zwar nicht, dafür Hester und Annette, doch relativ schnell landeten wir wieder beim Rumblödeln – besonders unser Einfall von einem der Vortage – das Grufti-Yoga für Morgenmuffel mit den Übungen „die Grabplatte“ und „der schlappe Zombie“ sorgten für einiges an Erheiterung und hemmungsloses Weiterspinnen der Idee. Auch der „Sanitär-Cyber“ hatte eine erneute Erwähnung und wurde noch etwas fachgerecht ausstaffiert.

Die Blaue Stunde

Die Blaue Stunde

Wir zogen dann weiter zum Haus der Blauen Stunde und konnten unser Stamm-Sofa, im Wohnzimmer gleich im Eck hinter dem großen Tisch, wieder besetzen. Dani traf nebst Freund etwas später ein, und so konnte man in Ruhe das WGT ausklingen lassen, während vom Nebenzimmer „Bauhaus“ hereindrang.

Das Haus füllte sich bald, aber nie übermässig, ich kam noch ins Gespräch mit ein paar Leuten die sich für victorianische Kleidung interessierten, machte erste Beratungen und erklärte den Aufbau und verteilte meine restlichen Flyer. Frank von der Blauen Stunde zeigte mir ein Plätzchen an dem ich den letzten Rest dann auslegen konnte, auf dem Tisch platzierte ich auch ein paar, die kurz darauf interessiert studiert wurden.

Samstags im heidnischen Dorf kam auch jemand auf Florentine zugestürmt – die an dem Tag Tournüre trug – mit der Frage wo man solche Kleider herbekommt. Mein Einsatz!

Und jetzt bin ich natürlich ganz gespannt was sich aus spontanen Beratungen, Plaudereien und Flyer-Verteilen noch so ergibt …

Die Blaue Stunde verließen wir um ein Uhr, also auch vergleichsweise zeitig, Dani rief vor Ort noch im Puschkin an, an dem dienstags unser obligatorisches Voll-im-Arsch-Frühstück stattfindet, nur wurde diesmal vergessen, daß wir dazu einen Tisch reservieren wollten, zum Glück lies sich das so kurzfristig aber noch regeln.

Dienstage nach WGTs sind immer so eine Sache, man ist müde und hängt durch und ist entsetzt daß vier Tage Treffen schon wieder so unglaublich schnell vergangen sind.

Mii-tan – Annettes Kater – kam dreimal ins Bett hochgekrochen und verlangte Krauleinheiten – und irgendwie war er da wieder, der schlappe Zombie😀

Irgendwann  hatte das Katertier mich wach genug daß ich mich schonmal ins Bad schlich und die Dusche besetzte um Kalkreste und Haarlack vom Vortag gar abzuschrubben.

Der Koffer wurde neu geschichtet – da ich zur Anreise schon alles reingepresst hatte was ich reinbekommen habe, war „reinwerfen und zumachen“ diesmal keine Option, jeder Quadratmillimeter musste ausgenutzt werden.

Das Puschkin war gut gefüllt, wie gewohnt, doch auch hier gab es weniger Andrang als in manchen Vorjahren.

Alwa und Mike saßen da schon, ich habe mich riesig gefreut die beiden endlich mal wieder sehen zu können, freitags sind wir uns im Panometer schon begegnet, doch ein bisschen genauer quatschen über diverse Dinge war dann im Puschkin einfach besser.

Die Frühstücksrunde fiel wesentlich kleiner aus als in manch anderen Jahren, neben Alwa, Mike, Hester, Annette, Dani und ihrem Freund Severin sowie mir, kam noch ein Paar aus Hamburg dazu das wir seit vielen Jahren am WGT wiedertreffen, der Erstkontakt war hier auch, wie bei sehr vielen Bekannten und inzwischen guten Freunden, über das sogenannte „grüne Forum“ in dem man sich über historische Kleidung austauschen kann. Ich bin jedoch schon seit Jahren dort nicht mehr aktiv, man hält aber den Kontakt heutzutage vornehmlich über Facebook weiter.

Gegen zwei Uhr war es dann Zeit für das große Verabschieden, mein Gepäck luden wir in Danis Auto um, das Severin fachgerecht umschlichtete, Dani hatte als erfahrene Tournürendame natürlich einiges an Stoff bei sich – im eigenhändig vernähtem Zustande natürlich – aber noch war genug Platz für einen schmalen Kerl und seinen Dreispitz.

In großzügigen anderhalb Stunden kamen wir auch schon an meiner Abwurfstelle an der A9 vorbei, in einer weiteren halben Stunde war ich dann wieder in den eigenen vier Wänden, wo mein eigener Kater die Taschen, ob der ungewohnten Gerüche, die natürlich auch von den zwei Katzen (Chi, das Mädel ist ziemlich scheu, im Gegensatz zu ihrem brutalschmusigen Bruder), die bei Annette und Hester wohnen, herrührten, ausgiebigst abschnuffelte.

Und damit ist ein weiteres WGT leider schon wieder Geschichte …

Fazit des Ganzen: WGT ohne Bändchen ist möglich und es finden sich genug Programmpunkte die man problemlos mitnehmen kann. Ob ich das jedoch wiederhole ist eine andere Geschichte, die Agra hat mir ein wenig gefehlt – weniger wegen der *hust* Atmosphäre da und noch weniger wegen den Konzerten, auch die Verkaufshalle brauche ich nicht zwingend, in den letzten Jahren habe ich sowieso nur Ringelsocken gekauft dort. Aber als Treffpunkt an dem sich früher oder später alle Bekannten die man im Lauf von gut zehn Jahren WGT nun so alle kennengelernt hat, ist die Agra einfach ein Teil davon. Natürlich bleibt mehr als fraglich ob das Agra-Abhäng-Kriterium die Geldausgabe für die Karte rechtfertigen würde – denn das tut es definitiv nicht, also warten wir bis es im nächsten Jahr mit dem Programm soweit ist daß man absehen kann, ob es sich generell lohnen würde.

Wäre das Wetter insgesamt besser gewesen, hätte man auch sicher noch einige Aktivitäten mehr mitnehmen können, doch für das Wetter kann man nunmal nichts.

Viele Bändchenverweigerer begründeten ihre Entscheidung ja auch mit der Band-Auswahl, in der Hinsicht aber muss ich sagen daß ich eigentlich recht viele Bands gefunden hatte, die ich durchaus hätte sehen wollen, und bei der Dreckskälte wäre die Motivation, sich in einen Konzertsaal zu begeben, sicher auch höher gewesen als bei den warmen bis heftig heißen WGTs der Vorjahre, wo man leichter mal draußen versumpfen konnte. Trotzdem hatten wir unseren Spaß und auch wenn die Bändchenlosigkeit das Ganze ein wenig seltsam gemacht hatte, so war es wieder ein tolles WGT – aber warten wir mal auf das nächste Jahr mit der Entscheidung, ob dann wieder richtig und mit Karte, oder doch wieder ohne.

Nur das Wetter möge bitte deutlich besser werden …

*Ouji = japanisch für „Prinz“, ein Begriff der unter anderem für das männliche Gegenstück zu Lolita verwendet wird, ist ebenfalls inspiriert von victorianischer Kleidung.

*Shironuri = japanisch für „weiß angemalt“ – bezieht sich auf das weiße Make-Up, ein gesonderter Artikel folgt.

Gothic Friday 2016 Mai – von Kalkleisten und Stoffbergen

Der Fluch des Selbstständigen – manchmal hat man Wartezeiten zwischen Aufträgen, manchmal überrennt einen die Arbeit förmlich, Und genau deswegen habe ich die letzten beiden Beiträge absolut nicht geschafft, der Plan, jeden Tag ein paar Sätze zu schreiben, ging dann auch nicht auf, da ich irgendwie dann mit dem Gesamttext unzufrieden war, und nochmal anfing.

Auch nicht der Sache dienlich, daher gibts ab jetzt „Augen zu und durch“.

Zwar lauert die Arbeit jetzt nach dem WGT weiterhin auf mich, immerhin habe ich von dort in Form von neuen Kunden-Maßen auch wieder neue mitgenommen, doch noch sitzt die WGT-Wehmut schwer in den Knochen – was ich mir gleich zunutze mache, um mich dem aktuellen Gothic Friday Thema zu widmen.

Es geht um Stil, Optik, Haare, Make-Up .. also das ganze Zeug was gern mal unter „Oberflächlich“ unter Naserümpfen abgetan wird, aber nunmal dennoch einen wichtigen Teil der Szene-Identifikation ausmacht.

Die Bandbreite ist groß, manche fühlen sich am wohlsten wenn T-Shirt und Jeans zumindest eingeschwärzt sind, andere treiben weitaus mehr Aufwand. Ich muss zugeben daß mir die Diskussion um Styling und (vermeintliche) Oberflächlichkeiten in letzter Zeit vermehrt auf den Sack gegangen ist, besonders sofern man auf Facebook in die große WGT-Gruppe schaut. Ich möchte das an der Stelle nicht näher vertiefen, nur dazu sagen daß mir wumpe ist, wer wie rumrennt, solange man sich versteht und sich jeder in seiner Haut wirklich wohl fühlt, mache ich Sympathie nicht an Äusserlichkeiten fest – das war nie so und wird ganz sicher auch nie so sein.

Genau das.

Genau das.

Was mir persönlich gefällt und was ich garnicht mag, hat ebenso mit der Person darunter nichts zu tun, sondern sind nur rein ästhetische Präferenzen, nicht mehr und nicht weniger

Aber hier geht es ja um den eigenen Stil, daher nach den einleitenden Worten endlich zur Sache.

Meine zentrale Inspirationsquelle sind die New Romantics der 80er und natürlich auch der frühe Wave-Stil – der ja nicht immer sauber vom New Romantic trennbar ist. Dazu historische Mode aus allen Epochen, und so allmählich schleichen sich auch ein paar extravagantere, japanische Einflüsse bei mir ein – was mich selbst überrascht da ich für den Japan-Hype zu alt bin und eigentlich selbst lang genug die Nase darüber gerümpft habe.

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2013 „Dandy Strange“ – irgendwann früh um halb fünf nach dem Club-Besuch – aber der Kalk, der sitzt noch

Gerade die New Romantics waren damals ja auch verschrieen, nichts als aufmerksamkeitsgeile Poser zu sein, doch finde ich daß das dem Ganzen auch etwas unrecht tut, da hier viele äusserst kreative Menschen ihre ersten Schritte gemacht haben und von da aus in sehr kreative Berufe weitergegangen sind. Und die ganze Geschichte kommt im Grunde genommen ja aus dem Punk, die damals schon ausgesaugte „Ästhetik des Hässlichen“ wurde nochmal auf den Kopf gestellt, um etwas Neues daraus zu machen. Ganz zu Anfang habe ich mangels Geld auch genommen was ich finden konnte, und es zu Schmuck und Accessoires umgebaut und zweckentfremdet, alte Damastvorhänge zu Kleidern verarbeitet, Schmuck aus 1-Euro Läden auseinandergebaut und neu verbraten und geschaut daß ich mit quasi kaum Budget das schönste rausbekomme, was irgendwie möglich ist. Ich bin also nun wirklich kein Hobby-Adeliger, sondern doch eher irgendwie Punk und sehe in der Beziehung einfach persönliche Parallelen zu den New Romantics.

Personen aus dem Umfeld die mich schon immer inspiriert haben sind an erster Stelle definitiv David Bowie, und seinen zahlreichen Bühnen-Personas mit denen er sich auch auf optischem Wege Ausdruck verliehen hat. Gerade auch durch seine androgyne und oft alienhafte Erscheinung war er schon immer einer der ganz Besonderen und „heiligen“ (so man das so ausdrücken kann) Vorbilder für mich.

Dazu gesellen sich noch Adam Ant, Thomas Dolby (als schrulliger, altmodischer Wissenschaftler), teilweise Steve Strange und im Allgemeinen die sehr androgyne Ästhetik der frühen 80er.

Anna-Varney Cantodea muss ich – als gestandene Kalkleiste – auch zu den Inspirationsquellen zählen, und ich wage zu behaupten daß so ziemlich jeder der sich wandweiß anlackiert, ein gewisses Faible für diese Ausnahmekünstlerin hegen dürfte.

Das mit der Kalkerei betreibe ich nun auch schon seit mehr als zehn Jahren, so schrittweise wurde die Gesichtsfarbe zu Festivals und an Clubabenden immer weißer, einhergehend mit immer präziseren und komplexeren Malereien darauf. Für mich hat das wenig mit „Make-Up“ zu tun, denn tatsächlich mit Malerei – von Schminken hab ich eigentlich kaum Ahnung, wenn es sich nicht grade auf derart hart übertriebene Bemalung bezieht. „Natürlich“ kann ich nicht, will ich nicht, brauch ich alltags erstrecht nicht und finde ich öde.

2012

2013

Sogar als ich noch versucht habe, irgendwie als Frau durchzugehen, war meine Alltagsbemalung mit harten, aufgemalten Eyeliner-Augenbrauen und extremem Lidstrich. Und jetzt wo ich mich dem Druck auch nicht mehr aussetze, als Mädl rumrennen zu müssen, ist Alltags-Schminken für mich sowieso irrelevant, und auch davor führte alles was „natürlich-weiblich“ war, für mich einfach nur zu heftigem Unwohlsein in meiner  eigenen Haut – was ich lange Zeit einfach nur auf die Bevorzugung gruftiger Ästhetik schob, heute bin ich mir aber sicher daß die Gründe andere waren.

2012 - ein paar Monate später war das ausgewucherte Zeugs auf dem Kopf endlich Geschichte

2012 – ein paar Monate später war das ausgewucherte Zeugs auf dem Kopf endlich Geschichte

Das extrem künstlich wirkende „Kalken“ hat aber gerade auch als Ausdrucksform für mich auch heute noch einen großen Reiz, da man sich mehr als lebendes Kunstwerk herrichtet – losgelöst von Geschlecht, egal ob biologisch oder der Eigen-Identifikation nach. Ähnlich wie ich die extremen Bemalungen der New Romantics eben ziemlich faszinierend finde und mich  immer wieder davon inspirieren lasse.

Ein etwas pragmatischer Grund fürs Kalken ist die Haltbarkeit – ein Tag 40 Grad am WGT und nachts noch bis zum Morgengrauen unterwegs – der Kalk hält. Unerschütterbar. Auch bei schlechterem Wetter ist das Zeug, sofern man seinen Gimpel nicht voll in die Witterung streckt, zuverlässig bis zum bitteren Ende. Normale Produkte hat man dann oft in kürzester Zeit in den Kniekehlen hängen und muss nachlackieren – bis auf ab und an mal Lippen neu tünchen, hält der Scheiß einfach da wo man ihn platziert. Jedes WGT denk ich mir am Montag spätestens – jetzt könnteste mal nen Tag aussetzen. Aber sofern ich nicht völlig auf Malerei verzichten will, schiebe ich den Gedanken dann auch meist ganz schnell wieder weg.

WGT 2009 Das "Hörndl-G'Wand" (wie Alwa dazu immer sagt) ist - trotz Rock immernoch eins meiner Liebsten - auch wen ichs nicht mehr trage.

WGT 2009
Das „Hörndl-G’Wand“ (wie Alwa dazu immer sagt) ist – trotz Rock immernoch eins meiner Liebsten – auch wen ichs nicht mehr trage.

Wer sich mal ansehen möchte wie das mit dem Kalken von einem echten Make-Up Artist gemacht wird, dem lege ich das folgende Video von einem lieben Bekannten aus München ans Herz:

 

Nur die Kleider von früher habe ich entweder abgeworfen oder sehr weit in den Kleiderschrank zurückgeschoben, stattdessen kommen nun Rüschenhemden und Brokat.Westen zum Einsatz, wenns mehr die schwarzromantische Ecke sein soll. Ich habe auch erstmal überlegt ob ich hier noch alte Reifrock-Bilder von mir einfügen soll, da ich die gerade aus persönlichen Wohlfühlgründen immer weiter aus dem Netz nehme, dennoch gehören sie ja irgendwie dazu, und ich vertraue auch auf das Verständnis meiner Leser.

WGT 2008 Bild von Frankon

WGT 2008
Bild von Frankon

Spitziges Schuhwerk gehörte seit den ersten Schrankinhalt-Einschwärzungen dazu, auch wenn es anfangs noch keine echten Pikes waren. Und tausend silberne Klimperarmreifen, mehrreihige Nietengürtel und drei Nummern zu große Hemden zu Röhrenhosen – später dann auch Pluderhosen, nachdem ich rausgefunden hatte wie der Schnitt für sowas aussieht.

2012 Bilder machen im Schloßpark Fantaisie - ja, das war stellenweise Alltagsaufzug bei mir.

2012
Bilder machen im Schloßpark Fantaisie – ja, das war stellenweise Alltagsaufzug bei mir.

Das gehörte lange Zeit aber mehr zu meinem Alltags-schwarz, ab und an auch mit einem historischen Kleidungsstück dazu. Im Gegenzug haben sich irgendwann aber auch mal diese Elemente stilbrechend in Reifrock-Outfits und verwandtes mit eingeschlichen. Pikes und zerfetzte Strumpfhosen unter dem riesigen Rüschenkleid gehörten immer dazu, und sorgten bei denen für Verwunderung, die nur die gekalkte Person in Reifröcken kannten, und daher wohl den Eindruck „Hobby-Adel“ hatten.

Und bei der Mischung bin ich jetzt im Moment im Wesentlichen, der klassische Waver ist schon längst auch deutlich in die Ausgehgarderobe eingezogen, die Rüschenhemden kann ich aber nicht sein  lassen – genauso wenig wie eben das Kalken.

Meine Szene-Anfänge hingegen waren erstmal von Lack, Nieten und Bondage-Klamotten geprägt, aber zumindest kann ich mit gewissem Stolz behaupten, daß davon kein Teil gekauft war – lag auch am Budget, der Bondage-Rock wurde aus einer schlecht geschnittenen Cargo-Hose umgenäht und den Lack hortete Frau Mutter in ihrem Stoffschrank und benutze ihn selbst doch nie, daher wurde er irgendwann, als ich endlich die Möglichkeit hatte, mich in schwarzen Clubs rumzutreiben, zu Ausgehklamotten vernadelt.

2004 Kurz darauf wurde aus dem Lack schwarze Rüschen

2004
Kurz darauf wurde aus dem Lack schwarze Rüschen

Lang bin ich aber nicht bei der Lack-und Bondagerock-Fraktion geblieben, das schwenkte dann doch recht schnell zu historisch inspirierten Kleidern und den ersten 80er-Anleihen über und entwickelte sich so über all die Jahre.

Zwangsläufig stellt sich da auch immer wieder die Frage: wenn man so extrem auffällig rumläuft, dann muss man doch ein stückweit richtig scharf drauf sein, gesehen zu werden oder?

Jein, ich finde die Schlußfolgerung „Auffällig ist zwangsweise dumm, oberflächlich und nichts was was mit der Szene zu tun hat“ seinerseits nicht grade weit gedacht, da man damit die Person ja wieder auf die reine Optik reduziert, ich denke, für ein Urteil sollte man vielleicht dann schon ein paar Worte mit den Leuten gewechselt haben, die Extremstyler gab es seit den Szeneanfängen genauso wie die unauffällig schlicht-schwarzen, und sicher auch eine große Bandbreite an Leuten die sich aus sehr unterschiedlichen Gründen in der Szene rumtrieben – von denen einige sicher auch damals nicht superszenepassend waren.

WGT 2011 Beim Spontis-Treffen

WGT 2011
Beim Spontis-Treffen

Bei mir war das so – am Anfang war es schon ein schönes Gefühl, wenn die Leute schön fanden was man da tat – halt mal ein paar nette Worte neben der Tanzfläche oder auf dem Festivalgelände. Harmlos eigentlich.

ANT-Style 2010

ANT-Style
2010 – Bild von Photo&Magic

 

Dann kamen die Sensationsknippser, vornehmlich zum WGT, und in dem Maße ist und bleibt das eine sehr unangenehme Sache, besonders wenn denen jeglicher Anstand abgeht da man auch hier im Grunde auf das Äussere herunterreduziert wird – man ist ja nicht nur Kleidung und Make-Up sondern ein kompletter Mensch. Doch auch das Thema ist hinreichend diskutiert worden.

Gargoyle WGT 2014 Bild von Crescentia Moon

Gargoyle
WGT 2014
Bild von Crescentia Moon

Ja, ich mache auch Photoshootings, und das schon seit 2003. Eine reine Hobbysache, ich finde es ganz schön von sich Bilder zu haben und so ein aufgetakeltes Gesamtbild als Kunstwerk auch für bildnerische Kunstwerke zur Verfügung zu stellen. Es ist wie mit Filmen – bei einem solchen Medium kann man Geschichten erzählen die die Wirklichkeit verlassen, und sich selbst als Teil dazu zu machen ist auch eine Form von Abstand zum Alltagsleben – nicht als Realitätsflucht, sondern auf eine Art, weswegen andere Menschen sich vielleicht drei Wochen Karibikurlaub gönnen. Mal abschalten eben.

"Dandy Strange" Bild von Pam Meier

„Dandy Strange“
Bild von Pam Meier

Inzwischen gebe ich aber auch schamlos zu daß ich die Aufmerksamkeit auch etwas bewusster forcieren möchte. Der Grund ist logisch-pragmantisch: ich bin selbstständig, und das in einem Bereich in dem man sich sehr, sehr schwer tut, wahrgenommen zu werden, und vor allem – auch ein Bereich der nunmal sehr an Optik und Style hängt. Ohne Werbung kann ich meinen Laden einstampfen – da das aber mein ganz großer Traum ist und ich natürlich als Mensch aus der Szene für die Szene hier und in meinem eigenen Atelier herstelle, tue ich alles* um genug Aufmerksamkeit zu bekommen, daß die Leute Kleidung von mir gemacht haben möchten. Viele haben den Bezug nicht dazu, was es heißt sich mit einem eigenen Gewerbe durchhauen zu müssen, ohne die Sicherheit eines „normalen“ Jobs mit nur acht Stunden am Tag, immerhin würde ich gerne mal genug rausbekommen um zumindest sorgenfrei alleine meine Semmeln bezahlen zu können, daher bin ich ganz ehrlich und sehe nichts verwerfliches darin das frei rauszusagen – die Leute sollen mich sehen und auf mich zukommen, und mich ansprechen, wenn etwas hilft daß ich ohnehin für mich gerne mache – umso besser, so fügt sich im Grunde alles zu einem großen Ganzen, in dem ich nicht für einen Job zurückstecken muss (was nichts schlimmes ist – ich verstehe sehr gut wenn man als Angestellter da einfach die Dinge anders handhaben muss) – sondern alles fließend ineinander übergeht.

WGT 2013 Mad Scientist /Tesla Punk Bild von Hester Thomas

WGT 2013
Mad Scientist /Tesla Punk
Bild von Hester Thomas

Damit nähere ich mich dem Ende des heutigen Beitrages – trotz des vermeintlich „oberflächlichen“ Themas bin ich dann doch in viel philososchwafligen Text abgeglitten – ganz einfach weil Optik für mich immer ein nonverbales Ausdrucksmittel war, an dem ich nichts schlimmes finden kann, sodenn Substanz dahintersteckt. Für die Szene-Ästhetik ist eben auch der Punkt einer den man sich öfters mal bewusst machen sollte – daß man mit Optik in hohem Maße auch kommuniziert, beispielsweise „Lass mich in Ruhe“ oder „Ich gehöre nicht zu euch“ oder – sucht euch was aus. ich denke, im Grunde schlägt sich jede Szene-Philosophie irgendwie sehr wohl im Kommunikationsmittel „Style“ nieder – eben jeder auf seine ganz eigene Art.

*liebe RTL und Pro7 Fernsehteams: Nein!

Rosa’s waviges Kaleidoskop: Dalek I love you

Ein neues Jahr hat begonnen, Grund für viele Blogbesitzer, das Vergangene Revue passieren zu lassen. Doch darauf habe ich heuer einfach keine Lust und mache stattdessen eben da weiter wo ich aufgehört habe.

Nein, es gibt keine weiteren knallbunten Mode-Eskapaden😉 – aber in den Entwürfen liegt noch genug herum das einmal angeschrieben wurde und dann in Warteschleife verblieben ist. Meine Wahl fiel für den blogtechnischen Jahreseinstand wieder einmal auf einen musikalischen Artikel.

Jedoch, wie der Titel vermuten lässt, spielt ein sehr deutlicher Doctor Who Bezug auch diesmal eine gewisse Rolle😉 – während die britische Kult-Science Fiction Serie bei uns eher weniger bekannt ist, gehört sie in ihrer Heimat schon lange zur Populärkultur.  Mit dem 23. November 1963 als Erstausstrahlungstermin handelt es sich hierbei sogar um die älteste SciFi Serie überhaupt (und schlägt Star Trek damit auf den zweiten Platz zurück) – und in diesem Jahr feiert sie ihr 50-stes Jubiläum.

Da ist es kein großes Wunder, daß Künstler aller Sparten immer mal wieder ihre Begeisterung für diese Serie mit in ihr Werk aufnahmen, im Speziellen im musikalischen Bereich gibt es eine ganze Reihe davon. Ende der80er schaffte es die spätere Kultformation KLF mit „Doctorin the TARDIS“ (noch unter dem Namen „The Timelords“) sogar in deutsche Discos, wo das Stück ziemlich guten Anklang fand – ganz ohne das man hierzulande vom Doctor und seiner, als britische Police Box getarnten Zeitmaschine, etwas wusste. Bis dato lief die Serie nämlich noch nicht über deutsche Mattscheiben. 1968 waren dem ZDF einige Folgen mit Patrick Troughton – dem zweiten Schauspieler die die Rolle des Zeitreisenden spielte – angeboten, was nach Vorführung einer der Episoden folgendermaßen abgelehnt wurde:

Die Filme sind in Dekor und Kostümen ebenso naiv wie die Bücher undurchschaubar. Die Ablehnung erfolgt einstimmig.1

Erst der Disco-Erfolg der Timelords bewog RTLplus 1989 die Serie auszustrahlen. In dem Jahr, in welchem in Großbrittannien die Serie vorerst eingestellt wurde.2

Aber ich wollte hier keineswegs die Geschichte der Serie detailliert ausführen, sondern natürlich auch eine Band vorstellen die bei uns offenbar genauso bekannt ist wie die britische Kult-Serie – wenn nicht sogar noch weniger.

397px-Dalek_(Dr_Who)

Die beiden Gründungsmitglieder Alan Gill und David Balfe haben, wie so viele spätere Wave-Musiker, ihren Ursprung im Punk Mitte der 70er.  Beide liesen dieses Genre hinter sich um  mit einem experimentelleren Projekt künstlerisch neue Wege zu gehen – der Band-Titel „Dalek, I love you“ kam hierbei durch einen Kompromiss zustande, da Gill „Darling, I love you“ vorschlug, Balfe allerdings die Band nach den wohl bekanntesten Aliens und Gegenspieler des Doctors benennen wollte – den Daleks – mutierte Lebensformen die im Inneren von salztreuerartigen Mini-Panzern ihr Unwesen treiben, sich für „superior“ halten und in ihrem Zerstörungsdrang dann ganz schnell sehr einsilbig werden können.

1978 verlies Balfe die Band um bei namhaften anderen Projekten wie „Big in Japan“ und „The Teardrop Explodes“ mitzuarbeiten, worauf weitere Künstler zu „Dalek, I love you“ kamen, darunter Martin Cooper und Andy McClusky, die jedoch nur sehr kurz blieben, nach ihrem Ausstieg gründeten sie mit Paul Humphries das heute ebenfalls nicht gerade unbekannte Projekt „Orchestral Maneouvres in the Dark“ – oder kurz „OMD“.

Die Band verblieb als Duo mit Alan Gill und Dave Hughes, als sie im gleichen Jahr bei Inevitable Records unterzeichneten und ihr erstes Demo – „Freedom Fighters“ aufzeichnete, welches dann bei Phonogram landete, das Label zeigte Interesse und „Dalek I“ unterzeichnete daraufhin dort – die Verkürzung des Bandnamens wurde ohne Begründung, und ohne die Musiker zu fragen, vom Label vorgenommen, ebenso versuchte man die Akkorde des Demo-Song abzuändern da sie nicht dem „Standard“ entsprächen.

Dort erschien schließlich das erste Album – Compass Kumpas – am 24. März 1980.

Dritter Titel des Albums trägt den gleichen Namen wie die Band – Dalek I love you (Destiny) – und dürfte mein absolutes Lieblingslied der Scheibe sein. Selbstredend bin ich aufgrund des Titels da nicht ganz unvoreingenommen😉 , aber auch so nistet sich das leichtfüßig klingende Stück schnell im Gehörgang, ja obwohl es eine relativ ruhige Ausstrahlung hat, auch durchaus im Tanzbein ein – mit den Daleks aus der Kult-Serie im Hinterkopf, sorgt der Text dieses Stückes für einige Grinser. Bei youtube ist es hier zu finden – nur leider in „Deutschland“ – nicht anschaubar *räusper*😉 – gefolgt von „A Suicide“ , das mit einer schweren, schneidenden Synthiefläche wesentlich düsterer daherkommt. Auch der Text hat es ziemlich in sich.

Nahtlos daran bricht „A Kiss“ die depressive Stimmung wieder auf, da – laut dem Text – der Sänger es sich dann doch anders überlegt hat – was entsprechend flott untermalt wird. Stimmungsschwankungen die richtig Spaß machen. Ein Konzept das sich durch das ganze Album durchzieht. Stilmässig zwar eindeutig im Wave-Feld vorzufinden, schaffen es Dalek I aber dennoch einen recht eigenwilligen, speziellen Stil an den Tag zu legen der sicher erstmal gewöhnungsbedürftig ist. Ich hatte auch zwei Anläufe gebraucht bis mir diese irgendwie schräge, minimalistische Mixtur samt Alan Gills säuseliger Stimmlage gefallen mochte, inzwischen bin ich aber absolut überzeugt und begeistert.

Erwähnenswert ist sicher noch das Cover des legendären Rocksongs „You really got me“ von den Kinks, dem man in der Version von „Dalek I“ einen gewissen sarkastischen Unterton unterstellen möchte – ein kleiner Stinkefinger in Richtung des Rock and Rolls ausgestreckt – ganz der Punk eben.

Zum Abschluß des Albums fasst „Missing 15 Minutes“ – das längste Stück – nochmal das ganze Album stilmässig zusammen.

Obwohl dieses gute Kritiken einheimste, blieb es kommerziell kaum erfolgreich. So wurde das Projekt schnell vorerst eingestellt. Zunächst blieb Alan Gill als einziges Bandmitglied übrig und schloß sich dann ebenfalls den Teardrop Explodes an, nachdem Julian Cope den Gitarristen rauswarf. Dort schrieb er mit an dem Song „Reward“ welcher es in die Top 10 der UK Charts schaffte. Alan Gill verlies die Teardrop Explodes jedoch wieder um daraufhin unter dem vollen Bandnamen „Dalek I love you“ seinen eigenen musikalischen Plänen weiter nachzugehen. So erschien am 28. Februar 1981 die Single „Heartbeat“ mit der B-Seite „Astronauts“ bei Phonogram.

Ein stilistischer Wendepunkt, der eher trashige, schräge Sound wich eingängigeren Synthpop-Melodien – eine Richtung die im folgenden beibehalten wurde, als 1982 die Band zu einem Quartett anwuchs und die zweite Single , diesmal beim Label Korova – herausbrachte: „Holiday in Disneyland“, gefolgt vom tanztauglichen „Ambition in 1983. Beide Stücke erschienen schließlich auf dem zweiten Album „Dalek I Love You: Dalek I Love You“.

Mit „Horrorscope“ brachte die Band im gleichen Jahr eine letzte Single heraus – obwohl das zweite Album ein kommerzieller Erfolg war, Alan Gill äusserte sich jedoch daß er darin nicht weiter involviert werden wollte – so wurde „Dalek I love you“ ein weiteres Mal auf Eis gelegt.

1985 gründete Alan Gill sein eigenes Label – Bopadub – um darauf Complations auf Kassette zu veröffentlichen, dort erschien im gleichen Jahr auch das Dalek I – Album „Naive“ das mit insgesamt 25 Stücken aufwartet. Wieder ein wenig weg von den poppigen Tanz-Sounds, aber auch ohne den kratzbürstigen Charme der frühen Werke. Das ist irgendwie zwar schade, trotzdem mag ich das Album sehr gerne, es ist sehr emperimentierfreudig in verschiedenste Richtungen, bedient sich stellenweise bei Weltmusik aus aller Herren Länder, klingt mal folkig, mal mehr synthielastiger,  mal sind die Wave-Wurzen deutlich zu hören, dann wieder weit davon entfernt. Im Grundton ein sehr ruhiges Album das man so kaum wirklich richtig beschreiben kann sondern einfach mal selbst reinhören muss.

„Naive“ erschien ausschließlich auf Kassette und ist heute legal im MP3-Format auf der (sehr spärlichen) Homepage von „Dalek I love you“ runterladbar: http://www.dalekiloveyou.com/naive.htm

Wer jetzt noch nicht genug hat, kann die Bandhistorie auf der folgenden Seite nochmal haarklein im Detail nachlesen (auf englisch): http://robinparmar.com/dalek-i-love-you.html

1: http://www.serienjunkies.de/news/doctor-who-deutschland-kein-ort-31751.html

2: wer sich detaillierter über Doctor Who und dessen Geschichte informieren mag, kann das hier tun: http://en.wikipedia.org/wiki/Doctor_Who

Bildnachweis Dalek: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dalek_%28Dr_Who%29.jpg

http://www.dalekiloveyou.com

http://robinparmar.com/dalek-i-love-you.html

Weils halt cool ausschaut … oder so.

Zugegeben, ziemlich fassungslos hatte ich für ein paar Sekunden wohl aus der Wäsche geschaut, als mich vor mehreren Wochen jemand fragte, ob ich das Shirt das ich an dem Tag anhatte, nur deshalb trug weil ich „den Style cool finde“ oder tatsächlich die zugehörige Band mochte.
Für mich war die Frage absurd – wie konnte man „sowas“ einen Menschen fragen, der zum angesprochenen Shirt Pikes, Pluderhosen und einen Samtblazer mit einer Sammlung von Buttons, die fast alle Motive von Musikgruppen aus der gleichen Ära zeigen, trug – in monochromem schwarz versteht sich.
Nachdem ich den Schock darüber überwunden hatte, war ich mehr angenehm erstaunt daß der gute Mann das Motiv identifizieren konnte – denn ausser der charakteristischen Graphik des „Unkown Pleasures“ Album von Joy Division befindet sich auf dem Teil kein Bandname oder sonstiger Text.

Das Eine oder Andere Mal noch schüttelte ich innerlich den Kopf über die Annahme, es gäbe tatsächlich Leute die sich sowas nur aus Modegründen an den Hintern hängen – und dann vergaß ich den Vorfall auch schon wieder.

Bis gestern.

Da blätterte eine meiner 20-jährigen Studienkolleginnen an der Modeschule in einem Mode-Magazin. Eher zufällig fiel mein Blick auf das Blatt – für Mode-Zeitschriften interessiere ich mich eher weniger. Klingt paradox in meinem Fall – zugegeben – aber mich hat die Frage nach dem was aktuell „trend“ ist in meinem ganzen Leben noch nie interessiert, und die Momente in denen man an der Schule dazu gezwungen ist, sich mal damit zu befassen waren mit der Prämisse „Ich muss den Scheiß den ich da entwerfe ja nicht anziehen“ dann meistens halbwegs erträglich. Manchmal sogar amüsant, zugegeben – meistens dann wenn man explizit vom Standard-Stil großer 08/15 Modeketten abweichen durfte um fröhlich vor sich hin zu spinnen – hauptsache die Trend-Farben stimmten …

Aber zurück zum Mode-Heftchen – beinahe hätte ich mich an meinem Tee verschluckt (schwarzer natürlich, ohne Zusätze *g*) als mein Blick auf ein Shirt mit besagtem Motiv fiel – die Graphen des Unknown Pleasures – Albumcovers, zusätzlich dazu darüber groß „JOY DIVISION“ gedruckt, und darunter der Albumtitel. Chic kombiniert dargestellt mit giftgrünem Beinkleid und einer dieser unsäglichen Weibchen-Handtaschen die eng in der Achselhöhle anliegen.
Gut, wer die Band geil findet und stilmässig einfach nicht die Reinkarnation des Ur-Gruftis ist – ist auch nichts dagegen einzuwenden, aber die Präsentation schien nicht groß darauf hinaus zu laufen, sich an tatsächliche Musikliebhaber zu richten, sondern mehr an das hippe Girl von Nebenan.

Ich bat um einen Blick auf das Magazin – aus Interesse an der Beschreibung, Preis und Hersteller. Ersteres verlor auch weiter kein Wort zu der Band, der Preis – stolze 42 Geld. Ich äusserte mich dahingehend, daß ich es recht daneben finde, sich im speziellen ein Bandshirt an den Hintern zu hängen, nur weil man das Motiv grad irgendwie „trendy“ findet – noch dazu da es sich hier um keine leicht verdauliche Partymucke handelt, sondern etwas was zumindest ein Mindestmaß an Beschäftigung damit erfordert.

Ein weiterer Blick auf den Artikel vonseiten meiner Kollegin – naja, das Motiv sei graphisch ja schon interessant – so gesehen mag das auch zutreffend sein, würde es sich hier um „nur“ Design handeln, aber das Motiv wurde durchaus mit Bedacht gewählt. Ich werfe aber mal ganz verallgemeinernd in den Raum, daß das trendy Girl von Nebenan nur sehr selten nachforschen wird, was es mit dem chicen Motiv auf ihrem Shirt so auf sich hat.

Der Trend mit Bandshirts von der Mode-Kette von Nebenan ist natürlich nichts Neues, vor 10 Jahren schon hingen in Pimkie und Orsay Oberteile mit Motiven durchaus bekannter Metal-Scheiben im Laden. Und auf den Strassen fand man Jungvolk, das oftmals sogar sehr erstaunt darüber war daß das „lustige Motiv“ da auf dem Oberteil ein Plattencover war – oh Schreck, sogar aus einer Musiksparte die man eigentlich garnicht mochte!
Damals fand ich das schon reichlich blöde, aber das Unknown Pleasures-Shirt im Sortiment einer Modekette zu finden, war ein leichter Schock – vielleicht gerade aus dem Grund weil man mit Motiv und zugehöriger Musik persönlich mehr verbindet als mit den Metal-Motiven die vor einer guten Dekade „in Mode“ kamen.

Der Hersteller des Shirts ist Urban Outfitters – hier neben einigen anderen Band-Motiven zu finden.
Die Firma richtet sich nach eigenen Angaben an Leute zwischen 18 und 30 , hauptsächlich den Typus des sogenannten „Hipsters“ ansprechend – zu dem Thema hat Robert auf seinem Blog – Spontis – schon ein paar treffende Zeilen verfasst.

Treibt die trendgerechte Vermarktung eines solchen Motives die Szene weiter in den wohlheraufbeschwörten Untergang? Ein Streit-Thema das keineswegs neu ist. Und ich denke das kann man aus verschiedener Sicht sehen – zum Einen gibts da den Schockmoment, eben sowas im Trend-Laden wiederzufinden, zum Anderen – es gibt auch genügend (Jung-)Schwarze die mit dem Motiv wohl wenig anzufangen wüssten und sich sehr subkulturell fühlen weil die Klamotten von einschlägigen „Szene“-Läden stammen – was ich weitaus kritischer sehe. Innerhalb der Szene werden genauso „Trends“ aufschnappen und vermarkten wie es die ganz normale Modeindustrie eben auch macht. Unter dem Strich kein großer Unterschied also – ob bunt oder schwarz, wenn nur „Mode“ zählt kann man beides getrost in einen Topf werfen. Da ist die „Szene“ auch ganz eindeutig im Mainstream angekommen – wie kürzlich Sat.1 in einer Reportage über das M’Era Luna fachkundig proklamierte – über die Qualität dieses Berichtes möchte ich mich an dieser Stelle aber nicht groß auslassen, das M’Era habe ich noch nie besucht da es mich auch noch nie groß interessiert hatte, daher fehlt mir die Grundlage zu bewerten ob das Dargestellte der Wahrheit entspricht oder wieder einmal überzogener Sensationsjournalismus ist – die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen, denke ich, so oder so weckt es auch weniger das Interesse, der Geschichte tatsächlich einmal einen Besuch abzustatten – wobei ich auf der anderen Seite gestehen muss, daß ich die Möglichkeit hatte bei der angesprochenen Modenschau als Designer dabei zu sein. Widersprüchlich, zugegeben, aber ich sehe es mehr als das Gegenteil von Mainstream an, wenn Designer aus der Szene für eben diese arbeiten und liebevoll gestaltete Einzelstücke und Kleinserien anbieten, anstelle von Massenware die genauso industriell produziert wird wie die der großen und langweiligen Mode-Ketten – finde ich zumindest … aber das Thema wäre einen eigenen Artikel wert und deswegen lasse ich es an dieser Stelle auch dabei bleiben.

So oder so – ich interesiere mich für Trends und das was modemässig angesagt ist, immer noch nicht. Nur manche „Trends“ bekommt man eben mehr zu Gesicht als andere.

Wenn ich dann doch mal im Zuge einer Arbeit für die Aubildung in den „Trend-Büchern“ blättere, fällt stark auf wie 80er-lastig auch die „normale“ Mode ist. Mit beinahe allen Merkmalen die man in den beiden Dekaden danach so völlig scheußlich fand – Leggins, Neonfarben, wüste Drucke, Oversize-Hemden, verspielte Pastells die einen an romantische Teenie-Komödien aus den USA dieser Periode erinnern und einen innerlich erschauern lassen. Lediglich bei den Schulterpolstern scheint man dann doch die stilistische Schmerzgrenze nicht überschreiten zu wollen – aber wer weiß was noch kommt.

Immerhin kann man der Mode der „bunten“ Welt eine gute Seite abgewinnen – man könnte beispielsweise auch wieder mal ganz retromässig stilistischen Widerstand gegen diese knüllebunte Spaßgesellschaft leisten – am Besten mit einer guten Joy Division Scheibe im Ohr und der Gewissheit daß im eigenen Bandshirt, das mit Schereneinsatz und einigen – womöglich – krummen Nähten in Eigeninitiative in Wunschform gebracht wurde, mehr Aussage steckt als im fertig produzierten Shirt vom Trend-Hersteller welches tatsächlich nur wegen des „coolen Styles“ des Aufdruckes, gekauft wurde.

In diesem Sinne wandere ich jetzt auch wieder an meine eigene Nähmaschine …

Rosas waviges Kaleidoskop #1: Ethereal Wave

Nicht nur heutzutage können die Subströmungen schwarzer Musikrichtungen bisweilen sehr verwirrend sein, auch in den Anfangstagen des Wave und Postpunk war die musikalische Landschaft durchaus schon breit gefächert.
So ist und bleibt der Oberbegriff „Wave“ im Prinzip auch ein Begriff für weitläufige Nuancen der Sache – mit einem Bein im experimentellen Underground, mit dem anderen schon im Pop.

Mit solchen Unterkategorisierungen gibt es natürlich auch das Problem daß sich damals natürlich keiner hingesetzt hat, sich aus einer Auflistung dieser Begriffe einen ausgesucht hat und beschlossen hat eben diesen Stil in seiner Musik aufzunehmen, es gab Entwicklungen und Überschneidungen in viele Richtungen, ein Großteil der Bands kann nicht exakt in eine Unterschublade einsortiert werden – auch eben weil diese Kategorien wieder einmal nachträglich gebastelt wurden um dem Ding einen Namen zu geben.

Wie weit das Feld „Wave“ tatsächlich ist möchte ich versuchen in dieser neuen musikalischen Kategorie auszuloten, Informationen weitergeben und Lücken in meinem Musikwissen finden und möglichst stopfen – und stellenweise wird es mich deprimieren weil der CD-Wunschliste garantiert der eine oder andere Silberling hinzu kommen wird – und die Liste ist so schon nahezu endlos😉

Das erste Kapitel führt uns zur romantischen Seite des Wave😉

Kapitel 1: Ethereal Wave / Heavenly Voices

Ethereal Wave – auch als „“Ethereal“, „Ethereal Goth“ und „Ethereal Darkwave“ bezeichnet, ist eine Subströmung des Wave die Ende der 80er bis Anfang der 1990er populär wurde.

Doch die Wurzeln haben viele spätere Ethereal-Bands bereits in den frühen 80ern, einige davon experimentierten auch zu der Zeit bereits mit solchen Klanglandschaften, die Hochzeit dieser Spielart war aber erst in den 90ern.

Charakteristisch für Ethereal sind meist atmosphärisch eingesetzte Gitarrenklänge (die aber dennoch meist unverkennbar Wave sind), dazu experimentelle Synthie-Klangteppiche die den Sound fast Filmmusik-artig unterstreichen, sowie überwiegend weibliche Sängerinnen. Ausgebildete Singstimmen sind nicht selten, es dominiert glasklarer, mystisch-verklärt anmutender Gesang oder sehr aussergewöhnliche, markante Stimmen.

Eng verwandte Genres sind Dreampop und Shoegaze, letzteres erhielt seine Bezeichnung durch einen ironischen Kommentar der – wieder mal – britischen Musikpresse, die den Künstlern vorwarf, auf der Bühne lediglich verschüchtert auf die eigenen Schuhspitzen zu starren – wer denkt da nicht unwillkürlich an den Grufti der weggetreten den Nord-Süd-Kurs auf der Tanzfläche antritt, um „die Musik so richtig schön in sich reinkriechen zu lassen“😉

Weitere Querverweise die vom Ethereal Wave ausgehen sind Neofolk, Neoklassik,  Industrial – im Sinne von ambient-lastigen Sounduntermalungen die wieder ihre Urpsrünge in der Industrial Culture haben. Auch „New Age – Musik“ wird als verwandt genannt – und neben dem athmosphärischen Synthie-Einsatz experimentiert man auch mit Musikformen aus Mittelalter und Renaissance sowie den Klängen aus anderen Kulturen wie Afrika, Arabien, Indien und Asien und vereint diese mit dem Wave-Sound.

Während der Industrial großen Einfluß auf Filmmusik gemacht hat (einige Künstler komponierten später für Film und Fernsehen, zB Chris Carter von Throbbing Gristle) waren auch Künstler aus den Ethereal-Reihen später gelegentlich für Filme tätig – hier mehr im Stile epischer, bombastischer Sounds a la „Herr der Ringe“ – zB In The Nursery.

im deutschen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung „Heavenly Voices“ – in Anspielung auf die grandiosen Singstimmen der Sängerinnen (und ab und an auch mal Sänger😉 ) die eben typisch für diese Spielart des Wave sind. Hierzulande hält sich dieser Begriff durch die 90er ziemlich hartnäckig – und genauso habe ich diese Sparte der Dunkelmusik auch kennengelernt – auch wenn sie strenggenommen falsch ist.

Diese Bezeichnung geht auf eine 5-teilige Compilation zurück die ebenso hieß und zwischen 1993 und 1998 erschien. Herausgeber dieser Compilation war ein deutsches Independent-Label namens „Hyperium Records“, welches Alben Wegweisender Künstler dieses Subgenres herausbrachte – die Liste der Bands ist dabei beachtlich.
Gründer des Labels sind Oli Roesch und Oliver van Essenberg, Geschätssitz in Nürnberg (netter Zufall😉 ).

Auf den Samplern waren Bands aus den Genres Ethereal, Neoklassik, Neofolk, Folk, Pop, Alternative Rock, Trip Hop, Weltmusik, New Age und zuletzt auch Metal vertreten. Alle mit klanglich ähnlichem Konzept, aber nicht einheitlich nur Ethereal Wave – was freilich auch den besagten fließenden Überschneidungen und Weiterentwicklungen in den 90er Jahren geschuldet ist. Diese Bezeichnung wurde deswegen auch kritisiert – besonders auch weil Metal von anderer musikalischer Richtung her kommt und mit dem „Wave“ in „Ethereal“ freilich nichts zu tun hat.

Bands wie Faith and the Muse, Miranda Sex Garden, Attrition, Ataraxia, sToa, Die Form, Kirlian Camera, Collection D’Arnell Andrea und später auch QNTAL waren auf der „Heavenly Voices“-Compilation vertreten und boten die musikalische Heimat für die Endzeitomantiker der 90er Jahre. Und die Schwarzromantiker heute stehen in deren Tradition, auch wenn die Zeiten sich seitdem wieder einmal verändert haben.

1999 geht Hyperium Records bankrott, viele der „alten“ Künstler sind aber auch heute noch aktiv, manche sogar szeneintern recht bekannt wie zB Faith and the Muse und Dead Can Dance.
Aber auch auf einem anderen Kult-Label – 4AD – gab es recht viele Ethereal Künstler zu finden, bzw nach dem Aus von Hyperium Records erschienend ie Alben vieler Künstler auf 4AD. Das Label, welches im Jahre 1979 gegründet wurde, ist auch heute noch „im Geschäft“.

Die Liste der Bands die man zum Ethereal Wave zählen kann ist groß, stellvertretend stelle ich ein paar hier kurz und exemplarisch vor. Persönliche Vorlieben spielen dabei offengestanden aber die größere Rolle😉

Dead Can Dance

Vielleicht *die* Szenegröße im Ethereal-Bereich. Die Ausnahme-Kapelle um Brendan Perry und Lisa Gerrard wird 1980 in Australien gegründet, musikalisch orientiert man sich zunächst an Wave- und Postpunk-Klängen, im Laufe der Zeit nehmen aber die Einflüsse aus unterschiedlichsten Kulturkreisen zu – vornehmlich aus dem arabischen Raum – die Band wird um Musiker aus entsprechenden Ländern ergänzt. Dead Can Dance können ebenso dem genre „Weltmusik“ zugeordnet werden, eben wegen dieser Einflüsse – letztenendes ist und bleibt das Projekt irgendwo eine Sparte für sich welche einzigartig ist. Zu dem genialen Musik-Crossover gesellt sich Lisa Gerrards charakteristische Stimme und ihre Fähigkeit des lautmalerischen Gesangs.

Auf der offiziellen Webpräsenz kann man kostenfrei die neuesten Werke in Form einer EP herunterladen: http://www.deadcandance.com/

sToa

sToa wurde 1991 von Oliver Parusel und Conny Levrow gegründet. Das erste Stück – ebenfalls mit dem Titel „sToa“ wurde bei Hyperium Records veröffentlicht, später auch das Album „Urthona, welches als wegweisend für den Ethereal-Sound gilt.Beide Gründungsmitglieder haben Ausbildungen in klassischer Musik, was maßgeblich bei „sToa“ eingeflossen ist.
Inhaltlich dreht sich sToas Werk um philosophische und esoterische Themen, musikalisch sind auch hier Einflüsse orientalischer Kulturen vorhanden.
Live ist die Band auch mehr als empfehlenswert – wer sich darauf einlässt wird mit einem nachdenklichen, ruhigen und beeindruckendem Erlebnis belohnt.

Collection d’Arnell Andréa

1986 gründeten Pascal Andréa und Chloé St Liphard die Band in Orléans, Frankreich. Andréa verlässt kurz nach der Gründung die Band, sein Name bleibt aber bis heute im Namen der Band.
Musiker mit traditioneller klassischer Ausbildung vervollständigen das Projekt, bei Live-Auftritten ist das Ensemble nicht selten groß. Wavige Klänge mischen sich zwischen Violinen und Chloés helle, klare Stimme. Eine Band die es mir seid dem Konzertbesuch zum WGT 2008 auch sehr angetan hat.

Hier die offizielle Homepage: http://cdaa.free.fr/

Myrna Loy

Über die Bonner Wave-Formation findet man im Netz nicht viel. Allzu bekannt scheinen sie heutzutage auch nicht mehr zu sein, was aber eine echte Schande ist, da diese Kapelle wirklich Spitzenklasse war und immernoch ist.
Ich bin ganz stolz, alle drei je erschienenen Scheiben im Regal stehen zu haben.
Aktiv war diese Band Anfang der 90er, stilmässig sind die Arrangements teilweise sehr experimentell, oft unverkennbar mit wavigen Wurzeln, und die Stimme der Sängerin, des Sängers, Victor, ist enorm einprägsam. Ebenfalls eine Kapelle die eigentlich eine ganz eigene Kategorie für sich darstellt.
Aktiv war die Band von 1887 – 1994. Kritiker bezeichneten die Band als eine der Innovativsten in Deutschland damals. Der Meinung bin ich durchaus auch:)

Nachtrag: Danke an Serapion für das Richtigstellen, daß hier keine Sängerin am Werk war, sondern tatsächlich ein Sänger – ich wusste es nicht und war mir sicher, eine Dame herauszuhören:) – der Umstand aber macht diese Band meiner Meinung sogar noch beeindruckender!

Cocteau Twins:

Zitat Wikipedia:

Die Cocteau Twins wurden 1980 in Grangemouth, Schottland, gegründet. Die Namensgebung geht auf einen frühen Song der schottischen New Wave-Band Simple Minds zurück, der in leicht veränderter Form als No Cure auf deren Debütalbum Life in a Day (1979) zu hören ist.

Die Cocteau Twins gelten als die „Erfinder“ des Ethereal, in ihrer frühen Laufbahn waren sie mit Bands wie OMD (❤ ) und This Mortal Coil auf der Bühne. Auch deren Alben erschienen danach auf dem Kultlabel 4AD.
Robin Guthrie und Liz Fraser arbeiteten für letztgenannte Band an dem Tim Buckley Cover "Song for the Siren", das im Soundtrack des Filmes "Lost Highway" von David Lynch zu hören war. Es wurde auch unter dem Bandnamen „This Mortal Coil“ (Album „It’ll End in Tears“, 1984) herausgegeben – nicht unter „Cocteau Twins“ – wie ich fälschlicherweise vorher an dieser Stelle behauptet hatte😉 – das Projekt des 4AD Labelchefs hatte zeitlebens wechselnde Bandmitglieder und Gastmusiker die sich auch im Ethereal-Bereich mit ihren eigenen Projekten aufhielten.

Ein Wendepunkt stellt das Stück „Blue Bell Knoll“ dar, bei dem vermehrt auf elektronische Verfremdung, insbesondere der Gitarre, wert gelegt wird. Das Ergebnis ist meiner Meinung nach wunderschön, avantgardistisch und zeigt den Brückenschlag zwischen Schwarzromantik und Punk-Wurzeln durchaus.

Wie bereits gesagt – es gibt viele bemerkenswerte Bands aus dieser Subsparte, für alle ist hier natürlich kein Platz. Ich hoffe aber die Auswahl war abwechslungsreich und dennoch bezeichnend für ein Wave-Subgenre das durchaus großen Einfluß hatte.

Quellen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Hyperium_Records
http://de.wikipedia.org/wiki/Shoegazing
http://en.wikipedia.org/wiki/Ethereal_Wave
http://www.lastfm.de/music/Myrna+Loy
http://de.wikipedia.org/wiki/Cocteau_Twins

Bildnachweis: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Hyperium_Records.png

Gothic Friday Dezember – Subkultur in eurer Stadt

Das Jahr 2011 ist nicht mehr, und damit nimmt auch das „Gothic-Friday“-Blogprojekt, das viele interessante Themen und Artikel zu eben jenen hervorbrachte, ein Ende .

Das Dezember-Thema wurde per Vorschlag der Teilnehmer und Leser und anschließender Abstimmung darüber entschieden.
So machte – wenn auch knapp – die Vorstellung der Subkultur in der eigenen Stadt respektive Region das Rennen.

Seit guten 11 Jahren lebe ich in Bayreuth. Eine kleine Stadt die wohl am Bekanntesten für die alljährlichen Wagner-Festspiele sein sollte. Doch auch in den Kreisen der schwarzen Szene ist Bayreuth ein nicht gerade unbeschriebenes Blatt.

In den 90ern gab es hier den szene-berühmten Club „Etage“, von dem ich leider nur von Geschichten gehört habe, denn das war dann ein paar Jährchen vor meiner eigenen Zeit als Bayreuther.

Wenn man jedoch von Bayreuth über die B303 gen Fichtelgebirge fährt, so liegt auf dem Gelände eines Schrotthändlers der eigentlich hauptsächlich Autoteile besitzt, gut von der Straße aus sichtbar eine große, schwarz gestrichene Platte auf der in kantigen, pinken Buchstaben gut lesbar „ETAGE“ steht. Ein Überrest des Clubs? Mal sehen ob sich dem nachgehen lässt …

Bilder aus der alten Etage gibt es im Netz wenig zu finden, lediglich folgende Impressionen konnte ich ausfindig machen:

http://www.wuff.net/claudia/etage/index.html
http://www.wuff.net/claudia/etage/etage.html

„Goethes Erben“ und „Das Ich“ formierten sich hier, ab und an steht Oswald Henke im Supermarkt vor einem an der Kasse an. Die Plattenlabels „Danse Macabre“ (Bruno Kramm) und „Etage-Music“ (Jochen Schobert) sind in der bayreuther Region ansässig.

In Bayreuth wird man gelegentlich sogar von Normalvolk auf der Strasse angesprochen (sofern diese im „richtigen“ Alter sind) ob man die alte Etage gekannt hatte – zuletzt geschehen am Bahnhof als eine Dame erst minutenlang auf die Spitzen meiner Pikes starrte um mich schließlich dann doch anzusprechen.
Daraus wurde dann ein angeregtes Gespräch bei dem sich herausstellte daß die Dame zu Etage-Zeiten wohl bei einem Taxi-Unternehmen gearbeitet hatte das direkt beim Club sein Büro hatte. Und an Abenden mit wenig Betrieb sei man in die Etage hinüber gegangen um ein wenig mit den Grufties zu feiern. Überhaupt fand sie daß diese Leute ausnehmend freundlich und offen seien und sie sich sehr freut daß ihre jugendliche Tochter auch immer mehr in diese Richtung gehen würde.

Der erste schwarze Club den ich in Bayreuth betreten habe war das „ID2“. Das knappe Jahr in dem dieser Club so irgendwie überlebt hatte war eine tolle Zeit, entsprechend weh getan hatte sein Ableben, und den allerletzten Abend dort vergesse ich auch sicher nicht – dieser allein würde Stoff für einen eigenen Artikel bieten.
Zu der Zeit war die Kneipe mit dem schön-gruffelichen Namen „Fledermaus“ auch ein willkommener Treffpunkt für allerlei Schwarzgewandete. Leider wechselte die ziemlich häufig den Pächter, stand mittendrin mehr oder weniger lang leer.
Die eine oder andere Nacht sind wir da drin versumpft, haben mit dem damals aktuellen Inhaber (der meines Wissens erste und einzige Grufti der die Fledermaus bewirtschaftete – man kannte sich *hust*) die Tische weggerückt um Platz zum Tanzen zu haben bis die Sonne aufging.

In einem Anfall von Nostalgie wäre ich gern wieder mal hingegangen, doch sowie ich gehört habe heißt der Laden nun „Stereo-Bar“ und ist mehr Anlaufstätte für Publikum ganz anderer Art. Sehr schade, das historische Kellergewölbe und die Fledermaus-Lampen (die keineswegs kitschig waren sondern richtig stilvoll designt) waren perfekt …

Scheint als wäre nach dem Jahrtausendwechsel Bayreuth kein allzu gutes Fleckchen mehr für schwarzes Volk. Ein weiterer Club hielt sich ebenfalls nicht sehr lange. Dann war es eine Weile sehr still.

In etwa zeitgleich mit dem ID2 entdeckte ich das Top Act in Zapfendorf, ein beschauliches Nest irgendwo mitten im fränkischen Hinterland, trotzdem hält sich der Laden schon recht lange.
Es gibt eine große Zahl an schwarz-genre-sortierten Veranstaltung, angefangen von der „Dienstältesten“ – der La Nuit Obscure – die einmal quer durch alle schwarzen Stile führt. Im Lauf der vergangenen Jahre wurde das Konzept – je nach DJ – mal mehr und mal weniger eingehalten.
Daneben gibt es mehr batcave-lastigere Abende, mehr Elektronischere. Neben Metal-Abenden gab es auch schon Goa-Parties.
Einige Party-Konzepte wurden im Lauf der Jahre aufgegeben, andere kamen hinzu. Neben dem etablierten 80er-Abend (der aber nicht ganz so häufig auf dem Terminzettel steht) ist zuletzt mit der „Wave to the Past“ eine musikalisch hochgradige Veranstaltung dazu gekommen die auf allerlei Altes setzt – von echten Klassikern bis hin zu mehr oder weniger neuen Projekten die an den 80er Sound anknüpfen.

Auf keinen Fall vergessen sollte man den „Göttertanz„, welcher Vierteljährlich veranstaltet wird. Mit ca 10 Euro Eintritt eine etwas teurere Geschichte, aber die wird durch Begrüßungssekt und durchgehend Buffet wieder relativiert. Musikalisch wird hier alles abgedeckt was das schwarzromantische Herz gern hört – von Pagan Folk über Ritual, Neofolk, Heavenly Voices, Neoklassik und alles was noch dazu gehört. Die Gäste geben sich bei Gewand und Make-Up meist sehr viel Mühe und so ist diese Veranstaltung auch schon lange zu einem Treffpunkt für die Rüschenfraktion geworden😉

Neben Zapfendorf bin ich auch gerne mal in Nürnberg unterwegs, wegen der Strecke (die mit einer Stunde Fahrtzeit zwar noch im Rahmen ist, aber dennoch eben eine ganze Stunde ist …) kommt das aber nicht ganz so häufig vor.
Zugegeben, wochenends Weggehen ist im letzten Jahr deutlich zurück gegangen bei mir, und bis zum Sommer schätze ich auch daß sich da erstmal nicht viel mehr tun wird …

Jedenfalls, das Cult bietet einmal im Monat die „Grey Area“ – eine musikalisch sehr feine Geschichte mit allerhand schwarzen Klassikern, etwas Neofolk und recht viel aus dem Umfeld des waschechten Industrials.
Der Club selbst ist eine eher überschaubare, alte Industriehalle mit kargem Charme, etwas abseits gelegen. Passend zum musikalischen Angebot. Veranstalter ist der Verein XHPonozon der auch feine, und spezielle Geschichten wie die „Waid Noises“ (hier mein Artikel zur letzten Veranstaltung) und „1654 The Cave“ organisiert – welche auch eine etwas längere Anfahrt lohnend machen da Location (eher im letzteren Fall – eine Burgruine mitten im Nirgendwo) oder das Programm an sich meilenweit vom schwarzen Mainstream entfernt ist.
Um schwarzromantische Bälle handelt es sich hier aber nicht, die aussergewöhnlichen Locations verlangen nach manövrierbarerer Montur da man sich erstmal durch ein wenig Natur durchschlagen muss, dafür ist man aber relativ abgeschieden – was auf eine kargere Art wieder sehr romantisch ist.
Der letzten Cave fielen beispielsweise ein Paar meiner Pikes zum Opfer *schnöffz* weil um 3 Uhr in der Nacht über der Ruine ein übler Gewitterschauer niederging der erhebliche Mengen Wasser durch die eh schon löchrigen Sohlen meiner Pikes trieb …

Ebenfalls einmal im Monat – üblicherweise an einem Freitag – findet die „We want Revenge“ im Cult statt – viel Wave und Postpunk, gepaart mit Indie. Eine ganz schöne Mischung bei der man sich sozusagen an der Tanzfläche fest-„saugen“😉 kann. Leider war ich nur ein paarmal da – Freitags sind längere Wege zu Parties derzeit für mich etwas ungünstig.

Ausgesprochen fein ist auch die Depeche Mode Party auf der Mississippi Queen in Nürnberg. Bisher war ich nur einmal da, das Unterdeck war brechend voll und ich war stellenweise sogar mit platzsparendem schwarzen Anzug und Jasons irgendwie im Weg – aber das Schiff hat was als Veranstaltungsort und kommt faste in wenig steampunkig rüber, die Musik war grundgenial ausgewählt. Leider kein billiges Partyvergnügen dank hoher Eintritts- und Getränkepreise, aber doch recht aussergewöhnlich.

In Bayreuth selbst ist – wie gesagt – nicht mehr ganz so viel los wie noch in den 90ern zur Zeit der Etage.

Für einen Kneipenbesuch bietet sich immer das „Kanapee“ an, eigentlich eine Metaller-Kneipe. Obwohl nicht meine Musiksparte bin ich immer ganz gern dort gewesen – neben günstigen Preisen hat die Örtlichkeit einen sympathisch-trashigen Charakter.
Zugegeben, ich bin schon lange nicht mehr dort gewesen, früher aber hatten wir einige sehr amüsante Abende in dem Laden verlebt.

Die „Rosenau“ ist berüchtigt für Studentenparties denen man als Mensch mit Vorliebe für schwarze Klamotten freiwillig nicht unbedingt gern nahe kommt. Zu meiner Studenten-Zeit hab ich das ein-zweimal über mich ergehen lassen, dann war aber auch Schluß. Abgesehen vom sozialwissenschaftlichen Experiment wie angesoffene BWL-Studies auf Gruftdamen in Netzstrümpfen reagieren. Das Ergebnis war teilweise amüsant, teilweise niederschmetternd für die Bunt-Fraktion. So hat ein Security einen besoffenen Typen vor die Tür gesetzt der nicht verkraften konnte daß ich kein Interesse an ihm hatte, egal was er vorzubringen wusste.

Seit etwa 2006 findet dort aber am letzten Freitag im Monat die „Deuxieme Etage“ statt, die vom gleichnamigen Verein veranstaltet wird.
Der Name ist selbstredend eine Anspielung auf die berühmte Etage der 90er, musikmässig wird auch hier alles an schwarzen Stilen angeboten. Zweimal im Jahr auch mit Unterstützung der „Metal Time Bayreuth“.
Musikmässig hat sich in letzter Zeit einiges zum Guten gebessert und ich hoffe der Trend hält an😉 – selbstredend sind die Veranstalter auch hier immer ein gewisses Maß abhängig von den Besuchern wenn man die Party halbwegs halten will, von daher spricht es auch für das Publikum daß anständige Musik nicht mehr kritisch beäugt wird sondern durchaus auch Leute auf die Tanzfläche lockt.
Abgesehen davon bin ich in wenigen Autominuten dort (und sollte es sein müssen auch wieder weg) und „man trifft sich“ sozusagen immer wieder dort, was die Atmosphäre inzwischen ganz familiär macht, besonders auch weil man mit den DJs beim Luftschnappen auch immer mal nett quatschen kann.

Dem geschichtlich interessierten Grufti bietet Bayreuth auch eine ganze Menge. Die Stadt hat eine Reihe sehenswerter Bauten aus dem 18. Jahrhundert die zum Großen Teil von der Markgräfin Willhelmine erbaut wurden – allen voran die imposante barocke Oper.
Auch das Neue Schloß in der Stadtmitte ist sehr interessant – hier erfährt man in einer Führung durch den jüngsten Trakt – den italienischen Bau – was es mit dem „Bayreuther Barock“ auf sich hat.
Unweit des zugehörigen Hofgartens befindet sich das „Haus Wahnfried“ in dem Richard Wagner gelebt hat und nun ein Museum rund um Leben und Wirken des Komponisten. Unweit davon findet man sein Grab.
Ebenfalls in der Nähe befindet sich das Freimaurer-Museum , dessen Gebäude auch der Hauptsitz der bayreuther Freimaurer-Loge ist.
Bei einer Museumsnacht habe ich dieses Museum besucht und danach eine philosophische Einführung ins Freimaurertum im Versammlungsraum angehört. Es war ziemlich interessant, die Leute sind recht offen und freundlich, und waren von unseren historischen Klamotten auch recht angetan😉

Unter dem imposanten, alten Backsteingebäude der Bayreuther Bierbrauerei befindet sich der Zugang zu den Bayreuther Katakomben die vermutlich bis ins 16. Jahrhundert zurückdatieren und in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ausgebaut wurden.
Führungen gibt es nach Absprache, in den rund 60 Minuten erfährt man viel Geschichte(n) rund um den wahren „Underground“ der Wagner-Stadt *g*

Etwas ausserhalb befindet sich die Eremitage – ein weitläufig angelegter Park mit Wiesen die im Sommer perfekte Kulisse für Schwarzromantiker-Picknicks sind. Der sogenannte Sonnentempel mit einer vergoldeten Statue des Apoll im Streitwagen auf dem Dach, fasziniert durch die funkelnde Fassade die mit unzähligen Halbedelstein-Splittern besetzt ist.

Ebenfalls etwas ausserhalb in Donndorf steht das Schloß Fantaisie, das ebenfalls mit einem weitläufigen Park aufwarten kann.

Mit einer halben Stunde Fahrtzeit von Bayreuth weg ist Sanspareil zwar etwas weiter weg, aber dennoch ein lohnenswertes Ausflugsziel. Das Gelände wurde als Felsenlandschaft konzipiert, Herzstück ist die kleine Felsenbühne die im Sommer bespielt wird und auch bei Tageslicht wegen der fast schon unwirklich anmutenden Felsformationen sehenswert ist.

Bei Führungen die durch einige Bauten der genannten Örtlichkeiten angeboten werden, erfährt man hier sehr viel über die Mythologie die die Erbauer hier in Stein umgesetzt haben – im Gegenzug zu manch moderner Architektur stecken hier viele antike Legenden in den Verzierungen und Gesamtkonzepten – was dem an Symbolik interessierten Grufti sicher auch gelegen kommen wird😉

So habe ich schon etliche Freunde und Bekannte durch die genannten Museen und Parks geschleppt – meist selbst in Gewandung – neben einem gewissen Wohlfühlfaktor hat das den zweiten Vorteil daß man gelegentlich auch mal den Eintritt spendiert bekommt als Anerkennung für den Rausputz-Aufwand😉

So, das war nun mein kleiner Einblick in das was die Bayreuther Gegend an Subkultur und ergänzendem Geschichtsprogramm welches – wie ich hoffe – auch auf schwarzes Interesse stoßen sollte.

Sofern das den einen oder anderen jetzt neugierig auf Bayreuth gemacht haben sollte – ich bin immer wieder gern bereit Gäste durch die einheimischen Sehenswürdigkeiten und Museen zu schleppen😉 – und selbstredend auch live und in schwarz das regionale Dunkelclub-Leben vorzustellen.

Gastbeitrag Gothic Friday – Chris und die dunkle Musik

Ich bin sehr froh darüber an dieser Stelle auch mal einen Gastbeitrag beherbergen zu dürfen, ein guter Freund hat sich von mir überreden lassen mitzumachen und erzählt im Folgenden ein wenig über seine Musikalischen Präferenzen – was mich auch aus dem Grunde erfreut da er ein guter Beweis dafür ist daß die junge Generation Schwarzvolk nicht notwendigerweise immer im Cybergestampfe steckenbleibt, sondern sich auch Gedanken zu den Ursprüngen der Szene macht.

Und deswegen hat im Folgenden Chris das Wort – von mir stammen lediglich die Formatierungen via HTML.

10 Fragen — Die Musik und Du
Was bedeutet Musik für Dich? Wie wichtig ist sie Dir?

Diese Frage ist eigentlich mit: „Musik ist mein Leben“ beantwortet, ich gehe dennoch ein wenig mehr darauf ein, da dies ja viele Menschen lesen werden. Musik höre ich immer und überall, ob das nun auf längeren Touren zu Veranstaltungen ist, zu Fuß/unterwegs mit dem Hund oder einfach nur Zuhause am PC, beim Putzen/aufräumen oder beim Baden.

Wichtig ist dabei das, die Musik immer zu meiner aktuellen Gemütslage/Stimmung passen muss. Dies ergibt sich allerdings meistens von selbst.

Welche Richtungen »schwarzer Musik« hörst du? Nenne ein Beispiel, das für Dich deine Bedeutung des Genre am besten Wiedergibt.

Das Spektrum von mir gehörter Musik ist ziemlich breit gefächert aber ich fang mal an. Ich habe zwar die 80er nicht mehr mitbekommen da ich einfach zu jung bin (leider) höre die damalige Musik bzw. die Anfänge der schwarzen Szene sehr sehr gerne. Für mich ein nicht wegzudenkender Favorit sind dabei:

The Cure – Lovecats
Ich finde es ist ein Klassiker und jeder sollte es kennen.

Das nächste von mir Bevorzugte Genre wäre dann Neofolk/Neoclassic, ich wage es hier mal diese beiden Richtungen miteinander aufzuzählen, da sie für mich doch ziemlich Artverwandt sind. Auf diese Musikrichtungen bin ich durch den, hier bei mir heimischen Göttertanz gekommen. Zur Neoclassic möchte ich hier folgende Band erwähnen:

Blood Axis – Lord of Ages

Nun zum Neofolk ein Vertreter den ich da gerne höre ist folgender:

Death in June – Little Black Angel

Eine weitere Musikrichtung der „Gothic-Kultur“ die fester Bestandteil meiner Musiksammlung ist, ist der Darkwave hier führ ich mal einen der bekanntesten Vertreter auf:
Deine Lakaien – Over and Done

Erwähnen möchte ich auch noch folgende Band die ich erst auf einen zweiten Versuch gut fand:
Diary of Dreams – Giftraum

Dann gehen wir mal weiter zum Military Pop und Martial Industrial, zwei Richtungen die ich erst sehr Spät auf einer Party kennengelernt habe, aber mittlerweile sehr gerne höre und schätze. Als Vertreter des Genre möchte ich hier folgende Vorstellen:
In Slaughter Natives – Death Just only Death

wobei die Grenze hier so derart fleißend ist das man auch von Death Industrial spricht.

Kommen wir nun zu Ritual, Dark Ambient, Pagan und alles was man in diese Richtungen stecken kann. Hier liste ich nun mal ein paar Sachen auf die eigentlich fast jeder kennt.
Als Ritual Industrial:
Test Dept. – Arddyledog Ganu
ein Stück was ich als sehr intensive und emotional empfinde.

Zum Dark Ambient stell ich mal folgende Band vor:
Sephiroth – A map of Eden before the Storms Von dieser Band kennen viele sicher das Stück Wolf Tribes, aus diesem Grund stell ich hier mal ein anderes vor.

Pagan und Mittelalter, ich mag Dudelsäcke und Gitarren nicht wirklich deswegen stell ich hier mal zwei eher elektronische Projekte vor, die aber auch wieder sehr bekannt sind.
Qntal – Fruhling
Helium Vola – Darkness, Darkness

Was bei mir musikalisch noch aus dieser eher ruhigeren Sachen aus der Reihe tanzt sind Power Electronics, hier möchte ich eine Band aufzeigen dir mir Persönlich von Texten, Sound und Gesamtkonzept sehr gefallen:
Haus Arafna – Last Dream of Jesus

Desweiteren darf hier nicht der gute alte EBM vergessen werden, zumal mich folgende Band 2010 auf einem Festival so dermaßen überzeugt hat, da sie trotz des hohen Alters der Bandmitglieder noch so ne unglaubliche Performance hingelegt haben:

Front 242 – Welcome to Paradise

Erwähnen will ich jetzt eigentlich nur noch Sopor Aeternus and the Esemble of Shadows, da mich dieses Projekt immer wieder durchs leben begleitet. Allerdings kann ich die Band keinem Genre zuordnen und möchte das auch gerade nicht. Es ist eben ein persönlicher hoher Stellenwert den diese Band bei mir erreicht hat.

Wie würdest du deine musikalische Laufbahn beschreiben? Über welche Richtung der Musik bist Du in die Szene gekommen, welche hast du hinzugewonnen, welchen hast du abgeschworen und was hörst du heute?

Da ich es verpasst habe am ersten Gothic Friday teilzunehmen, werde ich hier etwas weiter ausholen. Ersten Kontakt mit „alternativer“ Musik hatte ich auf den hier in der Fränkischen Schweiz heimischen Bierzelt Beatabenden, hier möchte ich mal ein großes Lob an die Coverband Audio Gun loswerden, ein Mädel die eine sehr schöne hohe Stimme hat, ein ästhetischer Sänger und langhaarige abrockende Bass und Gitarren Spieler (eigentlich nicht meine Welt aber mit 16 is man froh wenn man mal rauskommt). Besagte Band fing also irgendwann an Nightwish, Rammstein, Within Temptation und Co. zu spielen, was bei mir dann doch gefallen fand. Also war ich dann für 1-1,5 Jahren der „Metall-Szene“ angehörig. Bis ich eines Tages einen Sampler in die Hand gedrückt bekam, auf diesem Sampler wart Track 07 von Emilie Autumn, ab hier ging es dann los, ich sah besagte Dame auf dem Cover einer Orkus-Zeitschrift welche denn auch gleich mal eingesackt wurde und von vorne bis hinten durchgelesen wurde. Durch einen von der Band ASP kreierten Remix des Songs Liar von Emilie Autumn stieß ich dann auf diese Band. Mit 18 folgten dann Besuche der ersten Gothic Veranstaltungen (damals noch mit einer schlichten schwarzen Jeans und einem Bandshirt bekleidet). Mit ein bisschen Club und Party Erfahrung passiert dann der schlimmste Abschnitt meiner Szenezeit, ich wurde zum so genannten „Glühwürmchen“, das lag daran das die Musikrichtung grad im kommen war und ich damals mit Szeneanfängen und 80er noch so gut wie nichts am Hut hatte. Das ganze ging dann ungefähr ein Jahr gut, dann machte es wohl „Klick“ oder ähnliches und ich fand die Musik die ich eigentlich mag auf einmal stupide, blöd und niveaulos. Ich lernte dann, auf einer monatlichen Veranstaltung auf der eben all Styles of Dark Music gespielt wurden (wie es so schön heißt), eine Dame kennen die ihr Gesicht weiß geschminkt hatte und im Gesamtbild sehr eindrucksvoll auf mich wirkte (bis Dato hatte ich diesen Stil noch nicht gesehen) was auch an dem Outfit lag. Wie ich später herausfinden sollte hatte sie ihre Kleidung komplett selbst gemacht. Aber eins nach dem andern, also fasziniert von ihrer Erscheinung, wollte ich diese Dame ansprechen, leider bin ich nicht der Typ der auf Menschen einfach zugeht und sie anspricht. Doch beim Frischluft schnappen draußen lief man sich dann doch übern den Weg und wechselte die ersten paar Worte. In den folgenden Monaten (mittlerweile gut 1,5 Jahre) ging man dann öfter zusammen weg und lernte sich immer besser kennen. Dies wird jetzt keine Liebesgeschichte – allerdings war besagte Lady nicht unschuldig an meiner jetzigen Szenebetrachtung, meinem Musikgeschmack und meinem Stil was Kleidung und Schminke betrifft. Mittlerweile zähle ich mich selbst zu den Schwarzromantikern und fühl mich „Pudelwohl“ in besagter Szenerichtung. Dem Glühwürmchen sein hab ich komplett abgeschworen, Sachen in diese Richtung gehen mir eher auf die Nerven als das ich irgendwas Tolles daran finden könnte.

Wie und wo hörst du Musik am liebsten?

Musik höre ich immer und überall, wie in meiner Einleitung schon erwähnt. Am liebsten aber wirklich im Club auf der Tanzfläche mit geschlossenen Augen und einem wirklichen abschalten, was durch die Lautstärke dort immer wunderbar funktioniert. Zuhause hör ich dann meistens eher etwas ruhigere Sachen und gönn mir durchaus mal ein zwei Gläser Wein dazu.

Welche Musik hörst du außerhalb der typischen dunklen Musik noch?

Vereinzelt gibt es wirklich ein zwei Sachen die ich gerne höre, welche nicht aus dem dunklen Musikbereich stammen. Gerade letztes Jahr (2010) gab es im Radio/Mainstream eine Stück was ich ganz großartig fand:

Hurt’s – Wonderful Live

Das mal aus gegebenen Anlass.

Mal angenommen, Du könntest ein Instrument spielen, hättest eine tolle Stimme und würdest zusammen mit Freunden eine Band gründen. Welche Rolle in der Band wäre Deine?

Ich wär sollte es wirklich eine Band mit klassischen Instrumenten sein, der Pianist da ich des Klavier zumindest teilweise beherrsche. Allerdings würde ich lieber ein Krach-Projekt im Sinne des alten Industrials a la Throbbing Gristle gründen. Bei dieser Sache wär ich dann der Typ der wild auf irgendwelchen Ölfässern oder Stahlträgern rumdonnert.

Nenne 5 deiner Alben die für Dich unverzichtbar mit Szene verbunden sind.

Synthie-technisch ist es meine Neuentdeckung des WGTs 2010 —- Roman Rain – Album: Pomah penh

Mental Measuretech – Songs form Neuropa

Rosa Crux – In tenebris

Sopor Aeternus – Le Fleurs du Mal

Helium Vola – Für euch die ihr liebet

Welche musikalischen Eigenschaften hat für dich das ideale Lied?

Das ist jetzt wirklich ein sehr gewagter Versuch, stimmlich wäre mir ne wohlklingende hohe Frauenstimme am liebsten, wenn es eine männliche Stimme sein soll muss diese was sehr besonderes haben. Instrumenten mäßig würde ich mich an vielen Streichinstrumenten erfreuen die von einem Flügel begleitet werden, dazu noch ein paar Trommeln und Samples die das Bild komplettieren. Der Text darf emotional gewichtig sein, wenn’s geht aber nicht von der Zwischenmenschlichen Liebe handeln. So ungefähr stell ich mir das ganze vor.

Band oder welchen Musiker/in würdest Du gern mal interviewen und auf welche Frage musst Du dabei unbedingt eine Antwort haben?

Da fällt mir aktuell nur eine Person ein, die da wäre Anna-Varney Cantodea, da sie/er eine so dermaßen faszinierende Persönlichkeit für mich ist. Allerdings habe ich keine bestimmte Frage, ich würde einfach gerne mal ein Gespräch mit ihm/ihr führen.

Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?

Die Frage ist ein bisschen schwierig, da ich Angst habe das noch mehr „Techno“ angelehnte niveaulose Musik in die schwarzen Clubs einzieht. Ein Beispiel dafür ist ein grausames Lied, welches ich vor einigen Wochen auf einer Frankfurter Party zu Ohren bekommen habe.

Ich hoffe das mal eine Band in Erscheinung tritt die sich am Urindustrial bzw. am Ritual Industrial anlehnt und ein bisschen frischen Wind in diese Richtung bringt.

Zwei Neuentdeckungen die für mich Vielversprechend klingen und ich vergangenes Jahr entdeckt habe sind zum einen, wie oben schon genannt, Roman Rain (Russischer Synthiepop) und zum anderen eine aus Hof stammende Künstlerin namens Genevieve Pasquier, welche sich stark am alten EBM orientiert, durchaus aber auch neues in dieses Genre einfließen lässt.